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		<title>Vier Jahre Victoriah&#8217;s Music: ein Loblied auf die Redaktion &#8211; und eine Jubiläumsausgabe, die es in sich hat</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 13:41:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangblog]]></category>

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		<description><![CDATA[Im April 2008 hieß Victoriah&#8217;s Music natürlich noch nicht Victoriah&#8217;s Music. Vielmehr hatte ich für die Redaktion gerade eine Testrezension geschrieben, die trotz des unglaublich bemühten, pseudo-philosophischen Titels Vom großen Gewicht der Schwerelosigkeit Gefallen gefunden zu haben schien. Ich meine, es hätte schlimmer kommen können. Ich hätte ja auch &#8220;Auf der Suche nach dem verlorenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Bild2.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Bild2.jpg" alt="" title="Bild2" width="460" height="302" class="alignleft size-full wp-image-6674" border="0"/></a></p>
<p>
Im April 2008 hieß <em>Victoriah&#8217;s Music</em> natürlich noch nicht <em>Victoriah&#8217;s Music</em>. Vielmehr hatte ich für die Redaktion gerade eine Testrezension geschrieben, die trotz des unglaublich bemühten, pseudo-philosophischen Titels <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/rezension-musik-cd-yael-naim-1.html"><font color="#dfb3af">Vom großen Gewicht der Schwerelosigkeit</font></a></strong> Gefallen gefunden zu haben schien. Ich meine, es hätte schlimmer kommen können. Ich hätte ja auch &#8220;Auf der Suche nach dem verlorenen Gewicht der Schwerelosigkeit&#8221; titeln können &#8230; Jedenfalls, die beiden Jungs von fairaudio gaben mir ein regelmäßiges Plätzchen in ihrem Magazin. Und damit ich nicht in Versuchung komme, mein Philosophiestudium auch weiterhin in den Überschriften raushängen zu lassen, benannten Sie meine Texte kurzerhand in &#8220;Victoriah&#8217;s Music&#8221; um. Das fand ich überhaupt nicht gut. Es sollte sich aber herausstellen, dass sie &#8211; wie so oft &#8211; Recht behalten sollten, denn mittlerweile kann ich mir kein passenderes Label für meine Musiktexte mehr vorstellen. Schließlich ist es die Musik, die ich selbst aussuche, die ich oft genug heiß und innig liebe und an der ich, zu meinem eignen Leidwesen, manchmal auch verzweifle.</p>
<p>
In den letzten vier Jahren habe ich für fairaudio geschätzte 500 CDs besprochen, einige Messen besucht und Interviews geführt &#8211; und seit Neuestem lese ich auch im Auftrag der Leser, wenn immer ein interessantes Musikbuch veröffentlicht wird. Das Format hat sich mehr als einmal geändert, wir haben viel ausprobiert und auch wieder verworfen, haben uns um bedeutungstragende (oder eben auch nicht) Zeichensetzung gestritten und wieder zusammengerauft und sind gemeinsam gewachsen. Danke dafür, dass ich mich hier immer wieder ausprobieren durfte und auch weiterhin darf &#8211; das muss mit einer extralangen Jubiläumsausgabe von <em>Victoriah&#8217;s Music</em> gefeiert werden! Et voilà &#8211; <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/04_april/cd-olli-schulz-meike-schrader-aretha-franklin-michael-kiwanuka-1.html"><font color="#dfb3af">hier</font></a></strong> ist sie. </p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Michael_Kiwanuka_2.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Michael_Kiwanuka_2.jpg" alt="" title="Michael_Kiwanuka_2" width="460" height="305" class="alignleft size-full wp-image-6666" border="0"/></a><br />
<small>Michael Kiwanuka</small></p>
<p>
Besprochen wurden die schönsten Platten der letzten zwei Monate:</p>
<ul>
<li>Olli Schulz | S.O.S. (Save Olli Schulz)</li>
</ul>
<ul>
<li>Meike Schrader | Das Grün in deinen Augen</li>
</ul>
<ul>
<li>Aretha Franklin | Knew You Were Waiting &#8211; The Best of 1980 &#8211; 1998</li>
</ul>
<ul>
<li>Michael Kiwanua | Home Again</li>
</ul>
<ul>
<li>Bartmes | Modular Soul</li>
</ul>
<ul>
<li>Soap&#038;Skin | Narrow</li>
</ul>
<ul>
<li>Death by Chocolate | From Birthdays to Funerals</li>
</ul>
<ul>
<li>Mark Lanegan Band | Blues Funeral</li>
</ul>
<p>Viel Vergnügen!</p>
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		<item>
		<title>Auf der Suche nach dem gerade noch hörbaren Ton: Tobias Preisig @ A-Trane</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 17:22:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangblog]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Klangblog-Leser, ich hatte gestern mit Tobias Preisig im A-Trane einen wunderschönen Abend, den ich heute mit Ihnen teilen möchte &#8211; und zwar in Form dieser schönen Live-Mitschnitte. Preisig spielt hier seine von der Jeff-Buckley-Version inspirierte Interpretation des Leonard Cohen-Klassikers Hallelujah und &#8220;St. James Infirmary&#8221;, immer auf der Suche nach den naturgesetzten Grenzen des Geige. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Klangblog-Leser, ich hatte gestern mit Tobias Preisig im <strong><a href="http://www.a-trane.de"><font color="#dfb3af">A-Trane</font></a></strong> einen wunderschönen Abend, den ich heute mit Ihnen teilen möchte &#8211; und zwar in Form dieser schönen Live-Mitschnitte. Preisig spielt hier seine von der Jeff-Buckley-Version inspirierte Interpretation des Leonard Cohen-Klassikers <em>Hallelujah</em> und &#8220;St. James Infirmary&#8221;, immer auf der Suche nach den naturgesetzten Grenzen des Geige. Mit ihm zu hören sind Stefan Aeby am Klavier, André Pousaz am Bass und Michi Stulz am Schlagzeug.</p>
<p>
<iframe width="460" height="264" src="http://www.youtube.com/embed/34DJugAu06s" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>
<iframe width="460" height="342" src="http://www.youtube.com/embed/RKI-xHNmIHU" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>
Weshalb <em>Hallelujah</em> als einzige Coverversion auf Preisigs aktueller CD <br /><em>In Transit</em> gelandet ist, warum den Geiger Klang mehr interessiert als Töne und was das Ganze mit dem Atem der Geige zu tun hat, können Sie im <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=6511"><font color="#dfb3af">Klangverführer-Interview</font></a></strong> lesen. Teil drei der Tobias-Preisig-Trilogie &#8211; nach Interview und Konzertausschnitt &#8211; folgt demnächst als CD-Besprechung auf <strong><a href="http://www.fairaudio.de"><font color="#dfb3af">fairaudio.de</font></a></strong> &#8211; und zwar als Platte des Monats Mai. Ja, der Mann hat mich beeindruckt &#8230;</p>
<p>
Haben Sie ein schönes langes Wochenende!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Wenn das Instrument atmet, dann lebt es auch: Jazz-Geiger Tobias Preisig über den Atem der Geige, die Suche nach der Vielfalt des Klanges und die innere Transitzone</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 10:36:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangblog]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass der Klangverführer glühender Leonard Cohen-Verehrer ist, dürfte sich unter den permanent mit seinen Songs traktierten Lesern herumgesprochen haben. Wenn da also einer des Weges daher kommt und glaubt, einen von Cohens bekanntesten &#8211; und meist gecoverten &#8211; Songs neu aufnehmen zu müssen, dann muss der Klangverführer natürlicherweise nur eines: hin. Und stellt schnell fest, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass der Klangverführer glühender <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=1755"><font color="#dfb3af">Leonard Cohen</font></a></strong>-Verehrer ist, dürfte sich unter den permanent mit seinen Songs traktierten Lesern herumgesprochen haben. Wenn da also einer des Weges daher kommt und glaubt, einen von Cohens bekanntesten &#8211; und meist gecoverten &#8211; Songs neu aufnehmen zu müssen, dann muss der Klangverführer natürlicherweise nur eines: hin. Und stellt schnell fest, dass es hier überhaupt nicht um die tausendunderste Coverversion geht. Kurz gesagt: der Termin war eine Überraschung. Und das im positivsten aller möglichen Sinne.</p>
<p>
Dabei bin ich, ohne das vielbemühte Klischee von Jungfrau und Kind weiter strapazieren zu wollen, mehr als unverhofft zu Tobias Preisig gekommen. Ein Promoter, mit dem ich sehr gern zusammenarbeite, weil er es immer wieder schafft, musikalische Perlen an Land zu ziehen, sprach in seinem Newsletter eine Warnung aus &#8220;an alle, die gern auf Nummer Sicher gehen. Diese Musik packt Ihre Zuhörer und beschäftigt Ohren, Hirn und Herz! Im Zentrum des Albums entfaltet sich Leonard Cohens <em>Hallelujah</em> als wunderbar doppelbödige Coverversion.&#8221; Leider unterschlug er eine Kleinigkeit: Nämlich, dass es sich bei dem Künstler um einen Geiger handelt. Ich las nur Cohen-Cover, dachte, wer ist dieses Bürschchen, das sich so etwas wagt, und schickte dem Promoter postwendend den Wunsch nach einem Rezensionsexemplar zu.</p>
<p>
Das kann man jetzt unvorbereitet nennen, naiv. Oder aber auch unvoreingenommen. Preisig selbst liebt diese Story, die den Auftakt zu unserem Interview bildet &#8211; wobei &#8220;Interview&#8221; hier das falsche Wort ist, denn es entsteht einer dieser selten magischen Momente, die weit über die Grenzen eines der üblichen 15-Minuten-Interview-Slots und das in diesem Rahmen lediglich mögliche kurzen Abfragen von Fakten hinausgehen: Das Label Traumton hat Zeit, Raum und vor allem eine intime, inspirierende Atmosphäre für ein echtes Gespräch geschaffen, bei dem ich nicht nur zuhöre und nachfrage, sondern mich nach und nach immer mehr von meinem Skript löse und gezwungen bin, selbst Stellung zu beziehen. Hier ist tatsächlich etwas möglich, was man als Austausch bezeichnen kann. Liebe Major Labels, so sollte es auch bei euch sein! Was ihr davon hättet? Mir ist nach diesem Erlebnis klar, dass Preisig und seine Platte es verdient haben, in meiner fairaudio-Kolumne <em>Victoriah&#8217;s Music</em> anstatt der ursprünglich geplanten Kurzrezension zur nächsten Platte des Monats gemacht zu werden. Es lohnt sich, den Künstler und was ihn an- bzw. umtreibt näher kennenzulernen, um seine Musik mit neuen Ohren zu hören &#8211; und dies auch den Lesern ermöglichen zu wollen. Auch das ist eine Art von zweiter Naivität, die in der Preisig&#8217;schen Musik so wichtig ist.</p>
<p>
Es versteht sich von selbst, dass solch ein Gespräch leider nur gekürzt wiedergegeben werden kann. Konzentrieren wir uns auf die Passagen, die Preisigs aktuelles Album <em>In Transit</em> zum Gegenstand haben. Wir steigen an jenem Punkt ein, wo ich Preisig erzähle, wie ich zu seiner CD gekommen bin. Nämlich wie die Jungfrau &#8230; Sie wissen schon. Ein Gespräch über Leichtigkeit, die erst durch Konfrontation mit der Schwere erreicht wird, über wenige Töne, dafür viel Klang &#8211; und über die ewige Suche nach dem Atem der Geige.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Tobias_Preisig_01_by_Jitka_Hanzlova.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Tobias_Preisig_01_by_Jitka_Hanzlova.jpg" alt="" title="Tobias_Preisig_01_by_Jitka_Hanzlova" width="460" height="632" class="alignleft size-full wp-image-6545" border="0"/></a></p>
<p>
<strong>Klangverführer: Ich wusste also nichts von dir, bevor ich dein Album zum ersten Mal angehört habe. Ich hatte nur in der E-Mail deines Promoters an mich gelesen, dass du Cohens „Hallelujah“ gecovert hast und habe ihm einfach gesagt, schick mal her, das Album. Ich war überhaupt nicht darauf gefasst, dass du Geiger bist!</strong></p>
<p>
Tobias Preisig: (amüsiert sich königlich) Echt? Das ist ja lustig, jetzt wird es spannend!</p>
<p>
<strong>KV: Als ich dann die CD in der Player geschoben habe, dachte ich, wow, das ist jetzt wirklich überraschend; denn ich hatte erwartet, dass du der zehntausendste langweilige Jazz-Sänger bist, der sich dieses Liedes annimmt, und ich war gottfroh, dass es nicht so war! Das heißt, ich bin an deine CD vollkommen unvorbereitet und unvoreingenommen herangegangen und habe erst danach die Hintergrundinfos gelesen.</strong></p>
<p>
TP: Ja, aber das ist doch ganz toll! Das finde ich super, das finde ich phantastisch – du bist völlig vorurteilslos an die Musik gegangen! Solche Sachen sind spannend.</p>
<p>
<strong>KV: Und es gibt noch eine Geschichte dazu: Ich bügele beim ersten Hören gern Wäsche, der Rechner mit einem offenen Word-Dokument läuft, falls ich mir Notizen machen will &#8230; Und nachdem ich deine CD durchgehört hatte, musste ich feststellen, ich habe es gerade mal geschafft, drei Pullover zu bügeln, weil ich ständig zum Rechner gelaufen bin – so viel ist mir dazu eingefallen! Ich finde, „In Transit“ ist wirklich eine ganz ganz ganz unglaubliche CD. Du wirst mir verzeihen, dass ich trotzdem mit einer absehbaren Frage in unser Interview starten will: Leonard Cohen zu covern gilt fast als Sakrileg – trotzdem ist sein „Hallelujah“ gleichsam Herzstück deines neuen Albums. Keine Angst vor dem übermächtigen Original?</strong></p>
<p>
TP: Nein, überhaupt nicht. Ich bin da auch völlig unbekümmert rangegangen. Ich habe diese Jeff-Buckley-Version gehört – ein Freund hat mir letztes Jahr die Platte geschenkt –, und die hat mich so reingezogen, die Platte, und nicht mehr losgelassen. Eigentlich alle Songs, unter anderem auch dieses „Hallelujah“. Und dann waren wir auf Tour mit der Band, und ich habe die CD reingetan und meinen Freunden erzählt, hey, hört das mal beim Autofahren, und die waren alle völlig angetan. Da habe ich gesagt, wir müssen jetzt was damit machen, das war für mich quasi eine Art, mit diesem Song umgehen zu können, weil: er hat mich einfach so gepackt! Und ich muss ehrlich gestehen, ich habe die Leonard-Cohen-Version gar nicht gekannt. Also, ich bin überhaupt kein Leonard-Cohen-Verehrer oder Fan; ich find’s toll, was er macht – ich hab’s jetzt, danach, verfolgt, aber ich kannte das vorher nicht wirklich. Es ist auch nicht meine Generation &#8230;</p>
<p>
<strong>KV: (gespielt beleidigt) Meine etwa?</strong></p>
<p>
TP: Ja, nee, klar, stimmt eigentlich. Aber es ist nun mal so, ich bin via Jeff Buckley auf das Lied gestoßen, und darum war es wahrscheinlich völlig unbekümmert! Ich habe erst jetzt, als ich das aufgenommen habe – es kam auf die Platte, weil ich fand, dass sich das Stück völlig in die Musik integriert, als wäre es ein Stück von uns, und darum erschien es mir so natürlich, es auf die Platte zu nehmen –, ich habe also erst im Nachhinein gesehen, dass sehr sehr viele Leute es gecovert haben. Und das ist auch ein bisschen gefährlich – aber ich finde es auch schön, wenn man mit so einer Version einfach mal kommt und schaut, was passiert.</p>
<p>
<strong>KV: Wobei es meiner Meinung nach viele Künstler nicht zu ihrem Vorteil gecovert haben. Die Juff-Buckley-Version ist fast die einzige, die ich kenne, wo ich sagen würde: wow. Das ist gut. Ich selbst bin auch erst 2009 zu Cohen gekommen – ein Café bei mir um die Ecke hat seine „Live in London“-DVD gespielt, und danach ist er ja nochmal nach Berlin in die Waldbühne gekommen, und wie dieser über siebzigjährige Mann &#8230; also, er hat ja selbst gesagt, dass seine Songs erst jetzt die Form, den Klang haben, den sie schon immer hätten haben sollen &#8230; und das jetzt in dieser &#8230; dieser gewachsenen Struktur zu hören, das ist grandios. Unübertroffen! Und darum dachte ich, wow, wer sich wagt, das zu covern, der hat Mut! Aber wahrscheinlich hast du Recht: Wenn du das vorher nicht gekannt hattest, dann verschwindet die Angst. Oder kommt gar nicht erst auf.</strong></p>
<p>
TP: Absolut. Kommt gar nicht auf. Und jetzt habe ich auch die neue Platte von Leonard Cohen gekauft, und diese Ruhe &#8230; also, das ist ja Wahnsinn! Diese Ruhe, die dieser alte Herr ausstrahlt, das fährt schon ein!</p>
<p>
<strong>KV: Vor allem aber gelten er und seine Musik ja nun nicht unbedingt als Ausbund von Lebensfreude, und wenn ich mir deine gesamte CD anhöre, kann man ja nun auch von ihr nicht behaupten, dass sie die pure Lebenslust ausstrahlt, sondern dass schon die melancholische Komponente überwiegt. Als ich sie gestern gehört habe, kam gerade dieser Regenschauer runter, und ich konnte mich nicht des Gefühls erwehren, schon so leicht depressiv zu werden dabei &#8230; Ist Melancholie für den Künstler reizvoller als Freude?</strong></p>
<p>
TP: Nein, sicher nicht. Aber beides gehört dazu. Und ich finde, in dieser Melancholie habe ich zumindest auf dieser CD auch eine unglaubliche Leichtigkeit gefunden. Also, auch die Schwere, die das Leben manchmal bringt &#8230; wenn man sich damit auseinandersetzt und konfrontiert, dann wird es plötzlich sehr leicht. Und das hat mich sehr fasziniert. Und auch bei einem Song wie „Hallelujah“ oder auch bei den anderen Songs &#8230; ja, es gehört beides dazu, und ich finde, sie haben auch von beidem etwas darin. Vielleicht ist es jetzt eher ein bisschen melancholischer gefärbt, aber es gehört definitiv beides dazu.</p>
<p>
<strong>KV: Wobei, wenn du jetzt von „leicht“ sprichst &#8230; Mein persönliches Empfinden ist, dass das tatsächlich Leichte an der CD dein Ton ist. Diese vielen Flageolett-Griffe, die du gerade auch bei „Hallelujah“ spielst, und die zum ersten Mal auf dem dritten Stück, „Transforming“ zu hören sind &#8230; Irgendwo habe ich gelesen, dass dein Ton klänge, als wären deine Saiten aus hauchdünnem Menschenhaar gemacht – <em>das</em> würde ich als leicht bezeichnen! Und die Luft, die ihr in euren Arrangements gelassen habt. Doch die CD im Ganzen – ich würde mich hüten, sie als „leicht“ zu bezeichnen; ich halte sie nicht nur für unglaublich anspruchsvoll, sondern auch für recht schwer verdaulich!</strong></p>
<p>
TP: Genau, mit „leicht“ meine ich natürlich nicht „musikalisch leicht“. Aber vom Gefühl her eine Leichtigkeit, eine Freiheit finden &#8230; in der Schwere. Indem man sich mit der Schwere konfrontiert.</p>
<p>
<strong>KV: Überwindung von Schwere und Freiheit auch im Sinne eines künstlerischen Erwachsengewordenseins?</strong></p>
<p>
TP: Ja, vielleicht auch mit einer gewissen Ruhe und Relaxtheit, die man irgendwie findet. Wobei ich mich hüten würde zu sagen, das ist erwachsen, die Kunst ist hier vollendet. Das ist natürlich überhaupt nicht der Fall. Wir sind auf der ständigen Suche, das ist absolut klar.</p>
<p>
<strong>KV: Wenn man deine CD einlegt, hat man in den ersten Minuten gar nicht das Gefühl, dass da ein Streicher am Werk ist. Man denkt, was zum Geier ist das, ein wildgewordenes Saxophon, oder was? Und erst dann merkt man, dass es eine bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Geige ist. Kennedy spielt Hendrix, fällt einem unweigerlich dazu ein. Dabei habe ich über deine letzte CD gelesen, dass ihr absichtlich keine Verzerrer verwendet – und jetzt mit  einem Mal doch?</strong></p>
<p>
TP: Das ist tatsächlich kein Verzerrer. Ich mache das alles mit meinem Bogen. Ich habe eine Technik entwickelt, wie man dieses verzerrte Geigenspiel ohne Elektronik imitieren kann, nämlich indem man mit dem Bogen sehr nah zum Steg geht und fest drückt, links hingegen sehr wenig Druck gibt. Dann kommen alle Obertöne hoch, was zu diesem Effekt führt. Der Grund, warum das so weit geht, ist folgender: Ich spiele eigentlich relativ wenig Töne, ich komme weg vom ganzen Jazzsupervirtuosentum, das ich sehr wohl gelebt habe, aber momentan interessiert mich das nicht mehr. Es geht mir nur noch wenig um Töne, aber mir geht es um Klang. Die ganze Platte ist voll von Klanginstrumenten, von mir, von jedem Instrument. Jeder von uns wurde quasi provoziert, im Klang zu suchen, die Klangvielfalt zu suchen. Und da ist es natürlich klar, dass, wenn ich einen Ton spiele, man den auf hunderttausend verschiedene Arten spielen kann! Und danach war ich eigentlich immer auf der Suche. Dass jeder Ton quasi existenziell wird, oder dringlich wird. Und diese Dringlichkeit habe ich im Sound gefunden, in den verschiedenen Sounds.</p>
<p>
<strong>KV: Man hat auch manchmal wirklich das Gefühl, die Töne müssen jetzt einfach raus. Andererseits hat man an anderen Stellen wieder das Gefühl, dass du am unteren Bereich des Unhörbaren bist &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Ja, genau, das ist extrem spannend. Ich bin da am Suchen, am Ausloten der Grenzen des Instrumentes, das ist das, was mich sehr, sehr interessiert.</p>
<p>
<strong>KV: Das heißt, du spielst auch nie eingestöpselt, sondern alle Klänge kommen von der akustischen Geige?</strong></p>
<p>
TP: Ja, einfach nur mikrofontechnisch abgenommen. Wobei, das stimmt nicht ganz: Es gibt einen Hall, und natürlich ein bisschen, bisschen Delay auf zwei Songs &#8230; Ich glaube, auf „Infinite Inhale“ und auf „Transforming“. Und auf „Charming Sophistication“ im Mittelteil auch. Da hörst du, es macht nur dt-dt-dt. Ganz wenig. Das benutze ich manchmal. Und live benutze ich auch einen Delay und ein Hallgerät, einfach, um den Klang ein bisschen größer zu machen.</p>
<p>
<strong>KV: Aber davon abgesehen geht es dir um die Grenzen der Geige, habe ich das richtig verstanden?</strong></p>
<p>
TP: Genau.</p>
<p>
<strong>KV: Wobei ich manchmal auch denke, das hier könnte auch eine Bratsche sein &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Ja, ich mag deren Sound halt sehr, dieses Bauchige, Warme. Ich habe es sehr gern, die Geige auch so klingen zu lassen. Es braucht für mich auch, damit ich überhaupt gegen das Schlagzeug ankomme, einen gewissen Druck. Und den Druck habe ich nun mal nicht oben, den habe ich eher unten. Es ist ein Unterschied, wenn du es mit Verzerrer spielst: Dann klingt das für mich nicht so organisch, wie wenn ich es selber erzeuge. Und das finde ich viel spannender.</p>
<p>
<strong>KV: Wie viele Bögen spielst du damit kaputt? (lacht)</strong></p>
<p>
TP: Ich habe einen. Es sind die Haare. Ich muss sehr oft Haare wechseln. (lacht auch) Das kann zwar passieren, aber eigentlich verbrauche ich nur ein Haar pro Konzert. Nicht viel. Die Haare halten das aus. Es ist nur, wenn du daneben haust, dann explodieren sie. Es ist also eigentlich kein gutes Zeichen, wenn die Haare loskommen. Aber der Effekt für’s Publikum ist natürlich schön &#8230;</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/TP_In_Transit_by_Corinne_Kramer_Vorschau.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/TP_In_Transit_by_Corinne_Kramer_Vorschau.jpg" alt="" title="TP_In_Transit_by_Corinne_Kramer_Vorschau" width="460" height="317" class="alignleft size-full wp-image-6550" border="0"/></a><br />
<small>Line-up: Tobias Preisig (Violine), Stefan Aeby (Klavier), André Pousaz (Bass) und <br />Michi Stulz (Schlagzeug)</small></p>
<p>
<strong>KV: Was ich vorhin noch fragen wollte, als ich mal kurz Kennedy ins Spiel brachte: Kannst du dich mit so etwas identifizieren?</strong></p>
<p>
TP: Ich habe Nigel Kennedy nie verfolgt. Ich habe mal reingehört, aber es hat mich nie interessiert. Mich haben Geiger nie interessiert. Interessanterweise. Ich habe mich immer an anderen Instrumenten, oder in letzter Zeit vor allem am Gesang orientiert. Geige hat mich einfach nicht interessiert. Und irgendwie hat mich das auch gezwungen, einen eigenen Sound zu finden, einen eigenen Weg zu gehen. Und das ist natürlich auch gefährlich, wenn man sich dann zehn Geiger anhört und sagt, spiel mal’n bisschen wie der und spiel mal’n bisschen wie der &#8230; Das ist einfach langweilig, weil dann kopiert man irgendwie die Richtung, die einem eigentlich schon zu nahe ist. Ich habe, als ich Jazz studiert habe, auch viel Unterricht von einem Schlagzeuger bekommen, von einem Pianisten, einem Trompeter, vom Gesang &#8230; Mich haben immer verschiedene Instrumente gelehrt, weil es einfach keine Jazzgeiger gab. Und darum bin ich es sehr gewohnt, mich an anderen Instrumenten zu orientieren. Oder früher zumindest. Jetzt sowieso nicht mehr. Jetzt versuche ich, meinen eigenen Weg zu gehen.</p>
<p>
<strong>KV: Und mit dieser Orientierung am Gesang meinst du auch, dass du probierst, quasi den humanen Teil, den man aus einer Geige herausholen kann, auszuloten?</strong></p>
<p>
TP: Absolut! Also, das sind auch die Stücke mit „Infinite Inhale“ und „Infinite Exhale“, das Atmen! Das Atmen habe ich auf der Geige gesucht, schon lange bin ich hier am Suchen. Ich habe es zu einem gewissen Teil auch gefunden, mit dem Bogen kann man es auch so schön erzeugen! Das Problem ist ja, ob bei Pianisten oder bei Geigern, man kann endlose, nichtssagende schnelle Melodieeskapaden von sich schmettern, ich nenne hier keine Namen, das interessiert mich nicht; aber ich denke dann, wie kriege ich mein Instrument zum Leben, wie kriege ich mein Instrument zum Atmen? Und wenn es atmet, dann lebt es auch. Für mich. Und wenn es nicht atmet, dann kann es ebensogut maschinell hergestellt sein, dann ist es uninteressant.</p>
<p>
<strong>KV: Weil ich vorhin gerade einen Vergleich bemüht habe und du mir geschildert hast, dass es dir um deinen eigenen Weg geht – ist das auch musikalisch der Fall? Du weißt ja, Kritiker wollen immer Schubladen finden, was Genres anbelangt &#8230; Gestern, als ich mir für die Rezension deiner CD Notizen machte, habe ich mich gefragt: Ist das überhaupt noch Free Jazz oder ist das schon Neue Musik? Wenn du dich für ein Genre entscheiden müsstest, wie würdest du dich selbst verorten?</strong></p>
<p>
TP: Das ist ein Riesendrama, ich will mich nicht entscheiden! Ich will und kann mich nicht entscheiden. Das ist der Job vom Business, das soll das Business entscheiden. Es ist die Musik, die wir machen, die wir momentan gefunden haben, auf deren Weg wir schreiten &#8230; Und die anderen sollen das bezeichnen.</p>
<p>
<strong>KV: Und diese Musik, die ihr macht, ist ja größtenteils experimentell, improvisatorisch entstanden, wenn ich das richtig verstanden habe.</strong></p>
<p>
TP: Ja, wobei sie schon organisiert ist! Es ist nicht &#8230; Sie hat sehr viele Strukturen, auch Songstrukturen, ganz klare Strukturen. Es ist nicht Free Jazz, es ist auch kein traditioneller Jazz, aber es ist sogenannte experimentelle Musik, die melodienselig ist und klangexperimentell; aber auch, sagen wir, poppige oder Rocksong-artige Strukturen vorweist. Ganz simpel, plump gesagt, könnte man sagen, es ist eine Alternative oder eine Indie Rock Band, wo die Geige den Gesangspart übernimmt. Eine experimentelle Indie Rock Band, wo der Geiger den Sänger imitiert. In diese Richtung kann man es ungefähr schieben.</p>
<p>
<strong>KV: Das heißt, das Element der Improvisation, welches in der Presseerklärung so sehr betont wird, ist eigentlich gar nicht so wichtig?</strong></p>
<p>
TP: Doch, natürlich. Sehr, sehr wichtig. Wir sind alle Jazzmusiker und wir improvisieren, und der <em>Moment</em> ist extrem wichtig, aber, wie gesagt, es geht nicht um eine Improvisationsdudelei, um ein Zeigen, hey, was kann ich alles, was kann ich alles schnell und wahnsinnig spielen, sondern es geht um einen Ausdruck, um ein Gefühl, um ein gemeinsames Kreieren von einem neuen Klangbild. Und dafür hilft die Improvisation natürlich.</p>
<p>
<strong>KV: Innerhalb einer vorgegebenen Struktur!</strong></p>
<p>
TP: Innerhalb einer vorgegebenen Struktur. Also, wie das Fundament, oder sagen wir, man hat eine Leinwand und so-und-so-viele Farbstifte, und mit diesen Dingen machen wir ein neues Bild. Auf der Leinwand. Vielleicht schießt es manchmal darüber hinaus, das schon. Darf es auch. Aber für die CD haben wir uns natürlich eine gewisse Struktur gegeben.</p>
<p>
<strong>KV: Bei Konzerten ist das anders?</strong></p>
<p>
TP: Da ist die Struktur auch vorhanden, allerdings ein bisschen aufgebrochen. Weil, natürlich ist die CD kein Live-Produkt. Sie ist ein Studio-Produkt. Das sind für mich zwei verschiedene Welten. Man hört ein Studioprodukt auch anders als man ein Konzert hört. Im Konzert sieht man die Musiker, da kommt noch mal eine ganz andere Komponente hinzu.</p>
<p>
<strong>KV: Aber ihr habt es schon im Zusammenspiel aufgenommen, das geht bei Jazzern ja gar nicht anders, oder?</strong></p>
<p>
TP: Absolut. Das wäre ja katastrophal. Da ist soviel Interplay da, wir haben das in zwei Tagen aufgenommen, das ging zack-zack. Die Songs waren da, wir haben im Studio nur noch Feinschliffe gemacht. Wir sind auch sehr eingespielt, wir spielen viele Konzerte, sind viel unterwegs, und darum ist es im Studio dann nur noch ein Zusammensammeln von sehr vielen Ideen.</p>
<p>
<strong>KV: Das heißt, ihr habt von dem „In Transit“-Material vorher auch schon vieles live ausprobiert, bevor ihr es aufgenommen habt?</strong></p>
<p>
TP: Ja, ein bisschen. Nicht zuviel. Ein bisschen erprobt, wie fühlt sich das an und so, das schon.</p>
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<strong>KV: Das ist eure zweite gemeinsame CD?</strong></p>
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TP: Die zweite, ja, genau.</p>
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<strong>KV: Und wie lange spielt ihr schon zusammen?</strong></p>
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TP: Drei Jahre.</p>
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<strong>KV: Drei Jahre, und jetzt ist es zusammengewachsen &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Das ist jetzt sehr zusammengewachsen und geht immer weiter. Und was erstaunlich ist: Die erste CD war ganz anders. Wir haben uns dann live so stark in eine neue Richtung entwickelt, weshalb diese CD jetzt so anders klingt als die erste.</p>
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<strong>KV: Anders &#8230; Im Vergleich mit dem Vorgänger wie anders?</strong></p>
<p>
TP: Vielleicht &#8230; suchender. Eigener. Schwierig, diese Begriffe! Experimenteller, energetischer, wilder. Wilder, ja. Frecher. So. Die vorherige war lieblicher.</p>
<p>
<strong>KV: Wenn du sagst „suchender“ – ist das so, dass man mit zunehmendem Alter oder mit zunehmender künstlerischer Erfahrung mehr sucht, quasi ein „Jetzt weiß ich erst, wie wenig ich weiß“, dass man in seinen frühen Zwanzigern eher denkt, ich mach das jetzt so, weil: gefällt mir so, und man sich erst Jahre später fragt, <em>was</em> man da eigentlich macht?</strong></p>
<p>
TP: Genau. Also, unsere erste CD ist vielleicht auch noch ein bisschen naiver. Was ja auch irgendwo schön ist. Und die hier, die ist vielleicht schon ein bisschen &#8230; ja. Wobei wir ja die Naivität wieder suchen wollen.</p>
<p>
<strong>KV: Eine Art zweite Naivität.</strong></p>
<p>
TP: Ja, genau. Es ist eigentlich etwas Wunderschönes, wenn man naiv an Sachen herangehen kann. Und davon hat die neue CD auch schon noch etwas drin, das ist schon wichtig für uns. Aber sie ist suchender vom Klang, vom Sound her, vom Gefühl her, von den Emotionen her. Wir haben stärker Gewicht darauf gelegt, noch mehr in diese eigene Intensität zu finden, in unseren Bandsound, der anscheinend speziell ist.</p>
<p>
<strong>KV: Und ihr sucht weiter &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Unbedingt, ja! Wir haben ein paar Konzerte vor uns, und wir wollen einfach weiter spielen! Wir haben im Herbst eine Asien-Tournee; und auch das Reisen miteinander, das bringt sehr, sehr weit. Es ist das Zwischenmenschliche auf den Reisen, die gemeinsamen Erlebnisse, Verlorensein und völlig überfordert Sein in einem fremden Land &#8230; Und das ist unglaublich, wie sehr das die Musik weiterbringt!</p>
<p>
<strong>KV: Selbst, wenn es in einem akuten Moment nerven mag und man die anderen nicht mehr sehen möchte?</strong></p>
<p>
TP: Natürlich! Absolut! Das ist unglaublich, was da auf einen zukommt. Nicht so sehr, wenn man jetzt in Deutschland herumtourt – aber für die nächste Tour, da fahren wir jeden Tag fünf Stunden Auto, das ist einfach anstrengend! Schlechtes Essen, Autobahnraststätten – das zehrt dann schon an einem, aber die Musik kann nur gewinnen dadurch. Und das ist ja noch heilig. Wenn wir dann nach Asien gehen, dann wird es schon sehr speziell. China und Japan &#8230; Ich bin mit meiner Band bisher noch nie so weit gereist, aber ich freu mich drauf! Das Schöne ist ja, die Asiaten &#8230; also, ich kenne den chinesischen Markt überhaupt nicht, aber die Japaner sind ja sehr offen für spezielle Musik, und das ist sehr schön. Mal schauen, wie es funktionieren wird.</p>
<p>
<strong>KV: Ich habe noch eine außermusikalische Frage, nämlich zur Bildsprache deines Albums. Wenn man sich das Artwork so ansieht, kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass du schon ziemlich mit dem Klischee des Teufelsgeigers kokettierst – das Skelett, die dunklen Locken, die Glutaugen &#8230; </strong></p>
<p>
TP: (lacht) Also, eigentlich war es so, dass ich auf einer Reise war, in Mexiko, und dort habe ich diesen Kult gesehen mit diesen Skeletten, wo auch das Leben nach dem Tod zelebriert wird. Und ich fand es einfach unglaublich schön, wie locker man dort mit diesem Thema, also mit dem Tod, umgeht. Ich fand es sehr berührend; und dann habe ich diesen Geiger gefunden, was mich extrem gefreut hat. Ich habe in gekauft, es ist so eine Holzfigur, die jetzt auch auf unsere Konzerte mitkommt und da manchmal auf dem Flügel sitzt. Es ist für mich eigentlich ein Bild von &#8230; Tod ist ja Existenz. Und die Musik ist für uns sehr existenziell geworden. Wir wollen wirklich nur noch das spielen, was für uns wichtig ist und eine starke Sprache hat. Und das Cover ist ein bisschen Sinnbild dafür, dass es uns wirklich sehr ernst und dringlich ist. Aber es kokettiert natürlich auch ein bisschen. Wir sind nicht die bösen Jungs, die jetzt einen auf Gothic oder Heavy Metal machen – überhaupt nicht! Sondern auch der Blick und so, das ist eigentlich spontan entstanden. Ich habe mir nicht vorgenommen, dass ich jetzt wahnsinnig böse in die Kamera reinschauen will, aber es soll auch ein bisschen die Ernsthaftigkeit zeigen. Außerdem gebe ich zu, dass ich mich ein bisschen von der Ästhetik von <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/03_marz_1/Buch-Johnny-Cash-Autobiografie.html"><font color="#dfb3af">Johnny Cashs Cover zu „American Recordings“</font></a></strong> habe inspirieren lassen &#8230;</p>
<p>
<strong>KV: Und wie geht dieses Existenzielle jetzt Hand in Hand mit diesem „In Transit“, diesem sich auf der Durchreise Befinden?</strong></p>
<p>
TP: „In Transit“ ist eigentlich weniger eine Durchreise, sonder eine Transitzone für mich. Das heißt, wir sind eine Band, wir haben eine Platte aufgenommen, jetzt sind wir an einem Ort – wie kommen wir weiter? Da muss man sich ja immer entscheiden, gehe ich jetzt nach rechts, gehe ich nach links, und sobald man in der Transitzone Flughafen einen Flug in die nächste Stadt nimmt, ist man wieder in der Transitzone. Es geht mir aber nicht um diese Transitzone, sondern um die innere Transitzone. Das Spannende in diesen Zonen sind ja, wie ich finde, die Entscheidungen, die man trifft, um weiterzugehen. Und hier ist es ja auch ein bisschen die Zone zwischen mir und dem Skelett, quasi dem Leben und dem Leben nach dem Tod. Dem Tod, der da ewig weitergeigen wird. Darum ist er auf dem Foto ja auch ein bisschen unscharf; und ich halte ihn so wie einen Vogel oder ein anderes feines Ding. Und diese Welt zwischen ihm und mir, das ist eigentlich diese Zone.</p>
<p>
<strong>KV: Die Zwischenwelt.</strong></p>
<p>
TP: Zwischenwelt, ja. Wohin geht es? Wie geht es weiter? Mit all diesen Fragen.</p>
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<strong>KV: Fragen, mit denen du dich ganz persönlich auseinandergesetzt hast, oder die jeden von uns ansprechen sollen?</strong></p>
<p>
TP: Das sind zwar allgemeinmenschliche Fragen, aber natürlich hat es auch mit mir selbst zu tun, das ist ganz klar. Es ist jetzt aber auch nicht so ernst zu nehmen; ich finde einfach, das Bild passt zur Musik, es kriegt diese Dringlichkeit und dieses Existenzielle.</p>
<p>
<strong>KV: Dringlichkeit ist, glaube ich, ein gutes Wort dafür. Und man sieht dieses Bild ja jetzt auch überall, auf den Postern, in Magazinen – es ist quasi das Icon für die Platte!</strong></p>
<p>
TP: Ja, absolut. Es ist ja auch klar, dass man da mit einem Ding fährt, das macht ja auch Sinn. Es ist ein bisschen speziell für ein Jazz-Cover! (lacht)</p>
<p>
<strong>KV: Die Frage war doch, ist es überhaupt Jazz!</strong></p>
<p>
TP: Eben! (lacht noch mehr)</p>
<p>
<strong>KV: Ja, warte, das habe ich auch über dich gelesen – da wurde sinngemäß geschrieben, wenn Jazz heißt, dass man offen ist, dann ist das, was du machst, mehr Jazz als alles, was jazziger klingt &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Die Leute zerbrechen sich den Kopf, das ist furchtbar. Und ich finde das auch noch schön! Ich finde, wenn es irgendwie zu irgendwas anregt, dann ist das schön. Es ist ja &#8230; Ich finde, man muss nicht immer kategorisieren.</p>
<p>
<strong>KV: Naja, aber wenn die Leute in deine Konzerte kommen sollen und es in der Zeitung angekündigt wird, wer kommt da? Wenn du es als Indie Rock ankündigst, kommen andere, als wenn du es als Jazz ankündigst &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Das ist natürlich wahr. Es ist schon ein Jazz-Publikum, das darauf anspricht.</p>
<p>
<strong>KV: Aber eher diese ECM-Jazzheads, oder? Das sind ja auch eher solche Zwischenwelten &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Ja, vielleicht geht es in diese Richtung.</p>
<p>
<strong>KV: Ich hatte mir dazu gestern auch den Stichpunkt notiert, dass „In Transit“ vermutlich die anspruchsvollste Platte ist, die ich seit Dezember 2008 für <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/12-2008/musik-rezension-arve-henriksen-cartography-5.html"><font color="#dfb3af">fairaudio</font></a></strong> besprochen habe. Damals hatte ich über das Album „Cartography“ des ECM-Künstlers Arve Henriksen geschrieben &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Oh, wow!</p>
<p>
<strong>KV: Was ich meine ist, dass ich „In Transit“ eher in dieser Kategorie sehe, nicht vom Klangbild natürlich, das kannst du überhaupt nicht vergleichen, aber vom Gefühl, von der Atmosphäre her &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Das heißt aber, du machst auch alles Mögliche vom Stil her!</p>
<p>
<strong>KV: Das ist eine gute Frage. Ich dachte immer, ich sei Jazz-Kritikerin, aber ich habe lernen müssen, ich bin wohl recht eigentlich Pop-Kritikerin. Meine Redaktion wiederum denkt, ich sei Soul-Kritikerin &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Siehst du, da haben wir es wieder mit diesen blöden Kategorien!</p>
<p>
<strong>KV: Aber hat ja alles einen gemeinsamen Nenner: es groovt. Ich mag alles, was groovt, ob das nun Reggae ist oder HipHop oder Balkan &#8230; Ich finde es übrigens sehr schön, dass du die Geige vor diesem Klischee des Folkloristisch-Osteuropäichen befreist, und auch dieses romantische Ideal der Geige als Hehres Instrument findet man bei dir nicht &#8230; Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Lass uns noch einmal auf deine „Hallelujah“-Version zurückkommen. Wenn man deren erste Hälfte anhört, also, bevor es mit vollem Bandeinsatz losgeht, und da sind nur diese vereinzelten, minimalen Pianotöne als Begleitung – das erinnert mich ein bisschen an den Soundtrack zu einem Psychothriller, wo zum Beispiel ein simpelstes Kinderlied benutzt wird, das oberflächlich total lieb und nett klingt, aber du weißt, unter der Oberfläche brodelt der Abgrund. Und das ist nicht nur bei „Hallelujah“ so. Wenn ich jetzt also eine Kategorie für „In Transit“ aufmachen müsste – was ich als Kritiker muss aber im Falle dieses Albums eigentlich auch nicht möchte –, dann wäre es wohl am ehesten Soundtrack. Filmmusik. Keine Filmmusik zu einem tatsächlich existierenden Film, sondern zu Bildern, die im Kopf entstehen beim Hören. Das ist ein sehr kühler Film, nordisch, spröde, brachial, fast industriell, irgendwo zwischen dem Ultraschallbereich bei John Zorn und irgendwelchen Industrial-Bands, es ist manchmal metallisch und fast schon seltsam unpersönlich, und du wirst erschreckt von manchen Stellen, wo du denkst, du musst da jetzt hinhören, auch wenn du es gar nicht willst! Wie bei einem Autounfall, wo man auch nicht wegschauen kann. Und erst ganz zum Schluss, bei Stück neun, fängt die Platte an, persönlich, menschlich zu werden. Vorher denkst du die ganze Zeit, woah, der macht mich total fertig, und dann kommt so etwas wie eine versöhnliche Melodie, wie die Sonne nach einem großen Unwetter.</strong></p>
<p>
TP: Ich glaube, das fängt schon bei Stück sieben an, wobei vier ist eigentlich auch &#8230; Das ist fast eine Kindermelodie bei vier. Und dieses &#8230; wenn du auf den Psychothriller kommst, ich glaube, das hat ein bisschen damit zu tun, dass ich bei der Geige &#8230; du hast ja einen Ton, und den kannst du immer ein bisschen höher oder ein bisschen tiefer spielen, und mit dem kokettiere ich extrem. Für mich ist nicht ein Ton ein Ton. Sondern er ist modulierbar. Wie ein Sänger nicht einfach einen Sinuston singt, sondern da gibt es minimale Schwingungen. Und die finde ich einfach verdammt spannend. Und das verursacht manchmal ein bisschen Unwohlsein, wenn man es nicht gewöhnt ist. Wenn man ein bisschen tiefer moduliert, erzeugt es dieses Unangenehme. Ein bisschen höher macht ein bisschen hoffnungsvoll – damit spiele ich auch –, aber ein bisschen tiefer macht es &#8230; schwerer. Für mich. Und die Schöngeiger, wie ein André Rieu oder auch ein David Garrett oder so, die vibrieren wahnsinnig stark, und dann hört man das nicht mehr. Dann verschwindet das, weil es so schnell geht. Und ich mache ganz langsame, kleine Mikrobewegungen, und mit denen kann man so viel bewirken! Ich nutze eigentlich kein Vibrato. Sehr selten vibriere ich, und dann nur groß. Ich habe gern dieses Direkte, Persönliche. Und das ist wahrscheinlich das, was du meintest, das es einen so anspringt, irgendwie so direkt ins Herz, und dann weiß man nicht so recht, wie man damit umgehen soll.</p>
<p>
<strong>KV: Gar nicht mal ins Herz, sondern vor allem auch in den Magen! (lachen beide) Es berührt auch Emotionen, aber ich weiß noch nicht, welche. Es ist ganz seltsam: Es ist eine Musik, die ich eigentlich nicht privat zuhause hören würde, die mich aber mehr packt als alles andere, aus irgendeinem rätselhaften Grund.</strong></p>
<p>
TP: Das ist ja oft so bei solchen Sachen. Es packt einen, und man kann sich nicht erklären, warum. Das ist ja verdammt spannend, das ist ja eigentlich die beste Situation, die einem passieren kann.</p>
<p>
<strong>KV: Wobei es mein Job ist, zu erklären &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Ja, da muss ich jetzt sagen: dumm gelaufen! (beide lachen) Aber ich finde, das sind eigentlich immer die schönsten Momente, wenn einen etwas packt und man weiß nicht, warum. Und dann fängt man an, seine eigenen Bilder zu kreieren, seine eigene Vorstellungskraft zu benutzen, um irgendwie eine Erklärung zu finden. Doch, das ist das Beste, was uns passieren kann, wenn die Leute so reagieren. Wobei, nicht alle werden so reagieren. Viele werden sagen, ah, damit kann ich gar nichts anfangen, und andere eben, oh, was ist das. Dann fängt es an, spannend zu werden.</p>
<p>
<strong>KV: Wie sind denn die Reaktionen bis jetzt auf das Material?</strong></p>
<p>
TP: Das fängt jetzt erst an. Wir haben es live noch nicht wirklich getestet, aber die Reaktionen auf die Platte sind bis jetzt eigentlich sehr gut, die gehen alle in die Richtung, „oh wow, so etwas habe ich noch nie gehört, das ist völlig neu, was machst du da mit der Geige?“, und das ist schön. Natürlich, man hört ja meistens die, die irgendetwas Positives dazu zu sagen haben. Die, die es ablehnen, die werden sich meistens auch nicht äußern.</p>
<p>
<strong>KV: Es sei denn, es packt einen so negativ, dass man meint, auch darüber zwei Seiten schreiben zu müssen &#8230; Ich meine, wenn mir CDs nicht gefallen, schreibe ich ja auch nicht nur, „das ist scheiße“, sondern: „das ist scheiße, weil“. Und das kann dann auch gern mal sehr ausführlich werden.</strong></p>
<p>
TP: Ja klar, logisch. Und das ist ja auch okay, man muss nicht gefallen – es geht ja nicht ums Gefallen! In der Musik geht es für mich darum, dass sie etwas auslöst, ob das nun Euphorie ist oder nicht. Euphorie &#8230; es ist alles so nah beieinander, das ist ja das Interessante!</p>
<p>
<strong>KV: Ist auch das gemeint mit den Zwischenwelten, dass sie zwischen diesen extremen emotionalen Polen pendeln?</strong></p>
<p>
TP: Ja. Sie hat ja auch da eine unglaubliche Dynamik, die Platte. Von eben Superwahnsinnseuphorie und dann plötzlich wieder, bumm, dunkel, und dünn und zerbrechlich.</p>
<p>
<strong>KV: Das meinte ich vorhin mit der Grenze zum fast Unhörbaren &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Ja, das ist ein wahnsinnig spannender Ort. Stimmt, jemand hatte das mit dem menschlichen Haar geschrieben, das muss ich mir mal wieder heraussuchen.</p>
<p>
<strong>KV: Ich habe diese Formulierung vorhin aus einer deiner alten Live-Kritiken zitiert, weil ich sie auch für das aktuelle Album noch so treffend finde. Wenn man nämlich zu diesem recherchiert, findet man noch sehr wenig Material. Die deutsche Pressemitteilung und die Schweizer Pressemitteilung, und das war’s.</strong></p>
<p>
TP: Die Platte kommt ja auch erst übernächste Woche raus, und auch mit der ersten Platte waren wir nicht wirklich in Deutschland vertreten – wir haben nur wenig gespielt. Das Label hatte damals die Promotion in Deutschland ein wenig verschlafen.</p>
<p>
<strong>KV: Aber das war noch ein anderes Label, oder?</strong></p>
<p>
TP: Das war ein amerikanisches Label, ja. Die waren in Deutschland überhaupt nicht verwurzelt.</p>
<p>
<strong>KV: Deshalb jetzt der Wechsel zu Traumton?</strong></p>
<p>
TP: Ja, ich wollte unbedingt jemanden haben, der in Europa was Spannendes macht und verwurzelt ist, weil, es macht keinen Sinn, irgendwo in Amerika Platten zu verkaufen, denn viel werden wir sowieso nicht verkaufen in so einer speziellen Sparte. Und wir haben jetzt auch nicht vor, mit der Band nach Amerika zu gehen. Es ist eine europäische Musik, finde ich. Ich will es jetzt natürlich nicht eingrenzen. Aber darum habe ich geguckt, wen es hier gibt, und ich fand, dass Traumton ein wahnsinnig spannendes, vielfältiges, spezielles Programm hat, und da passen wir rein.</p>
<p>
<strong>KV: Schön verpackte Sachen auch, die sprechen schon von außen an!</strong></p>
<p>
TP: Na, eben mit sehr viel Herzblut gemacht. Und Christian Zehnder, der das Album produziert hat, hat seine letzten zwei CDs auch hier herausgebracht. Also, das war auch eine Verbindung. Wobei ich den Kontakt mit dem Label schon vorher aufgenommen habe. </p>
<p>
<strong>KV: Apropos, du erwähntest gerade verkaufen und touren und so weiter &#8230; Ich habe gelesen, dass du dein Studium mit dem „Master of Music Pedagogics“ abgeschlossen hast. Heißt das, du unterrichtest? Findest du Zeit für die Lehre?</strong></p>
<p>
TP: Sehr, sehr selten. Ich habe natürlich wahnsinnig viele Anfragen, denn es gibt so viele Geiger, die irgendwie nicht mehr weiterwissen in ihrer klassischen Welt und die einfach diese Freiheit suchen und diese Frechheit, die ich mir hier auch nehme, wie du auch gesagt hast, mit diesem eigenen Klang und diesen Sounds. Aber das kann ich nicht zu sehr machen, und das will ich auch nicht. Ich habe ab und zu ein paar Schüler, die bei mir auftauchen, aber eigentlich versuche ich mich auf Tourneen und auf die Weiterentwicklung der Musik zu fokussieren.</p>
<p>
<strong>KV: Es geht dir also eher um die Weiterentwicklung als um die Weitergabe &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Doch, schon auch. Ich habe an der Musikhochschule in Luzern schon manchmal Schüler. Wenn jemand interessiert ist und ich Zeit habe, dann bin ich da. Aber ich will nicht mein Einkommen vom Unterrichten abhängig machen. Gar nicht.</p>
<p>
<strong>KV: Dann bedanke ich mich an dieser Stelle schon einmal ganz herzlich für das ausführliche Interview – ich glaube, ich bin mit meinen Fragen durch, aber lass mich noch einmal kurz meine Notizen checken &#8230; hm &#8230; experimentell &#8230; improvisiert &#8230; Filmmusik &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Also, Filmmusik ist sicher ein sehr guter Begriff. Ich finde, es hat etwas extrem Sphärisches. Ein Freund von mir hat gerade erzählt, dass er die Platte im Auto eingelegt hat und wow &#8230;</p>
<p>
<strong>KV: Kopfkino läuft!</strong></p>
<p>
TP: Der ist weggeflogen! Und so höre ich immer wieder, es passt einfach auf Reisen &#8230; auf Verschiedenes! Du sagst, du hast es während des Regens gehört und es hat dich plötzlich &#8230; Das war auch bei uns im Studio so, allerdings bei einem Track, den wir dann gar nicht veröffentlich haben, bei der ersten Platte. Es war unglaublich, wir waren eigentlich fertig, als der Pianist gesagt hat, er hätte hier noch eine Notiz. Wir haben das dann gespielt und es hat geregnet &#8230; und es war einmal aufgenommen, noch nie geprobt, und das ist so eingefahren! Die Musik war sehr ähnlich, und er wollte es für etwas anderes benutzen, sodass wir es dann nicht aufs Album genommen haben. Aber ja, es kann einen wirklich so – sie ist sehr assoziativ, diese Musik. </p>
<p>
<strong>KV: Wobei man dann Filmmusik positiv belegen muss, denn ich finde, das Wort selbst heißt ja sofort: John Williams &#038; Co.</strong></p>
<p>
TP: Ja, das pompöse Hollywood –</p>
<p>
<strong>KV: Und das will man ja gerade nicht ausdrücken!</strong></p>
<p>
TP: Nee, das ist es natürlich überhaupt nicht. Ich würde da eher sagen &#8230;</p>
<p>
<strong>KV: &#8230; film noir oder &#8230;</strong></p>
<p>
TP: Genau. Oder eher, sagen wir, vielleicht sogar ein Lars von Trier-Film, wenn man schon bei der dunklen Seite ist. Wobei &#8230; ja – die sphärischen Sachen, die sphärischen Welten &#8230; das geht schon in die Richtung.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/cover_Tobias_Preisig_In_Transit.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/cover_Tobias_Preisig_In_Transit.jpg" alt="" title="cover_Tobias_Preisig_In_Transit" width="460" height="460" class="alignleft size-full wp-image-6547" border="0"/></a></p>
<p>
<em>&#8220;In Transit&#8221; wurde am 30. März 2012 auf Traumton Records veröffentlicht und ist auch als MP3-Download zu haben. Mehr Bilder und vielleicht sogar ein Video gibt es nach dem Berliner Record Release Konzert am 26. April 2012 im A-Trane. Es lohnt sich also, hier bald wieder reinzugucken! Das gilt auch für fairaudio.de, wo &#8220;In Transit&#8221; bald als Platte des Monats ausführlich besprochen wird. </em></p>
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		<title>Als sänge in der Ferne ein Bandoneon: Violetta Parisinis offene Geheimnisse</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 13:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja, sie scheint schon seltsam vertraut, die Welt der Violetta Parisini, denn nicht nur in ihrer Musik erkennen wir unsere Lieblingsbands wieder, sondern vor allem in ihren Texten unser Leben. Allein der Opener „More Than That“ ist die Anschaffung des gesamten Albums wert, wie er sich da so im trockenen Lo-Fi-Modus mit Glockenspiel und scheinbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, sie scheint schon seltsam vertraut, die Welt der Violetta Parisini, denn nicht nur in ihrer Musik erkennen wir unsere Lieblingsbands wieder, sondern vor allem in ihren Texten unser Leben. Allein der Opener „More Than That“ ist die Anschaffung des gesamten Albums wert, wie er sich da so im trockenen Lo-Fi-Modus mit Glockenspiel und scheinbar beiläufigem, sprödem Gesang anschleicht, bevor Portishead’sche Klangflächen den Kopfhörer zum Explodieren bringen.</p>
<p>
Mit Einsetzen des Pianos wiederum erinnert mich „More Than That“ an Craig Armstrongs „Weather Storm“ einerseits, an Neneh Cherrys „Somedays“ andererseits. Nicht die schlechtesten Referenzen. Und ganz von ungefähr – denn de facto ist keines zu hören – kommt es mir vor, als sänge auf „More Than That“ in der Ferne ein Bandoneon; vielleicht, weil es um diese Sehnsucht geht, die man an solch „sensitive days“ fühlt, wo „you were on my mind and I know that I – I might be on yours, sometimes“. Schön, das.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Violetta_Parisini_Cover.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Violetta_Parisini_Cover.jpg" alt="" title="Violetta_Parisini_Cover" width="460" height="460" class="alignleft size-full wp-image-6580" border="0"/></a></p>
<p>
Neugierig geworden? Weiterlesen auf <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/03_marz_2/cd-violetta-parisini-open-secrets.html"><font color="#dfb3af">fairaudio.de</font></a></strong>!</p>
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		<title>Stimmen, wie füreinander geschaffen: The Stewardesses heben ab – und nehmen uns mit</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 16:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem das Wort “krank” ganz oben in der Suchbegriffsstatistik vom Klangblog rangiert – dicht gefolgt von “lesbisch”: erstaunlich, wonach die Leute in einem Musikblog so suchen! Sollte es eines Tages mit dem Musikjournalismus nicht mehr funktionieren, mache ich eine Krankenstation für Lesben auf -, möchte ich einmal mehr einen Treffer für das Suchergebnis liefern, denn: ich bin krank. Rotz, Halsschmerz, Nase zu – was auch immer Sie sich an Schnodder vorstellen können, hier ist er. Meine besten Freunde heißen zurzeit Gelomyrtol, Sinupret und Aspirin Complex. Damit bin ich nicht allein: Der überraschende erste Frühlingstag vor einer Woche hat ganze Belegschaften dahingerafft. Juchuh, zwanzig Grad, jubelte man tagsüber, und zog aus, was auszuziehen ging. Oh Mist, auf zwei Grad runtergekühlt, dachte man abends, als Schal und Jacke weit entfernt zu Hause lagen, man selbst aber fröstelnd im Biergarten saß. “Wenn Sie erst einmal das Gefühl haben zu frieren, ist es schon zu spät”, erklärte mein Apotheker am nächsten Morgen. Jaja, nachträglich schlaumeiern ist jetzt unglaublich hilfreich! Jedenfalls: Ich gehöre eigentlich ins Bett. Und nicht in den Konzertsaal. Aber: Wann spielen schon mal 5, in Worten: fünf, begnadete Musikerinnen auf einmal an einem Ort, darunter so anbetungswürdige wie Illute, Katriana und Catharina Boutari? Der findige Leser hat es erkannt: Das passiert, wenn das Label Pussy Empire Geburtstag hat und seine Künstlerinnen als <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/02_feb_2/cd-alex-winston-florian-fleischer-the-stewardesses-el-bosso-und-die-ping-pongs-2.html#thestewardesses"><font color="#dfb3af">The Stewardesses</font></a></strong> auf Tour schickt. Da muss man hin – und wenn es vorerst das Letzte ist, was man macht!</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/545641_435726369776174_100000164454842_1945727_416723892_n.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/545641_435726369776174_100000164454842_1945727_416723892_n.jpg" alt="" title="545641_435726369776174_100000164454842_1945727_416723892_n" width="460" height="345" class="alignleft size-full wp-image-6468" border="0"/></a><br />
<small>@ Work: The Stewardesses mit lauschendem Klangverführer. Foto: Jo_Berlin</small></p>
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In der wunderbaren Neuköllner <strong><a href="http://musenblog.blogspot.de/2012/03/stewardesses-gelandet.html"><font color="#dfb3af">Musenstube</font></a></strong> sind dann aber nur vier der Damen im Pan Am-Look gelandet, darunter allerdings meine drei Lieblingsstewardessen – und eine Chantal de Freitas, die zur Überraschung des Abends werden sollte. Davon aber später mehr. Eröffnet wird die Show von Catharina Boutaris Version des Tokio-Hotel-Hits <em>Durch den Monsun</em>, und live beweist Boutari einmal mehr, wie gut das Yael-Naim-Prinzip (Man nehme den unmöglichsten Song, den man sich vorstellen kann, und mache dann etwas ganz Wundervolles daraus) funktionieren kann: Der Song, muss ich feststellen, ist eigentlich ganz schön. Nur wussten Tokio Hotel das damals nicht. Chantal de Freitas singt im Refrain die zweite Stimme, und wie schon bei der <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=5417"><font color="#dfb3af">L-Filmnacht</font></a></Strong> zeigt sich auch jetzt, dass die Stimmen Boutaris und de Freitas’ wie füreinander geschaffen sind. Schön!</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32330991.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32330991.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="613" class="alignleft size-full wp-image-6442" border="0"/></a><br />
<small>Sexy: Chef-Stewardess Catharina Boutari</small></p>
<p>
Gast-Stewardess Illute hat ihren ersten Auftritt als Backgroundsängerin bei Chantals Mousse-T.-Cover <em>Is It Cos I’m Cool</em>, und sofort fühle ich mich ganz zu Hause in dem Klang. Ich liebe diese Stimme, die so anders ist als die der Kolleginnen und sich dennoch harmonisch in den Satzgesang der drei einfügt, der Katrianas Juli-Cover <em>Geile Zeit</em> begleitet. Aber die Stewardesses unterhalten das Publikum nicht nur mit den Akustik-Cover-Songs von ihrem Jubiläumsalbum <em>Pussy Empire hebt ab</em>, sondern auch mit ausgewählten Stücken aus ihren Soloprojekten. Ich freue mich auf Catharina Boutaris Alter Ego <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/01_jan_2/cd-puder-melissmell-first-aid-kit-smith-and-burrows-1.html#puder"><font color="#dfb3af">Puder</font></a></strong> mit ihren <em>Großstadtkonkurbinen</em> und meinem All-Time-Favorite <em>Puder</em>, wobei ich mich nicht entscheiden kann, ob mir <em>Click Clack</em> mit seinem “Farben, wo sind die Farben”-Refrain hier und heute nicht sogar noch besser gefällt – beide Disco-Nummern sind purer Glitter auf Speed!</p>
<p>
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<p>
<em>Perfect</em> von Chantal de Freitas mochte ich damals nicht besonders, aber entweder habe ich mich mittlerweile an den Song gewöhnt wie an einen guten Nachbarn, der vom Bekannten langsam zum Freund wird – oder de Freitas ist heute Abend in Hochform. Wie sich noch herausstellen soll, ist Letzteres der Fall; und nicht zuletzt gefällt mir das Thema des Liedes ausnehmend gut: alles soll heutzutage möglichst perfekt erscheinen, willkommen Botox, hallo plastische Chirurgie, und was das mit der Seele macht, interessiert keinen Menschen. Auch hier vereinen sich de Freitas’ Mezzo und Boutaris heller Sopran zu einer vollendeten Symbiose, und das, um beim Thema zu bleiben, ist etwas, das die Bezeichnung “perfekt” dann wirklich verdient hat. Nicht zuletzt gelingt es Chantal de Freitas, mir den Song <em>Jetzt erst recht</em> des Bravo-Geschöpfes LaFee näher zu bringen, für den ich bislang in etwa so viel übrig hatte wie für <em>Durch den Monsun</em>. Langsam verstehe ich, weshalb diese Lieder solche Hits sein konnten, denn entkernt man sie bis zum Kleinstmöglichen und lässt sie von einer lebensklugen Frau interpretieren, kann man tatsächlich so etwas wie Schönheit in ihnen finden. Tokio Hotel und LaFee fehlte es schlicht an Lebenserfahrung für die eigenen Songs. Wer schon ein bisschen gelebt hat im Leben, der kann auch banalen Teenagertexten Würde verleihen. In dieser Rolle gefällt mir Chantal de Freitas ganz wunderbar. Bislang habe ich sie eher als singende Schauspielerin denn als Musikerin wahrgenommen – das hat sich nun grundlegend geändert, und das Genre “gehauchte Ballade” steht ihr ganz vorzüglich. </p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331251.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331251.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="613" class="alignleft size-full wp-image-6443" border="0"/></a><br />
<small>Souverän &#038; elegant: Chantal de Freitas</small></p>
<p>
Das Lied, auf das ich mich freue, seitdem ich die Setlist gesehen habe – <em>Dünner Tag</em> von Illute -, kommt so ganz ohne jegliche elektronische Verstärkung indessen seltsam lo-fi daher. Ich gebe zu, es in der Album-Version mehr zu mögen – und dennoch zeigt Illute, dass man nicht mehr als Stimme, Ukulele, ein bisschen Fingerschnippen und eine Katriana an der Melodica braucht, um die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten. Ohnehin ist das Publikum der musizierenden Illustratorin wie immer mehr als geneigt – als sie in ihrem Hund-am-Strand-Cover <em>Jungen Mädchen</em> “Alle Jungen, alle Mädchen, zieht eure T-Shirts aus” fordert, beginnt die erste Reihe tatsächlich, einen Spontanstrip hinzulegen. Spätestens bei ihrer Version von <em>Major Tom</em>, die ich erstmals beim <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=4720"><font color="#dfb3af">Fabulous Female Folk</font></a></strong>-Festival hören durfte, sind ihr alle verfallen. Damals war Illute der Lichtblick eines ansonsten trüben Abends – heute endlich hat sie ebenbürtige Mitstreiterinnen.</p>
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Katrianas <em>Mensch</em> aber ist das Lied, das über den Abend hinaus tagelang in meinem Kopf hängenbleibt. Im Grönemeyerschen Original verhasst, ist es bei ihr einfach nur wunderschön und, was dem Original nicht gelingt, berührend. Sehr süß ist Chantal de Freitas bei <em>Teenage Love</em>, einem ihrer eigenen Songs, mit dem sie wieder den über dreißigjährigen Frauen kollektiv aus der Seele zu sprechen scheint. Einer der Höhepunkte des Abends aber ist ihre Version des Rammstein-Hits <em>Amerika</em>. Schon auf der Platte großartig, toppt die Live-Version alles, haben die Stewardesses doch eine Andrews-Sisters-artige Close-Harmony-Nummer daraus gemacht. Ganz groß!</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331281.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331281.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="345" class="alignleft size-full wp-image-6446" border="0"/></a><br />
<small>Nicht nur eine tolle Sängerin: Katriana</small></p>
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Das gilt auch für Katrianas <em>Ich singe dir ein Lied</em> mit seinem “Ich lieb dich heute Nacht/und wenn du nicht schlafen kannst/dann sing ich dir ein Lied”-Refrain, das in der Stewardesses-Version ebenfalls durch einen mitreißenden ooh-woo-whoo-Chor besticht. Bei Catharina Boutaris <em>‘türlich, ‘türlich</em> verwandeln sich die Andrews Sisters dann in die Supremes; und genau hier zeigt sich, worin die Stärke der Stewardesses liegt: dass es vier Solo-Künstlerinnen geschafft haben, einen Gruppenklang zu entwickelnn, dessen Harmonien sich nicht hinter den großen Girlgroups der Sixties verstecken müssen.</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331421.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331421.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="345" class="alignleft size-full wp-image-6447" border="0"/></a></p>
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Der durch Krankheit leider fehlenden fünften Stewardess Birgit Fischer (Ex-Motorsheep) wird gedacht, indem man das von ihr aufgenommene Ich+Ich-Cover <em>Vom selben Stern</em> als Zugabe anstimmt. Geben wir es zu: Ich+Ich haben schon recht pathetische Texte. “Du bist das Pflaster meiner Seele” hieß es in <em>Pflaster</em>, und hier heißt es “Ich nehm’ den Schmerz von dir”. Uff. Hätte man dabei nicht Adel Tawils großartige Stimme im Ohr – solche Texte könnte einem keiner verkaufen! Allein, Catharina Boutari, Chantal de Freitas, Illute und Katriana können es auch. Ganz zauberhaft funkelt der Song mit einem Mal, und ganz zauberhaft ist auch, wie Katriana hier tapfer mit Satinhandschuhen Klavier spielt, während de Freitas bei ihrem Part einmal mehr mit souveränem Leadgesang überzeugt. Die Künstlerinnen sind nicht nur stimmlich zusammengekommen, sondern eine jede hat sich während ihrer Tournee auch in die Lieder der jeweils anderen eingefunden, und mehr kann man sich von einem als einmaliges Projekt zusammengekommenem Musikerkollektiv wohl kaum erwarten.</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331211.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P32331211.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="613" class="alignleft size-full wp-image-6448" border="0"/></a><br />
<small>Gitarre, Klavier, Ukulele, Melodica – Illute spielt sie alle</small></p>
<p>
Wer die Stewardesses in Berlin noch einmal live sehen will, hat schon bald wieder die Möglichkeit dazu: Sie spielen ihr Programm am 5. April 2012 in der Langen Nacht noch einmal. Vorher machen sie aber noch Station in Dortmund, Köln und Hildesheim. Die genauen Tourdaten gibt es <strong><a href="http://www.facebook.com/events/303941259665703/"><font color="#dfb3af">hier</font></a></strong>. Wir sehen uns, wenn es wieder heißt: Pussy Empire gebt ab!</p>
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		<title>Halt die Klappe, hol dir’n Hund: Olli Schulz über das Erwachsenwerden im Zeitalter des digitalen Umbruchs, seine Abenteuerplatte und die Frage nach dem Hund Marie</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 15:03:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangblog]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Anfang war der Hund Marie. Bevor ich mit der Musik von Olli Schulz in Berührung kam, kannte ich ein Plattencover von ihm: Für meinen Artikel Popmusik &#038; Hundezucht: die schönsten Hundeplattencover habe ich das Cover des Olli Schulz &#038; der Hund Marie-Songs Dann schlägt dein Herz (2005) verwendet. In das Lied hatte ich mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Anfang war der Hund Marie. Bevor ich mit der Musik von Olli Schulz in Berührung kam, kannte ich ein Plattencover von ihm: Für meinen Artikel <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=3978"><font color="#dfb3af">Popmusik &#038; Hundezucht: die schönsten Hundeplattencover</font></a></strong> habe ich das Cover des Olli Schulz &#038; der Hund Marie-Songs <em>Dann schlägt dein Herz</em> (2005) verwendet. In das Lied hatte ich mal kurz hineingehört, es für weder besonders bemerkenswert noch besonders unangenehm befunden und fortan nicht mehr daran gedacht.</p>
<p>
Das hat sich mit <em>SOS</em>, dem aktuellen Solo-Projekt von Olli Schulz, geändert. Als ich den Album-Teaser hörte, bin ich an der Reggae-Nummer <em>Ich kenn‘ da Ein</em> hängengeblieben, und auch viele der anderen neuen Singer-Songwriter-Stücke schienen mir echtes Ohrwurmpotenzial zu haben. Nanu? Kein schrammeliger Indie-Rock mehr von Olli Schulz? Ist er etwa erwachsen geworden? Und wo ist eigentlich der Hund Marie? Diesen und anderen Fragen gehe ich am ersten sonnig-warmen Tag dieses Jahres im Café Fleury in Berlin Mitte auf den Grund – klar, dass da auch der Hund Emily, besser bekannt als Kopfhörerhund, dabei sein muss.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P3150522.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P3150522.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="332" class="alignleft size-full wp-image-6352" border="0"/></a><br />
<small>Olli Schulz und der Hund Marie war gestern &#8230;</small></p>
<p>
<strong>Klangverführer: Dein neues Soloalbum heißt <em>Save Olli Schulz</em> – verrätst du mir, was dich so schutzbedürftig macht?</strong></p>
<p>
Olli Schulz: Eigentlich macht mich nur die Tatsache schutzbedürftig, dass es so anstrengend war, diese Platte aufzunehmen und zu veröffentlichen: ein neues Label zu suchen, nachdem mir die alte Plattenfirma gesagt hat, dass sie meine nächste Platte nicht herausbringen möchte und ich so gestresst war von diesem ganzen Business-Kram! Ich habe für die letzte Platte eine wahnsinnige Promo-Tour gemacht, wahnsinnig viele Interviews gegeben … Diesmal ist es schön, dass ich nur zwei Tage mache, heute und morgen – Emily! (pfeift nach dem tauben Hund, der sich gerade in Richtung Küche davonmachen will) –, denn dieses ganze Drumherum nervt eigentlich nur, du wirst abgehalten vom Musikmachen, weißt du. Darum hat der Titel ganz gut gepasst. Außerdem habe ich in letzter Zeit immer Geldprobleme gehabt, weil ich ein schlechter Geschäftsmann bin, mit einer Band auf Tour war und denen zu viel Geld ausgezahlt habe – und obwohl ich Veranstaltungen gemacht habe wie die Neujahresrevue in der Volksbühne, war ich am Ende immer der, der am meisten draufgezahlt hat. Außerdem sind noch ein paar weitere Sachen passiert, die nicht so toll waren: Ich habe versucht, noch einmal mit dem Hund Marie eine Platte aufzunehmen, das ist auch gescheitert … Dann stand ich ziemlich alleine da und habe diese Platte alleine gemacht, und dann habe ich gedacht: Da passt „SOS – Save Olli Schulz“ doch ganz gut. Ich würde gern noch mal eine Platte so aufnehmen!</p>
<p>
<strong>Eine weitere Soloplatte? </strong></p>
<p>
Ja.</p>
<p>
<strong>Auf <em>Save Olli Schulz</em> singst Du von „irgendetwas“, dass Dir so sehr fehlt und immer mehr wird (<em>Irgendetwas fehlt</em>), davon, dass wir jung und dumm sind „und denken, das ist Kunst“ (<em>Ich kenn’ da Ein</em>) und trauerst einer Liebe aus dem September ‛97 nach sowie einer „aufgebrauchten Welt“ (<em>Ich dachte, du bist es</em>) – ich finde mein Lebensgefühl perfekt in Deinen Texten gespiegelt. Glaubst du, dass wir einer Art verlorenen oder zumindest orientierungslosen Generation angehören?</strong></p>
<p>
Nun, ich jedenfalls! Ich weiß nicht, ob wir so einer Generation angehören, ich kann da ja nur für mich sprechen! Dazu muss ich auch sagen, dieses Lied mit der Liebe ‛97 … Das ist ja nur, dass ich einen Menschen mal für eine Nacht nur kennenlerne, dass ich mit ihm durch die Nacht fahre und am Strand bin … Das ist ja mehr eine fiktive Geschichte. Aber Du hast schon recht, es geht schon so ein bisschen darum, dass man auf der Suche ist und dass sich viele darin verirren, in dieser Suche und dann nur noch auf der Suche sind. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich gerade angekommen bin mit Frau und Kind und eigentlich ein unaufgeregtes, aber schönes Leben führe, da kann ich mich nicht beschweren. Ich habe eine Tochter, die ist zweieinhalb Jahre alt, und das macht mich schon ganz glücklich und füllt mich aus. Aber wer will denn schon eine Platte darüber hören, „Mir geht es gut, mein Leben ist schön, ich sitz‘ zu Hause und schaue mein Kind an und freu‘ mich des Lebens“?</p>
<p>
<strong> Das Phänomen kennt man ja vom Tagebuchschreiben. Wenn man Jahre später seine Eintragungen liest, denkt man, Mensch, was war ich da depressiv, dabei ist es ja eigentlich nur so, dass man in diesen dunklen Phasen viel eher zum Stift greift und wenn es einem gut geht, schlicht keine Zeit und/oder Lust zum Schreiben hat!</strong></p>
<p>
Ja, stimmt. Ich kenne auch nur wenig gute Feel-Good-Movies, äh, Songs!</p>
<p>
<strong>Und auch, wenn du über die Musik selbst schreibst, scheint immer auch etwas Wehmut mitzuschwingen – so singst du zum Beispiel in <em>Old Dirty Man</em>: „Ich werde nicht mehr so emotional bei emotionaler Musik“, und in <em>Verliebt in 2 Mädchen</em> läuft im Radio „Schrottmusik, die ich überhaupt nicht hören will“. War Musik früher besser? Und wenn man erst einmal zu dem Punkt kommt zu sagen, dass früher etwas besser war – ist man dann erwachsen? </strong></p>
<p>
Ich finde nicht, dass früher irgendetwas besser war. Ich bin kein Typ, der nostalgischen Sachen hinterher trauert. Ich glaube, dass wir in einer modernen Zeit leben, die noch völlig veraltet ist. Ich finde, dass wir immer noch Systeme und Sachen haben, die einfach nicht mehr relevant sind. Die mich nicht mehr interessieren. Mich interessiert beispielsweise die Fernsehkultur nicht mehr, die ist einfach am Aussterben. Es gibt neue Sachen, Internet zum Beispiel, und tausend Wege, sich Dinge anzugucken. Das beste Beispiel ist Thomas Gottschalk. Der ist völlig orientierungslos und gerade in der falschen Zeit, nicht wir. Der merkt nicht, dass seine Zeit abgelaufen ist. Ich finde das unangenehm, wie Leute der alten Zeit hinterher trauern. Man muss einfach mal sagen, „das ist jetzt vorbei und neue Sachen kommen. Komm jetzt, das ist nun mal so“. Der Umbruch, der jetzt stattfindet, der ist ja kodiert wie eine Alten und eine Neuen Welt, und manche Sachen gehen rasant schnell, andere gehen sehr langsam, und genau da befinden wir uns gerade drin! Dadurch formt sich solch ein generelles Lebensgefühl. Die einen sagen, früher war alles besser, und die anderen sagen, der Fortschritt ist total wichtig und ich bin nur noch am Rechner und Internet ist das Größte … Ich glaube, dass man sich in dieser Zeit einfach mal ein bisschen entspannen muss.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P3150527.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P3150527.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="345" class="alignleft size-full wp-image-6354" border="0"/></a><br />
<small>Heute heißt es: Olli Schulz und der Hund Emily!</small></p>
<p>
<strong> Viele Künstler sind ja zurzeit auch sehr aktiv in den sozialen Netzwerken, bieten ihre Werke zum Download an, um diesem Umbruch gerecht zu werden … Wie hältst du es damit eigentlich?</strong></p>
<p>
Och, ich bin auch da ganz entspannt. Ich mach ‛ne CD, ‛ne Vinyl-Platte und ‛nen Download.</p>
<p>
<strong>Oh, Vinyl! Wirklich?</strong></p>
<p>
Ja, tausend Stück – und die werden auch gut bestellt.</p>
<p>
<strong>Schön zu wissen – gerade die fairaudio-Leser freuen sich immer über Vinyl! Bleiben wir aber mal beim Erwachsenwerden, gegen das du dich laut deinem eigenen Begleitschreiben zum Album „verbarrikadierst“. Wenn man deine aktuellen Lieder hört, von denen viele überraschend versöhnlich enden – zum Beispiel <em>Old Dirty Man</em> oder <em>Koks &#038; Nutten</em> –, könnte man glatt denken, dass aus dieser Platte schon so etwas wie beginnende Altersweisheit spricht &#8230;</strong></p>
<p>
Also, erwachsen muss man einfach werden. In dem Moment, wo Du ein Kind hast, bist Du, glaube ich, automatisch erwachsen. Aber natürlich versucht man sich trotzdem eine Unschuld zu bewahren. Das ist ja auch etwas, was ich in meinen Liedern versuche zu bewahren. Es heißt ja nicht, dass du erwachsen  bist, wenn du trotzdem eine Kindheit in dir trägst. Schlimm wird es, wenn du anfängst, über die Jugend … wenn du die Jugend nicht mehr verstehst und herum pöbelst. Das ist dann wirklich unangenehm!</p>
<p>
<strong>Yeah, wenn du deinen Krückstock schwingst und anfängst, „die Kinder vom Hof!“ zu brüllen …</strong></p>
<p>
Genau. Und ich finde ja, dass viele Menschen, die jünger sind als ich, ausgesprochen … ähm … schon gesettelter sind, als ich es in ihrem Alter war. Die Jugendlichen, die sind viel bürgerlicher … Guck dir Kathi an – deutet auf die Promoterin – , die Tätowierungen am Arm sind alle nur aufgemalt! (lacht, denn natürlich sind die echt) Nein, aber es ist wirklich so: Ich glaube, dass die Leute wieder vernünftiger werden. Wenn ich auf zdf.neo Joko und Klaas höre, die machen schon voll den vernünftigen Eindruck, dafür, dass sie erst achtundzwanzig und neunundzwanzig sind! Ich war damals nicht so.</p>
<p>
<strong>Du hast gerade wieder das Kinderkriegen angesprochen, und ich habe ja auch noch einen Teil des Interviewers vor mir mitbekommen, dem du gesagt hast, dass du so endgenervt bist von den Luxusproblemen der Leute, die darüber jammern, dass ihre Altbauwohnung im Prenzlauer Berg nicht genug Licht hat oder dass sie in ihrer Beziehung seit Jahre unglücklich sind, ohne etwas dagegen zu unternehmen … Wenn man deinen Song <em>H.D.F.K.K. (Halt die Fresse krieg ‛n Kind)</em> so hört, habe ich das Gefühl, der polemische Titel ist nur halb im Spaß gemeint. Glaubst du, dass sich alle kleinen, selbstbezogenen Luxusprobleme relativieren, wenn man für ein Kind verantwortlich ist?</strong></p>
<p>
Klar. Aber der Song ist nicht so ernst gemeint, dass jeder ein Kind haben sollte. Allerdings ist es schon so, dass viele Leute so wahnsinnig viele Sachen ernst nehmen, auch Musik und Texte … Dann sagst du, „geh, krieg ein Kind, und du merkst, dass das alles nicht so relevant ist“ …</p>
<p>
<strong> Oder einen alten Hund, der macht ähnlich viel Arbeit …</strong></p>
<p>
Ja, oder einen alten Hund. Halt die Klappe, hol dir’n Hund!</p>
<p>
<strong>Auch ein schöner Unsinns-Titel! Apropos Unsinn: Die in den vorigen Fragen schon angesprochene Melancholie, die sich durch viele deiner Texte zieht, wird von dir oft durch überraschend witzige Wendungen konterkariert; und auch vor allerlei Klamauk schreckst du nicht zurück. Hast du keine Angst, dass du mit Zwischenspielen wie <em>Crew</em> und <em>Vorspiel</em> oder Stücken wie <em>Danke an alle</em> deine Glaubwürdigkeit untergräbst?</strong></p>
<p>
Nee, damit hab ich schon sehr früh aufgehört. Viele Leute haben mir gesagt, Olli, wer mal witziger, mach doch nur noch witzige Sachen, andere haben gesagt, ey, du musst aufhören mit diesem albernen Scheiß, sonst nimmt dich keiner ernst … Ich hab‘ das über die Jahre immer so gemacht, nur so ist es gut. Die letzte Platte <em>Es brennt so schön</em>, die war eigentlich gar nicht so witzig, die fand ich eigentlich äußerst düster … Da waren die Sachen mit dem Hund Marie, <em>Warten auf den Bumerang</em> und so, schon witziger! Aber es war eigentlich schon immer so eine Mischung. Jetzt ist es ein bisschen persönlicher geworden, <em>Old Dirty Man</em> ist schon ein persönlicher Song über das Älterwerden, ja. Es gibt ja auch Songs, die sind nicht nur witzig oder nur traurig; es gibt ja auch Songs, die sind einfach nur so … entspannt. Es sind nicht nur diese beiden Extreme.</p>
<p>
<strong>Oder ein Song hat eine total überraschende Wende, wie beispielsweise <em>Briefmarke</em>, das ist zuerst voll der gruselige Krimi und dann: „Er klebt die Briefmarke ein“!</strong></p>
<p>
Das war ein kleiner Gag, der uns so eingefallen ist, den finden wir sauwitzig!</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/Olli_Schulz_SOS_save_olli_schulz_800.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/Olli_Schulz_SOS_save_olli_schulz_800.jpg" alt="" title="Olli_Schulz_SOS_save_olli_schulz_800" width="460" height="413" class="alignleft size-full wp-image-6356" border="0"/></a></p>
<p>
<strong>Mir hat er auf jeden Fall sehr gefallen! Bei der Vorab-Recherche zu diesem Interview habe ich mir auch die Wikipedia-Seiten über dich angesehen, und da steht, dass <em>Save Olli Schulz</em> zunächst auch ein Olli Schulz und der Hund Marie-Album und kein Soloalbum werden sollte. Was ist eigentlich aus dem Hund Marie geworden?</strong></p>
<p>
Wir haben einfach nicht mehr so zueinander gefunden. Der Hund Marie, also Max Schröder, macht ja auch Musik und bringt jetzt eine Soloplatte heraus … Wir haben uns einfach seit 2006 nur noch ganz ganz selten gesehen. Das liegt auch daran, dass Max nicht nur Vater zweier Kinder, sondern dann auch bei Tomte eingestiegen ist. Und ich bin schon seit einiger Zeit – eigentlich seit der ersten Platte, wenn man es genau nimmt – viel alleine getourt. Und ich habe auch alle Songs geschrieben. Ich erinnere mich, dass er mich begleitet hat, und er ist ein ausgesprochen guter Musiker! Dann haben wir 2010 noch einmal versucht, eine Platte aufzunehmen, hatten uns zuvor aber drei Jahre nicht richtig gesehen. Wir waren für ein paar Tage im Studio, und ich habe dabei nichts empfunden: Kein Spaß gehabt, nichts. Und er auch nicht. Und dann habe ich gesagt, komm, lass es bleiben. Wir sind nicht mehr so, wie wir vor fünf Jahren waren, als wir Nachbarn waren, Freunde waren. Er hat ein ganz anderes Leben als ich – es gab auch keinen Streit oder so. Aber es passt einfach nicht mehr. Er hat auch ganz andere Vorstellungen von Musik, inzwischen. Er ist ein ganz toller Musiker – einer der besten, mit denen ich je arbeiten durfte –, und er wird auf jeden Fall eine tolle Soloplatte machen, und eigentlich ist es ja auch gut so: Ich mach meine Sachen, und dafür macht er auch seine Sachen.</p>
<p>
<strong>Vorstellbar, dass ihr irgendwann wieder zusammen findet?</strong></p>
<p>
Momentan glaube ich eher nicht. Wir sind so unterschiedlich! Wie gesagt, es gab weder Streit noch Schlägereien noch Anwälte … Es war einfach so, dass wir beide alt genug sind zu merken, das wird gerade nichts mehr.</p>
<p>
<strong>Ihr seid ja mit eurem <em>Warten auf dem Bumerang</em>-Album ja extra zu EMI gewechselt, um aufwändiger produzieren und von dem Singer/Songwriter-Stil wegzukommen …</strong></p>
<p>
Und auch wegen des Geldes, das wir bekommen haben!</p>
<p>
<strong><em>Save Olli Schulz</em> schlägt wieder die genau umgekehrte Richtung ein: Alles wurde auf nur einer Spur in einem winzigen Tonstudio aufgenommen. Ist das eine Art Back to the Roots?</strong></p>
<p>
Ja, das ist aber auch keine Singer/Songwriter-Platte, da ist überall Schlagzeug und so, einfach ganz anders von der Mischung! Aber natürlich auch Back to the Roots. Eigentlich habe ich immer alle Songs auf der Gitarre geschrieben – es kommt darauf an, wie du sie umsetzt. Erst einmal hatten wir nicht das Geld, und dann habe ich zwei aufwändig produzierte Platten gemacht, und dann habe ich gemerkt, das reicht jetzt auch, jetzt will ich wieder was anderes machen. Und da hab‘ ich diese Platte jetzt gemacht.</p>
<p>
<strong>Wenn du sagst, es ist keine Singer/Songwriter-Platte – was ist es dann?</strong></p>
<p>
Doch ist es. Es ist eine Singer/Songwriter-Platte. Aber auch mehr! Es ist nicht nur eine Singer/Songwriter-Platte. Es ist eine Entertainment-Platte, ‛ne Quatsch-Platte, ‛ne schöne Platte … eine Abenteuer-Platte!</p>
<p>
<strong>Sie ist auf jeden Fall wahnsinnig vielfältig: Du hast zwei Reggae-lastige Tracks drauf, beim <em>Phosphoermann</em> kommt dann doch so ein bisschen Hamburger Schule um die Ecke, Blumfelds <em>Apfelmann</em> ist da nicht weit …</strong></p>
<p>
Welcher Song von Blumfeld?</p>
<p>
<strong>Der Apfelmann! Und nicht nur wegen des ähnlichen Titels!</strong></p>
<p>
Ah, okay. Ich frag nämlich, weil ich Blumfeld immer gut fand!</p>
<p>
<strong>… und auch vom Liedermacherkosmos ist <em>Save Olli Schulz</em> nicht allzu weit entfernt …</strong></p>
<p>
Ich bin ein Liedermacher! Ich schreibe die Songs alle auf der Gitarre. Ich hatte früher auch mal ein Problem mit dem Begriff, aber eher aus Styling-Erwägungen. Im Grunde bin ich ein Liedermacher. Und außerdem: Hannes Wader, Klaus Hoffmann und solche Leute – das sind auch alles Liedermacher, und so schlecht waren die alle nicht, ganz im Gegenteil! Wenn du mich als Liedermacher bezeichnest, kann ich damit leben. Singer/Songwriter klingt nur cooler.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P31505281.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P31505281.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="613" class="alignleft size-full wp-image-6359" border="0"/></a><br />
<small>Ob cool oder nicht cool &#8211; in jedem Falle beliebt! Es gibt Fanpost.</small></p>
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		<title>Being born in the key of “Blue” and creating a contemporary Pan Afro Vibe: Jonas Bibi Hammond</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 09:02:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den ersten Anlauf zu diesem Interview habe ich vor ungefähr anderthalb Jahren unternommen, als ich „Jamestown“, das erste Soloalbum von Jonas Bibi Hammond, im Sommer 2010 für fairaudio.de besprach. Es war die Zeit der Fußball-WM in Südafrika, sodass sich die Diskussion um eine neue, selbstbewusste, pan-afrikanische Identität nahezu aufdrängte. „Leider wird Afrika immer noch massiv [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den ersten Anlauf zu diesem Interview habe ich vor ungefähr anderthalb Jahren unternommen, als ich „Jamestown“, das erste Soloalbum von Jonas Bibi Hammond, im Sommer 2010 für <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2010/08-august/jonas-bibi-hammond-jamestown-cd-2.html"><font color="#dfb3af">fairaudio.de</font></a></strong> besprach. Es war die Zeit der Fußball-WM in Südafrika, sodass sich die Diskussion um eine neue, selbstbewusste, pan-afrikanische Identität nahezu aufdrängte. „Leider wird Afrika immer noch massiv vom alten Stammesdenken bestimmt. Mir geht es einfach darum“, so Hammond damals, „dass diese alten Stammesstrukturen überwunden werden sollten, um zu einer gemeinsamen starken Identität zu finden“.</p>
<p>
Dafür macht sich der Produzent und Musiker vor allem mit seinem Projekt „Pan-African Heritage“ stark, für das er als Kurator für die Werkstatt der Kulturen verschiedene Künstler afrikanischer Herkunft, die seit Jahren in Berlin nebeneinander her leben, ohne aber je miteinander gespielt zu haben, auf eine Bühne bringt. Und auch „Jamestown“ bleibt von diesem Gedanken nicht unbeeinflusst, wenn Hammond im „Ga Man Funk“ beispielsweise eine alte Parole der Ga verwendet – jener minoritären Volksgruppe in Ghana, der sein Vater entstammt. Diese heißt übersetzt, „We are not many but we are beautiful“, und kaum erschien der Song, wurde versucht, ihn politisch zu instrumentalisieren, obgleich der Text mit keiner Silbe hergibt, dass irgendjemand besser sei als ein anderer. Hammond wollte damit lediglich ausdrücken, dass man zu dem stehen soll, was man ist, dass man seine Ziele und Träume nicht aufgeben soll. Und so ist auch „Jamestown“ letztendlich kein politisches Album, sondern vielmehr ein sehr persönliches, das immer wieder den aktuellen Ich-Status des Künstlers bestimmt – und natürlich auch von Liedern über die Liebe in all ihren Spielarten keinen Halt macht.</p>
<p>
Leider hat die Zeit nie gereicht, das Gespräch fortzusetzen. Nun gibt es &#8220;Jamestown&#8221; aber als Special Edition &#8211; und eine dazu passende Konzertreihe. Gute Gründe für einen zweiten Anlauf, der &#8211; in kleinerer Form &#8211; dann auch gelingt.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/01_Portrait-JBH.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/01_Portrait-JBH.jpg" alt="" title="01_Portrait JBH" width="460" height="306" class="alignleft size-full wp-image-6320" border="0"/></a></p>
<p>
<strong>Klangverführer: The first edition of „Jamestown“ appeared  about one and a half years ago. What has gotten you to release a special edition right now?</strong></p>
<p>
Jonas Bibi Hammond:  I was not finished with all the songs I intended to be on the album, and last year in June my beloved Mum passed away &#8230; I simply lost my „Mojo!  I was so sad that I had to do what my Mother has been waiting for almost 30 years – a solo Jonas Bibi Hammond CD, instead of me composing and producing for other artists. So I decided to bring out the CD “Jamestown” in a form of limited edition, so I could make peace with my own sorrow. I fell freed from this pain now.</p>
<p>
<strong>The original version of “Jamestown” was opened by “The Way I Am”, which is, by the way, my personal favorite song of your album. For me, it feels like a statement or declaration of your self, of what you are right now and what you want to be … So I wonder what made you put it downward on the tracklist of the new “Jamestown” edition?</strong></p>
<p>
Well, as you can see the CD is now a dedication to my Mum, so I wanted to be in the second row so to speak. And I wanted the more Blue, melancholic.</p>
<p>
<strong>When we first spoke about your solo album about one and a half years ago, I remember you saying this record covered the last 30 years of your life. If I take a closer look on the songs, I find they were mainly composed in the early Two-Thousands. Does this mean that you have carried all these songs in your head for decades before noting them down?</strong></p>
<p>
Many of the songs on the Jamestown CD are remakes of original compositions I wrote in the 70ies, some of which were even recorded back then, but only as demos. I started re-writing and sometimes just recording newer versions of these songs around the year 2000 onwards.</p>
<p>
<strong>Moreover, I remember you saying that you drew your inspiration many a time out of passing moments. Some of these emotional moments were magical and transferred immediately into music &#8230;</strong></p>
<p>
Yes, sometimes when I have long walks alone &#8230; I hear my own mind, like looking in a mirror, and yes, some songs have been materialized this way. On the other hand, I sometimes wake up in the morning, and have a complete piece with lyrics, as if I received it in a transfer. Sometimes also, the moment is just magic, and a song develops. Like the song „The Way I Am“.</p>
<p>
<strong>Upon listening closely to your lyrics, I have found that there are remarkably many love songs on the album &#8230;</strong></p>
<p>
Well, I am a softie, and have never had a problem with being that way &#8230; I always say  I must have been born in a key of „Blue“, ‘cause all my songs have this deep seated trace of melancholy which fascinates me so much &#8230; Dunno where it comes from ( smile). I am in my own way a „Chronic Romantic”&#8230; hahahaha.</p>
<p><strong>On March 16, you will not only play the music of the „Jamestown“ album, but also perform some songs with the Pan-African Groove Collective. Can you tell me a bit more about this?</strong></p>
<p>
I formed the Band „Pan African Groove Collective“ to fulfill a dream I have had for as long as I have been in Germany , 26 years. I wanted to build a musical bridge between the roots of Black Music in Africa and the development of new black music in the African American communities, and black Diaspora worldwide. Therefore, the concert will feature some of the very best Musicians in Berlin, and we will be playing some of my compositions, fusing Afro Blues with Jazz and Soul. We will also perform some jazzed-up Reggae and Afro beats to create a contemporary Pan Afro Vibe.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/Jamestown-Special-Ed.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/Jamestown-Special-Ed.jpg" alt="" title="Jamestown Special Ed" width="460" height="413" class="alignleft size-full wp-image-6322" border="0"/></a></p>
<p>
<em>Die Special Edition von &#8220;Jamestown&#8221; gibt es beispielsweise auf <strong><a href="http://www.amazon.de/Jamestown-Jonas-Bibi-Hammond/dp/B006Z94BD2/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1331715331&#038;sr=8-1"><font color="#dfb3af">amazon.de</font></a></strong>. Live zu sehen ist Jonas Bibi Hammond mit seinem <strong><a href="http://www.werkstatt-der-kulturen.de/de/spielplan/?datum=2012-03-01&#038;filter=Komplett&#038;detail=439"><font color="#dfb3af">Pan-African Groove Collective</font></a></strong> am Freitag, 16. März 2012, im Club der Werkstatt der Kulturen.</em></p>
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		<title>Das schwere Buch vom schwarzen Mann: Victoriah&#8217;s Music erstmals mit Buchkritik!</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Mar 2012 13:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 26. Februar 2012 wäre Johnny Cash achtzig Jahre alt geworden. Dies wurde vom Verlag Edel/Rockbuch zum Anlass genommen, die Autobiographie „Cash“, die der Sänger 1997 mit Hilfe des renommierten Country-Journalisten Patrick Carr verfasst hat und die erstmals 2003 (deutsch: 2004) erschienen ist, in einer großformatigen Neuauflage herauszubringen. Die ist irgendwie seltsam: nicht Fisch, nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 26. Februar 2012 wäre Johnny Cash achtzig Jahre alt geworden. Dies wurde vom Verlag Edel/Rockbuch zum Anlass genommen, die Autobiographie „Cash“, die der Sänger 1997 mit Hilfe des renommierten Country-Journalisten Patrick Carr verfasst hat und die erstmals 2003 (deutsch: 2004) erschienen ist, in einer großformatigen Neuauflage herauszubringen. Die ist irgendwie seltsam: nicht Fisch, nicht Fleisch, aber allemal &#8211; auch für Nicht-Fans &#8211; interessant, denn sie ermöglicht ein anderes Hören der Cash-Songs, ein Neuhören, ein Hören unter neuen Vorzeichen. Leider ist die Neuauflage aber auch absolut unhandlich, was Größe und Gewicht betrifft, die eher einem Bildband angemessen wären als einem textlastigen Buch. Die grundlegenden Eigenschaften eines Buches &#8211; beispielsweise umblättern mit einer Hand, während die andere das Buch festhält -, sind hier schlichtweg nicht gegeben. Aber, wie es ein Freund von mir so treffend beschrieb: Das physische Gewicht des Buches ist eine Analogie zu seiner inhaltlichen Gewichtigkeit. Die altersmilde Abgeklärtheit Cashs kann für den Leser zu einer Hand auf der Schulter werden, die ihm signalisiert: alles wird gut &#8211; irgendwann. </p>
<p>
Zur Buchbesprechung geht es <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/03_marz_1/Buch-Johnny-Cash-Autobiografie.html"><font color="#dfb3af">hier</font></a></strong>.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Cash-2.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/04/Cash-2.jpg" alt="" title="Cash 2" width="460" height="454" class="alignleft size-full wp-image-6565" border="0"/></a></p>
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		<title>Spaß dran haben und gucken, was kommt oder: lesen, schnuppern, bestellen, machen, tanzen gehen! Das Duo Scheeselong im Klangverführer-Interview</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 08:55:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es steckt schon eine ganze Menge von Fräulein Mitzi und Frau Rosenroth, den Figuren, die das Duo Scheeselong in ihrem Programm Rendezvous mit Marlene verkörpert, in Caroline Bungeroth und Valerie Wildemann: die übersprudelnde, begeisterungsfähige junge Sängerin mit Hang zur leichten Muse und die strenge russische Klavierlehrerin, die ihr Herz an Rachmaninow gehängt hat. Feuer und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es steckt schon eine ganze Menge von Fräulein Mitzi und Frau Rosenroth, den Figuren, die das Duo Scheeselong in ihrem Programm <em>Rendezvous mit Marlene</em> verkörpert, in Caroline Bungeroth und Valerie Wildemann: die übersprudelnde, begeisterungsfähige  junge Sängerin mit Hang zur leichten Muse und die strenge russische Klavierlehrerin, die ihr Herz an Rachmaninow gehängt hat. Feuer und Eis, könnte man meinen, wie sie da vor mir sitzen, die eine blond und wild gelockt, die andere dunkel mit streng zusammen-<br />gebundenem Haar. Da verwundert es kaum, dass die eine dann auch eher Hunde-, die andere Katzenmensch ist.</p>
<p>
Kaum aber setzen wir zum Interview an, merke ich schnell, dass Wildemann ihrer Duo-Partnerin in puncto Temperament und Aufgedrehtheit in nichts nachsteht. Für einen kurzen Augenblick fragen ich mich, ob ich statt des ayurvedischen „Die Sinne schärfen“-Tees nicht eine beruhigende heiße Milch mit Honig hätte servieren sollen. Dann aber werde ich mitgerissen von einem Gespräch, das schriftlich nur unzureichend wiedergegeben werden kann, soviel wie hier gelacht, gegiggelt, gegurrt, geschmeichelt, geflirtet, sich gegenseitig ins Wort gefallen, spontan gesungen, in diversen Akzenten gesprochen und überhaupt durch alle erdenklichen menschlichen Tonlagen jongliert wird – und zwar nicht nur von der Sängerin, sondern auch von der Pianistin. Eigentlich müsste man hier das Band von Interview einstellen! Wenn Sie diese beiden, die nicht nur exzellente Musikerinnen, sondern auch ganz wunderbare Schauspielerinnen sind, live erleben möchten &#8211; und das lohnt sich! -, können Sie aber auch zur Berlin-Premiere von <em>Rendezvous mit Marlene</em> am 9. März im Grünen Salon gehen.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250410.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250410.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="828" class="alignleft size-full wp-image-6263" border="0"/></a><br />
<small>Das Duo Scheeselong ganz leger auf der Scheeselong der Autorin &#8230;</small></p>
<p>
<strong>Klangverführer: Das Programm, durch welches ich euch kennengelernt habe, heißt <a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=5843"><font color="#dfb3af">„Rendezvous mit Marlene“</a></font>, und ich will jetzt natürlich von euch wissen: Was fasziniert euch so an Marlene Dietrich? </strong></p>
<p>
Valerie, deutet auf Caroline: Diese Frage ist für sie!</p>
<p>
Caroline: Also Marlene als Schauspielerin und Sängerin – wenn man sie sich vor allem in den Filmen anschaut: die hat drauf, mit ganz wenig Mitteln ganz viel zu machen. In diesen Filmen der zwanziger, dreißiger Jahre, also den Hollywoodfilmen, kommt sie raus, guckt einfach nur und steht einfach nur, geht drei Schritte, guckt einfach nur und steht einfach nur. Und wie sie spielt, wie das wirkt – das ist einfach unglaublich! Das ist das, was mich an dieser Künstlerpersönlichkeit so fasziniert. Auch die Entwicklung dieser Dame ist enorm: Wenn man schaut, wie sie angefangen hat – und dann diese unglaubliche Karriere in der Nachkriegszeit &#8230; Ja, das ist die persönliche Faszination!</p>
<p>
<strong>Es geht also eigentlich eher um ihre Präsenz und nicht so sehr um ihre Lieder? </strong></p>
<p>
Caroline: Vom Künstlerischen her, wenn man sich jetzt fragt, inwiefern ist sie mein Idol, also als Vorbild, dann ist es genau das: mit wenig Mitteln viel zu erzeugen. Das ist wirklich eine Kunst. </p>
<p>
Valerie: Sie hat ja auch von sich gesagt, „Ich kann nicht singen, also muss das, was ich trage, einfach phänomenal sein“. </p>
<p>
Caroline: Und dementsprechend hat sie sich natürlich auch … Also, sie hat es sehr wohl verstanden, das Äußere, die Präsenz, das Dasein, was sie sich antrainiert hat, wirken zu lassen. Und die Idee war zunächst auch, etwas zu machen, was man so von Marlene kennt – ursprünglich war das sogar zum Marlene-Jahr geplant, hat sich dann aber verschoben, weil noch andere Dinge dazwischen kamen –, und jetzt ist natürlich spannend, dass wir uns im Laufe des Programms immer mehr damit befasst und auseinandergesetzt haben – gerade die Rosenroth, die ja immer für diesen Ausgleich im Stück zuständig ist, und es ist spannend zu erleben, dass auch das Leben der Dietrich einfach nicht immer zuckersüß war, dass da viele Schattenseiten sind. Und es passt eben auch sehr gut zu uns zu sagen, dass sie eben nicht nur diese Glamour-Fotos verkörpert, sondern dass sie zum Beispiel auch viel im Krieg erlebt hat oder für ihr Aussehen auch wirklich viel tun musste.</p>
<p>
<strong>Diese Schattenseiten habt ihr ja auch auf die Bühne gebracht. Valerie, ich glaube, du warst das, die entsprechende Passagen aus der Autobiografie der Dietrich vorgelesen hast &#8230;</strong></p>
<p>
Valerie: Genau.</p>
<p>
<strong>… und ihr sagt selbst, dass ihr euch während der Arbeit am Programm immer mehr mit der Persönlichkeit von Marlene auseinandergesetzt habt. Hat sich euer Marlene-Bild während dieses Prozesses verändert? </strong></p>
<p>
Beide: Ja, total!</p>
<p>
<strong>Wirkt sich das auf eure Darstellung aus? </strong></p>
<p>
Caroline: Für mich persönlich bedeutet das, dass sie auch ein Mensch ist. Und im Grunde spiegelt das auch uns wider. Du siehst uns jetzt ja auch in normalen Klamotten, und es ist genau wieder diese Verwandlung. Wir waren gestern zum Beispiel auf der Bohème Savage, und es ist diese Verwandlung der Zeit, dieser Schein, und sobald die Leute zur Garderobe gehen, ist dieser Schein weg. Damit kommen wir als Künstler ja auch immer wieder in Berührung: Sobald wir jemandem in unseren Privatklamotten einen Flyer geben, heißt es, „Ach, das sind Sie?!“, man erkennt einen gar nicht wieder, und so ist das mit Marlene auch. Diese Verbindung von Künstler-Sein einerseits und privater Person, andererseits &#8230;</p>
<p>
Valerie: Und auch dieses Ringen um das eigene Bild, was man von sich selbst kreiert hat und was die Leute auch von einem erwarten.</p>
<p>
Caroline: Beziehungsweise das Ringen um das, was man wirklich machen möchte. Das war ja bei ihr auch so, sie ist dann ja auch wirklich hochgestiegen.</p>
<p>
<strong>Das heißt, sie ist für euch ein Stück mehr &#8230; berührbarer geworden? </strong></p>
<p>
Beide: Ja, definitiv.</p>
<p>
<strong>Wenn wir uns jetzt mal von den Filmen abwenden: Was glaubt ihr denn, was an ihren Liedern, die ihr ja in „Rendezvous mit Marlene“ singt und spielt, so modern ist, dass man damit auch heute ohne weiteres noch einen ganzen Abend füllen kann? </strong></p>
<p>
Valerie: Die Liebe!</p>
<p>
Caroline: Genau, darum geht es ja! Im Grunde sind die Lieder doch total aktuell: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ &#8230;</p>
<p>
Valerie: Spannenderweise sind das ja auch genau die Lieder, die geblieben sind! Ihre Kriegslieder zum Beispiel, die werden jetzt ja nicht so häufig gespielt. Das heißt, die Liebe oder dieses Frivole prägt anscheinend mehr &#8230;</p>
<p>
Caroline: Ja, und eben auch diese andere Frauenrolle, die es da mittlerweile gibt! Dieses Herkömmliche „Jetzt wird geheiratet und man sucht sich jemanden, mit dem man dann das Häuschen baut“, das gibt es zwar auch noch, aber es verschiebt sich mittlerweile zehn Jahre nach hinten, und im Grunde ist Marlene mit der von ihr verkörperten Frauenrolle absolut aktuell! Beziehungsweise auch die Vielfalt davon: Diese frivolen Sachen aus den Zwanzigern, wo diese Sache mit der besten Freundin ins Spiel kommt, dieses Spiel mit dem lesbischen Element, wo man gar nicht genau weiß, ob sie das wirklich hatte oder ob das Inszenierung war &#8230; Und dann hat sie, auch geprägt durch den Krieg, durchaus viele kritischen Sachen gesungen, und später dann auch mehrsprachig, französisch, englisch &#8230; Auch diese Vielfalt ist modern, wobei wir uns aus ihrem Repertoire auf die Sachen der Zwanziger- und Dreißigerjahre spezialisiert haben.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/entre.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/entre.jpg" alt="" title="entre" width="460" height="459" class="alignleft size-full wp-image-6267" border="0"/></a><br />
<small> &#8230; und im vollen Kostum als Fräulein Mitzi und Frau Rosenroth </small></p>
<p>
<strong>Ihr spielt aber nicht erst seit „Rendezvous mit Marlene“ zusammen, richtig? Ich möchte natürlich wissen, wie ihr euch kennengelernt habt – also die große Kennlerngeschichte – und wie dann die musikalische Zusammenarbeit als Duo Scheeselong entstanden ist. </strong></p>
<p>
 (Beide brechen in großes Gelächter aus.)</p>
<p>
Caroline: Wir haben ja beide an der UDK studiert, sodass man sich zwangsläufig in Kursen begegnete &#8230;</p>
<p>
Valerie: Theorieunterricht!</p>
<p>
Caroline: Um es kurz zu machen: Ich fand sie total blöde und sie fand mich auch total doof &#8230;</p>
<p>
Valerie: Du konntest immer alles und hast dich immer gemeldet!</p>
<p>
Caroline: Echt, ja? Und ich dachte immer, Mann, ist die überkandidelt! Kann die nicht mal runterkommen? Wie anstrengend!</p>
<p>
Valerie: Und das gerade von dir!</p>
<p>
Caroline: Also, wir fanden uns nicht so wirklich sympathisch. Dann haben wir uns aber beide für ein Auslandssemester in Spanien angemeldet. Das war ein Erasmus-Programm, an dem drei von der UDK teilnehmen durften. Und ich guck so auf die Liste und sehe, oh Mensch, blöd, Valerie ist auch dabei. Naja, wir müssen ja nicht nur miteinander abhängen, die Dritte im Bunde ist ja ganz sympathisch, das wird schon irgendwie werden. Wir sind dann also nach Spanien gefahren, und irgendwann haben wir begonnen, dort Musik zu machen. Die Dritte war eine zweite Sängerin, und als wir im Marketing-Kurs die Aufgabe hatten, Konzerte zu vermarkten, dachte ich mir, naja, machen wir jetzt eben deutsche Duette durch alle Jahrhunderte. Ich habe die beiden anderen Mädels gefragt und dachte vorher noch, mit Viola wird’s schon gut werden, mit Valerie – naja, mal gucken &#8230; Und so haben wir in Spanien zu dritt angefangen, gemeinsam Musik zu machen. Als wir dann wieder zurück waren, ist die zweite Sängerin ihre eigenen Wege gegangen, doch bei uns beiden hatte sich durch Spanien mittlerweile so eine schöne Freundschaft entwickelt, dass wir dachten, jetzt machen wir doch weiter &#8230; </p>
<p>
Valerie: „Es fühlt sich doch so gut an!“ Denn tatsächlich war es wie Therapie, für die beiden Sängerinnen Klavier zu spielen, das tat so gut! Und wir sind dann so darin aufgegangen, dass wir uns gesagt haben, wenn wir zurückkommen, möchten wir auf jeden Fall weiter machen! Leider ist eine dann abgesprungen &#8230; Aber es war ja auch alles nur Klassik, was wir da gemacht haben &#8230;</p>
<p>
Caroline: Ich glaube, dass hängt auch damit zusammen &#8230; Also, zum einen verstehen wir uns sehr gut, sind auch privat gut befreundet, zum anderen aber damit, dass das Repertoire, das wir machen, auch eine gewisse Vielseitigkeit hat, die uns beide sehr reizt. Auch dieser hohe kabarettistische Wortwitz – man muss schon sehr viel spielen im Sinne von schauspielern, um das entsprechend zu illustrieren. Ich hatte das im Studium, Valerie hat Impro-Theater gemacht – uns liegt diese Spielerische irgendwie im Blut. Und dann liegt es auch ziemlich nahe, sich damit auch gemeinsam auseinanderzusetzen.</p>
<p>
Valerie: Wir hatten ja zu dritt versucht, das mal weiterzumachen, und dann meinte Caroline, dass die Zwanziger ganz gut wären, und dann haben wir das mit einer anderen Sängerin probiert – das ging überhaupt nicht! Die wollte nur dasitzen und spielen!</p>
<p>
Caroline: Und dann haben wir uns eben zusammengetan und angefangen, herumzubasteln – und das hat sich dann zu dem, was es jetzt ist, zu diesen Rollen, entwickelt. Das hat gepasst wie der richtige Schuh – und so fühlt es sich auch an. Jetzt ist es das Richtige. Daran haben wir ziemlich lange gebastelt und geguckt, was da so kommt, aus uns.</p>
<p>
<strong>Ziemlich lange &#8230; was heißt das konkret? </strong></p>
<p>
Caroline: 2009 hatten wir das erste Erlebnis, wo wir gesagt haben, na, mal gucken, das könnte was werden. Mein Vater wurde sechzig, und ich sagte, Mensch komm, Valerie, wollen wir nicht ein bisschen Musik machen? Na gut, das ist jetzt in drei Wochen, los komm, hier halbe Stunde Programm &#8230; Und Valerie meinte, naja, ich kann dir aber nichts versprechen &#8230; (lachen) Und das war, glaube ich, auch der Grund, weshalb das so gut anlief: Wir haben Spaß daran und wir gucken, was kommt. Und dann haben wir uns mit der Literatur auseinandergesetzt, und da war ein Superstück nach dem anderen, und wir waren wie „Oh ja, das nehmen wir noch, und das nehmen wir noch, oh Mann, das ist ja total super“, und tatsächlich gibt es ja einen Riesen-Pool an diesen Stücken &#8230; Und es ist ja heute noch so, dass man eine ganze Liste im Hinterkopf hat, wo man denkt, das nächste Programm ist auf jeden Fall schon mal gebongt! Im Grunde könnte man &#8230; also, wenn man auf so viele Stücke Lust hat &#8230;</p>
<p>
Valerie: &#8230; auch thematisch! Man könnte zu so vielen Themen ein ganzes Programm machen und die Stücke stünden schon zur Verfügung!</p>
<p>
<strong>Mit der Literatur auseinandergesetzt heißt, dass ihr von dem Notentext ausgeht, oder dass ihr euch tatsächlich auch mit Sekundärliteratur beschäftigt habt? </strong></p>
<p>
Caroline: Naja, es ist ja so: Diese Zeit oder diese Musik, wie es ja immer ist, aber hier ganz besonders, spiegelt ein bestimmtes Lebensgefühl wider, die schmeckt das so – zum Beispiel diese Feierlust! Das ist nur ein Aspekt, aber den merkt man bei dieser Literatur, also bei Büchern, die in dieser Zeit geschrieben wurden. Wir haben uns auch ohne Ende Filme angeguckt, einfach auch für die Figurenarbeit: Was wurde gemacht, was wurde getanzt, was wurde getragen, was für eine Frisur, welches Make-up, welche Kleider – einfach lesen, schnuppern, bestellen, machen, tanzen gehen!</p>
<p>
Valerie: Ganz wichtig waren aber auch Seminare. Wir hatten ein musikwissenschaftliches Seminar &#8230;</p>
<p>
Caroline: Ganz ungewöhnlich! Denn sonst waren die eher spröde und hatten Brahms im Vergleich zu Wagner oder so etwas zum Inhalt! Und plötzlich war es so &#8230; wie hieß das doch gleich?</p>
<p>
Valerie: „Es liegt in der Luft was Idiotisches“!</p>
<p>
Caroline: Genau: Es liegt in der Luft was Idiotisches. Das ist auch das erste Lied von unserem Programm. Und dieses Seminar war total super, da ging es um Kabarett, Operette und Revue hier in Berlin. Das war auch noch einmal so ein weiterer Baustein.</p>
<p>
Valerie: Eine Art theoretischer Hintergrund aus der musikwissenschaftlichen Richtung. Man hat sich da mit der Musik auseinandergesetzt und ihren Hintergründen, aber natürlich auch mit den Persönlichkeiten der Interpreten – und eigentlich fing da schon die Auseinandersetzung mit Marlene an, wenn auch auf einem anderen Level. Fräulein Mitzi, die Figur von Caroline, war dann auch relativ schnell fertig. Bei mir war das dadurch, dass ich keine Sängerin bin, schwieriger. An Frau Rosenroth habe ich auch lange basteln müssen, wir haben sie immer wieder umgemodelt, sie fühlte sich noch nicht gut an &#8230; Ich habe mich in dem Zusammenhang dann mehr mit der Zeit als mit Figuren beschäftigt, habe gesammelt und sogar eine ganze voll plakatierte Wand zu meiner Inspirationswand erklärt. Da Carolines Rolle so überkandidelt war, habe ich nach eher strengeren Frauen gesucht, und zwar gar nicht so aus dem künstlerischen Bereich, sondern aus dem alltäglichen Dasein. Das Lustige ist ja, dass der zündende Funke gar nicht so die damalige Zeit an sich war, sondern das Autobiografische: der russische Akzent. Und die Leute lieben das! Wir haben viel Impro gemacht, und plötzlich kam das so, und das war es dann! Und in den Zwanzigerjahren gab es ja diese russisch-jüdische Immigration, Exil und Wieder-da-Sein, und das ist ja auch irgendwo meine Geschichte, dieses Woanders-Geborensein, Wieder-Zurückkommen, mit zwei Sprachen und Kulturen auseinandersetzen: Das ist für mich die Widerspiegelung der Zeit auf einer autobiografischen Ebene. Meine Familie sind Spätaussiedler, ich bin in der ehemaligen Sowjetunion geboren, meine Mutter ist Russin und eigentlich ist meine Muttersprache russisch. Mein Vater sprach zwar noch deutsch, aber wir haben zu Hause nie deutsch gesprochen, das musste ich mit zwölf hier neu lernen – und meine Mutter auch. Für die Rolle der Frau Rosenroth musste ich – (verfällt in den russischen Akzent) &#8211; sprechen wie meine Mutter und plötzlich ist die Figur da: Isssst russischä Sääle.</p>
<p>
Caroline: Und das ist auch dieser kabarettistisch-komische Effekt! Auch wenn Rosenroth ernste Themen besprechen oder böse sein will, ist sie das nicht, weil der Akzent einfach so etwas Charmantes hat. Und dieser Charakter in Verbindung mit der sehr überschäumenden Mitzi – da fallen uns immer wieder kabarettistische Dinge ein, die man da wunderbar bringen kann!</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250408.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250408.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="343" class="alignleft size-full wp-image-6274" border="0"/></a><br />
<small>Immer in Bewegung: Caroline Bungeroth.</small></p>
<p>
<strong>Apropos Akzent: Mit dem Namen Duo Scheeselong greift ihr ja auch direkt eine sprachliche Referenz auf das Berlin der damaligen Zeit auf – ich glaube, meine eigene Großmutter hat zu ihrem Ruhemöbel noch Scheeselong gesagt. Ist dieser Namen generell als Omen für eure Musik zu verstehen, also, dass ihr euch ausschließlich mit den Liedern der Zwanziger- und Dreißiger-Jahre beschäftigt und dass wir auch in Zukunft von euch eher kein Programm mit, sagen wir, zeitgenössischer Popmusik erwarten dürfen? </strong></p>
<p>
Caroline: Ja. Zwanzigerjahre, berlinerisch. Deswegen auch Scheeselong und nicht Chaiselongue. Zur der Zeit hatte hier halt jeder dieses Ding rumstehen, die Scheeselong.</p>
<p>
Valerie: Und es hat ja irgendwo auch etwas Frivoles … Auf der anderen Seite aber auch etwas ganz Alltägliches. Aber auch, aus der heutigen Sicht, etwas, das wieder schick oder antiquarisch wertvoll ist, also etwas Besonderes. Und auf der Scheeselong liegt eben die entsprechende Frau drauf &#8230; oder auch zwei …</p>
<p>
Caroline: Nämlich wir! (lacht) Und tatsächlich ist es so, dass wir aus dem heutigen Pop-Bereich .. Eher keine Inspiration schöpfen. Wobei ich zugegebenermaßen mal ein großer Madonna-Fan war.</p>
<p>
<strong>Der Name spiegelt also all das, was ihr mit eurer Musik vereinen wollt, egal, welche Programme da noch kommen. In dem aktuellen Programm aber gibt es mit „Neulich im Neandertal“ auch eine Eigenkomposition. Ist das etwas, was wir in Zukunft öfter von euch hören werden, Eigenkompositionen im Stile der Zwanzigerjahre? </strong></p>
<p>
Caroline: Absolut, ja. Ich habe da ja Blut geleckt, im Dezember im Heimathafen, das war das erste Austesten einer Eigenkomposition vor Publikum. Und die Resonanz hat mich sehr gefreut und inspiriert – ich bin also fleißig dabei!</p>
<p>
<strong>Ich jedenfalls habe mich bei „Neulich im Neandertal“ köstlich amüsiert! </strong></p>
<p>
Caroline: Das neue Lied, an dem ich jetzt gerade dran bin, gefällt mir auch. Ich muss sagen, ich habe jetzt schon einen Ohrwurm davon – ich erwische mich, dass ich es vor mich hinträllere!</p>
<p>
Valerie (mit theatralisch exaltierter Stimme): Du bist in eine neue Schaffensperiode eingetreten!</p>
<p>
 (großes Gelächter)</p>
<p>
<strong>Das Neandertal hat mir noch einen wochenlangen Ohrwurm beschert …</strong></p>
<p>
Caroline: Sehr gut! Und das Neue wird noch ohrwurmartiger …</p>
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<strong>Da muss ich gleich eine für später geplante Frage vorziehen. Wenn ihr sagt, ihr schreibt eigen Sachen, Ohrwürmer – ist da etwas in Richtung CD-Produktion geplant? </strong></p>
<p>
Caroline: Langfristig ja. Nur stehen jetzt erst einmal so viele andere Dinge an. Eine CD ist letzten Endes unvermeidlich und ist auch irgendwann dran – aber nicht in allernächster Zukunft. </p>
<p>
Valerie: Das ganze Jahr ist schon so voll mit Plänen! Erst einmal haben wir das Debüt-Programm beim Kurt-Weill-Festival nächste Woche, wo schon eine gute Resonanz da ist. Die Leute da wollen sogar so eine Art Coming-Home-Story machen, weil Caroline ursprünglich ja aus Dessau kommt. Dann die große Berlin-Premiere am 9. März im Grünen Salon mit anschließender Swing-Party – wir sind gerade dabei, die Achse zum Tanz verstärkt aufzubauen und in Richtung Tanztee zu arbeiten, aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten!</p>
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<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250409.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250409.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="531" class="alignleft size-full wp-image-6277" border="0"/></a><br />
<small>Das Bild, das Valerie Wildemann da bewundert, stammt von ihrer mittlerweile ebenfalls in Deutschland lebenden Lanadsmännin Ekaterina Moré</small></p>
<p>
<strong>Soviel also zu den Plänen des Duos Scheeselong. Was treibt ihr aber musikalisch, wenn ihr nicht als Duo unterwegs seid? </strong></p>
<p>
Caroline: Musikalisch? Also, nicht nur nicht als Duo – es kommt vor, dass wir nach einer Party, wenn wir schon so richtig abgedanced haben, uns noch einmal hinsetzen und klassische Mendelssohn-Lieder vom Blatt spielen. Es ist gar nicht so, dass wir immer in diesem Zwanzigerjahre-Stil unterwegs sind. Gerade Valerie macht viel Klassik &#8230;</p>
<p>
Valerie: Ja, das wird ja auch im Programm schon angedeutet. Sowohl sängerisch als auch pianistisch, also einfach künstlerisch, kommt man weiter, wenn man an der Klassik dran bleibt.</p>
<p>
<strong>Das heißt, ihr gebt auch Klassik-Abende? </strong></p>
<p>
Valerie: Nein, nicht öffentlich. Das ist eine ganz bewusste Entscheidung, um uns als Duo Scheeselong da abzugrenzen. Klassik ist aber der Grundstock unserer internen Weiterbildung, es übt einfach das Handwerk. Und die Klassik wird auch auf jeden Fall bleiben, schließlich kommen wir von dort!</p>
<p>
Caroline: Ansonsten leben wir unsere Begeisterung für Musik auch gern tänzerisch aus. Für richtige musikalische Einzelprojekte bleibt momentan aber keine Zeit. Wir haben zwar noch ein anderes Projekt mit Operetten-Duetten, aber da ist Valerie auch mit dabei &#8230; Eine von diesen Operetten haben wir ja auch im Marlene-Programm, und da wird das halt noch ausgeweitet.</p>
<p>
Valerie: Es gibt noch so viel, was uns begeistert! Wir sind zum Beispiel totale Georg-Kreisler-Fans, und es stand schon fast an, mal einen Georg-Kreisler-Abend zu machen, wobei jetzt einfach andere Dinge dazwischen gekommen sind, die anstanden und angefragt wurden. Das ist eine Sache, die nicht aus den Zwanzigern kommt, die aber einfach von der Idee sehr textlastig im positiven Sinne, mit sehr viel Wortwitz, uns entgegenkommt. Es ergänzt sich so schön!</p>
<p>
Caroline: Genau, diese Schärfe bietet einen sehr schönen Gegensatz. Und das sind eben auch Chansons, wo wir sagen, wenn es jetzt nicht in den Zwanzigern bleibt, sondern in Richtung Chanson geht, wenn die gut sind, dann sind wir auch schnell dafür zu haben! Wir haben schon überlegt, ein ganzes Kreisler-Programm zu machen &#8230;</p>
<p>
<strong>Ich sehe, ihr habt mehr Ideen als Zeit, und wenn ihr musikalisch unterwegs seid, dann immer zu zweit. Da gibt es keine Soloklavierabende &#8230;</strong></p>
<p>
Valerie: Nein, nur intern, nicht öffentlich.</p>
<p>
Caroline: Als die Phase des Anlaufens war, hatten wir auch noch viele Sachen getrennt gemacht, haben dann aber, weil wir gemerkt haben, es ist so viel bei uns da, ziemlich viele Sachen geschmissen. Wir haben gesagt, wir konzentrieren uns jetzt auf das, wo wir merken, das gibt uns selber so viel, das macht uns so viel Spaß, da stimmen einfach so viele Faktoren in der Zusammenarbeit &#8230; Das ist gar nicht so einfach, da jemanden zu finden! Zwei Frauen, das ist immer schwierig. Das hat so ein &#8230;</p>
<p>
Valerie: Reizpotenzial.</p>
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Caroline: Das Wort hab‘ ich gesucht! Kann es haben. Aber bei uns funktioniert es sehr gut.</p>
<p>
<strong>Obwohl ihr auch noch privat befreundet seid &#8230;</strong></p>
<p>
Oder vielleicht gerade deshalb. Wir sagen uns, dass es drei Dinge gibt, die sehr wichtig sind. Das Eine: Auf der Bühne muss es funktionieren. Das andere: Das Organisatorische muss funktionieren. Und dann muss man sich auch irgendwie leiden können. Salopp gesagt. Und diese drei Dinge haben sich sehr gut bewährt bei uns und auch als sehr inspirierend und befruchtend in jeglicher Hinsicht erwiesen. Das funktioniert wirklich mit ganz wenigen, und aufgrund dessen haben wir die ganzen anderen Geschichten, die wir parallel aufgebaut hatten, bewusst gestrichen. </p>
<p>
Allerdings unterrichten wir beide auch noch parallel, das ist uns auch sehr wichtig. Und zwar, aus den unterschiedlichsten Gründen. Zum einen, um ein bisschen Regelmäßigkeit zu haben und das normale Leben leben zu können und nicht nur dieses abgehobene Künstlerleben. Man kommt dahin, und es ist schön, einfach mal auch nicht als Künstler wahrgenommen zu werden. Ich weiß, dies sind die Zeiten, man kommt dahin, und das ist jede einzelne Woche so.</p>
<p>
Wir unterrichten freiberuflich, und das soll auch so bleiben, weil wir diesen Ausgleich einfach sehr schätzen. Unser Repertoire plus das Kabarettistische plus unsere Bühnenfiguren sind einfach so aufgedreht, das man diesen Ausgleich gerne hat. Außerdem ist es so, dass ich gerne etwas weiter gebe.</p>
<p>
Es ist ja auch ein Geben und Nehmen, nicht?</p>
<p>
Ja, man hat da einige junge Menschen, denen man in der Entwicklung so ein bisschen hilft, und das Ziel ist, dass sie mitkriegen, ey Mensch, Musik ist was Tolles, das möchte ich gern in meinem Leben haben! Auch wenn unsere Schüler zu unseren Konzerten kommen und völlig begeistert sind und sagen, das will ich aber auch, ist das etwas sehr Schönes.</p>
<p>
Das Pädagogische soll aber nicht unser Schwerpunkt sein. Von der Zeit her, die man investiert, von der Energie und von der Einstellung … und von der Intensität des Sich-damit-Beschäftigens &#8230; ist das Duo Scheeselong auf jeden Fall das Präsenteste von allem, was wir machen.</p>
<p>
<strong>Und Unterrichten als eine Art Erdung. </strong></p>
<p>
Genau.</p>
<p>
<strong>Und vermutlich natürlich auch, um die Miete bezahlen zu können …</strong></p>
<p>
Zumindest, dass man nicht den Stress hat, jetzt alles machen zu müssen, was man angeboten bekommt. Wir können durch das Unterrichten machen was wir machen, und das machen wir mit Leidenschaft. Ich denke, das kommt dann auch rüber. Wenn man dagegen Dinge macht, die man muss, aber eigentlich nicht möchte, das ist für das künstlerische Selbst einfach nicht gut!</p>
<p>
<strong>Ihr gönnt euch also den Luxus, unliebsame Angebote auch durchaus abzulehnen. </strong></p>
<p>
Ja, und das machen wir auch konsequent. Was uns wichtig ist, und weshalb wir unter anderem auch so gern unterrichten: Dass das kein Selbstläufer wird und kein Muss. Das Duo-Projekt hat sich ja daraus entwickelt, dass wir gesagt haben, es tut so gut! Wir haben so viel Spaß dabei! Es fühlt sich nicht wie Arbeit an! Wir kennen aber auch leider sehr viele Kollegen, die wirklich viel spielen, und wo wir einfach sehen, diese Begeisterung dafür und dieses Wohltuende kann einfach nicht mehr gegeben sein. Das nutzt sich so ab, die Lust geht verloren. Das ist für die Leute total doof, die auf der Bühne stehen – aber auch für das Publikum total bescheuert! Da hat man mehr davon, ein Bier trinken zu gehen, als jemandem zuzugucken, der kein Bock hat, das zu tun. Es ist ja gerade im Kleinkunstbereich so, dass man irgendwann einfach mal unheimlich viel unterwegs sein muss. Und deshalb sagen wir auch, wir wollen lieber gut geplante, ausgewählte und gut vorbereitete Konzerte machen, wo dann einfach alles stimmt: Wo unsere Stimmung stimmt, wo wir darauf Lust haben und uns darauf freuen, wo wir lieber die Energien investieren, dass die Bedingungen stimmen und das eben alles da ist, was wir brauchen, sodass wir daraus dann auch Energie schöpfen können.</p>
<p>
<strong>Wo ihr eure Auftritte so handverlesen auswählt – kann man euch überhaupt privat buchen? </strong></p>
<p>
Ja, das machen wir meistens sehr gern. Natürlich ist auch hier der Vorteil: Man muss nicht alles machen.</p>
<p>
<strong>Habt ihr für solche Anlässe ein angepasstes Programm, was dann beispielsweise auch kürzer ist? </strong></p>
<p>
Wir haben unterschiedliche Programme zusammengestellt, die unterschiedliche Sparten bedienen. Das letzte Programm, welches wir für das Gourmet Festival Sylt aufgebaut haben, ist zum Beispiel ein Menü-Programm, wo wir quasi verbunden mit einem Essen und dem kulinarischen Genuss der Zwanzigerjahre zwischen den Gängen ein entsprechendes Programm servieren. Das ist dann natürlich auch kürzer und anders aufgebaut, aber unsere Charaktere bleiben erhalten. Wir sind auch weiter Fräulein Mitzi und Frau Rosenroth, aber eben entsprechend des Anlasses gekürzt. Trotzdem sind wir auch da das Duo Scheeselong.</p>
<p>
Es ist eigentlich nie so, dass wir nur auf unser Äußeres und unsere Stimme bzw. unser Instrument reduziert werden – wir spielen immer, und das Schauspielerische ist auch das, was uns wichtig ist.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P22503991.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P22503991.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="623" class="alignleft size-full wp-image-6287" border="0"/></a><br />
<small>Eigentlich ist das ja Kopfhörerhunds Scheeselong. Der wird spontan geherzt &#8230;</small></p>
<p>
<strong>Ich muss mich an dieser Stelle schon einmal für das schöne Gespräch bedanken, denn mit meinen musikalischen Fragen bin ich dann durch. Wie ich euch aber schon angekündigt habe, schließen Interviews für den Klangblog generell mit einer (Kopfhörerhunde-)frage. Ich habe im Vorfeld ein bisschen recherchiert, und der einzige Bezug zwischen Marlene Dietrich und Hunden, den ich gefunden habe, war, dass Remarque ihr in ihrem Briefwechsel immer von seinen Hunden vorschwärmte. Dabei hätte ich der Diva eigentlich so einen kleinen Handtaschenhund zugetraut! Wie ist das mit euch, habt ihr einen Bezug zu Hunden oder haltet ihr es eher wie die Dietrich? </strong></p>
<p>
Caroline: Also, Valerie ist ein Katzenmensch. Die hasst Hunde</p>
<p>
Valerie: So steht es zumindest auf unserer <strong><a href="http://www.duoscheeselong.de"><font color="#dfb3af">Website</font></a></strong>. Das stimmt nicht ganz – man muss ja immer ein bisschen übertreiben! Aber ich habe eine Katze und bin ein Katzenliebhaber. Es ist zwar eine ganz normale, vollkommen unspektakuläre Hauskatze, aber sehr temperamentvoll, wo ich das Gefühl habe: das hat sie von mir geerbt! Es ist ein Kater, und er hat auch Spitznamen wie „Düsenjäger“ und ähnliches … Er ist wirklich sehr temperamentvoll!</p>
<p>
Caroline: Allerdings! Ich habe leider keinen Hund, aber ich bin eher ein Hundemensch als ein Katzenmensch. </p>
<p>
<strong>Was ja dann auch wieder eure Rollen spiegelt &#8230;</strong></p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250403.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/03/P2250403.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="429" class="alignleft size-full wp-image-6285" border="0"/></a><br />
<small>&#8230; und trägt es mit Fassung.</small></p>
<p>
<em>Die Eintrittskarte zur Berlin-Premiere von „Rendezvous mit Marlene“ am 9. März 2012 im Grünen Salon gilt gleichzeitig auch als Entréebillet für die anschließende Swing-Dance-Party mit DJane Swingin&#8217; Swanee &#8211; es soll, anlässlich des Frauentages am Vortag, ein richtiger „Frauen-Retro-Abend“ werden. Sie können kein Swing tanzen? Kein Problem! Die Crew von der Tanzschule Swing Patrol sorgt für eine Tanzeinführung. Holen Sie also Ihre Flapper Dresses aus dem Schrank oder kommen Sie im Garconne-Stil &#8211; aber kommen Sie, und zwar zahlreich!</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Anspruch und Wirklichkeit &#8211; Lyambiko im Live-Check und in Victoriah&#8217;s Music</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 15:24:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>VSz &#124; Klangverführer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Klangblog]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Neujahresvorsatz für den Klangblog &#8211; neben der Verrentung Kopfhörerhundes, der außer Haus keine offiziellen Termine mehr absolvieren muss, dafür ist er jetzt einfach zu gebrechlich &#8211; lautet: weniger Konzerte. Im letzten Jahr hatte ich einfach zu oft das Gefühl von zu viel Musik. Eins im Monat soll es nun werden. Klar, dass das dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Neujahresvorsatz für den Klangblog &#8211; neben der Verrentung Kopfhörerhundes, der außer Haus keine offiziellen Termine mehr absolvieren muss, dafür ist er jetzt einfach zu gebrechlich &#8211; lautet: weniger Konzerte. Im letzten Jahr hatte ich einfach zu oft das Gefühl von zu viel Musik. Eins im Monat soll es nun werden. Klar, dass das dann ein ganz besonderes sein muss. Im Januar hatten wir Liz Green, im Februar ist es Lyambiko &#8211; jene Dame, mit der ich mein erstes Interview für den Klangblog führte. Ich gebe zu: Ich hatte verdammte Angst. Schließlich hatte ich seit meinem allerersten Interview mit siebzehn keine Übung mehr darin, Menschen zu befragen. Und zu diesem allerersten Interview kam ich auch eher wie die Jungfrau zum Kinde. Ich war auf einem Schüleraustausch in Oxford, Mississippi. Dort lebte &#8211; oder vielleicht tut er das immer noch &#8211; der Schriftsteller John Grisham, der damals gerade mit seinem zweiten Roman &#8220;Die Firma&#8221; für Furore sorgte. 1993 muss daqs gewesen sein. Jedenfalls: Die Mitschüler fanden mich alle doof. Und bevor Sie mich jetzt bedauern, kann ich Ihnen versichern, dass das auf herzlicher Gegenseitigkeit beruhte. Aber dann kommt der berühmte Mann, und man schreit nach dem Klassen-Nerd, auch wenn es den Begriff Nerd damals noch nicht gab und ich darüber hinaus nicht weiß, ob er auch für Mädchen zulässig ist. Jedenfalls kriegten es alle mit der Angst und ich war also dran. Das lief auch ziemlich gut und ich weiß nicht, ob ich nicht damals im Hinterkopf beschlossen hatte, Journalistin zu werden. </p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/1997_Grisham-IV.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/1997_Grisham-IV.jpg" alt="" title="1997_Grisham IV" width="460" height="315" class="alignleft size-full wp-image-6213" border="0"/></a><br />
<small>Rechts vorn im Bild der Autor, ein Buch signierend. Links im Bild: Mein 17-jähriges Ich im roten Pullover und wild gestikulierend. Der rote Pulli und die Gesten sind geblieben. Auch bei John Grisham hat sich nicht viel verändert: Er hat inzwischen gefühlte zwanzig Romane nach ebenjenem Strickmuster veröffentlicht, welches er für seinen Zweitling <em>Die Firma</em> erfand.</small></p>
<p>
Wie dem auch sei. Gute fünfzehn, eher sechzehn Jahre später saß ich dann also Lyambiko gegenüber, und wenn ich mir mein Gestottere auf dem Band anhöre, schäme ich mich bis heute! Was habe ich mich gefürchtet vor der Frau! Aber auch das haben wir irgendwie über die Bühne gebracht, Interviews machen mir keine Angst mehr, und apropos Bühne: Auf einer solchen stand Lyambiko letzten Freitag in der Passionskirche, um ihr aktuelles Album <em>Lyambiko sings Gershwin</em> vorzustellen.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230341.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230341.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="345" class="alignleft size-full wp-image-6243" border="0"/></a></p>
<p>
Eine wunderschöne Location für ein Konzert, behaftet allerdings mit dem Manko, dass die Akustik auf der Empore ziemlich schwiemelig ist. Die Ansagen zwischen den Songs sind kaum zu verstehen, und auch der Klang von Instrumenten und Stimme vermischt sich zu einem undurchdringlichen Soundbrei. Die Gegenprobe ist schnell gemacht, unten im Kirchschiff klingt das Ganze bedeutend besser &#8211; wobei &#8220;besser&#8221; leider nicht &#8220;gut&#8221; bedeutet. Ich möchte nicht so weit gehen wie Bassplayerman, der, konfrontiert mit <em>It Ain&#8217;t Necessarily So</em>, kurz und bündig feststellt: &#8220;Dafür reicht das Stimmchen leider nicht!&#8221;, nein, das nicht. Doch tatsächlich ist der Unterschied zwischen Lyambiko auf Platte und Lyambiko auf der Bühne eklatant. Zudem kommt man nicht umhin festzustellen: Liest man das eingangs erwähnte <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=823"><font color="#dfb3af">Interview</font></a></strong> mit dem Live-Erlebnis im Ohr noch einmal, ist die Kluft zwischen formuliertem Anspruch und Wirklichkeit tief. Was wir hier lesen, hören wir an dem Abend definitiv nicht. Lyambiko ist für uns keine Jazz-, sondern eine Popsängerin, die uns solch wunderbaren Songs wie <em>Give It Up</em> oder <em>Inside Outside</em> geschenkt hat &#8211; meine beiden ganz persönlichen All-time-Lyambiko-Favorites, die mich jahrelang intensiv begleitet und mir auch durch nicht ganz so schönen Zeiten geholfen haben. Mittlerweile muss ich auch noch Lyambikos Version des Soundgarden-Hits <em>Black Hole Sun</em> dazuzählen. Groß.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230345.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230345.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="599" class="alignleft size-full wp-image-6245" border="0"/></a></p>
<p>
Für den Abend in der Passionskirche trifft das nicht zu. Es ist eines der ganz wenigen Konzerte, bei denen ich in der Halbzeit gehe, da die Zeit mit Bassplayerman und einem Bier im Kneipencafé Locus am Marheinekeplatz, wo ich mich übrigens auch mit Maïa Vidal zum <strong><a href="http://klangverfuehrer.de/wp/?p=5620"><font color="#dfb3af">Interview</font></a></strong> getroffen habe, sinnvoller verbracht werden kann. Schade ist das vor allem wegen des Lyambiko-Bassisten Robin Draganic, der als Einziger im Quartett den Eindruck erweckt, wirklich Lust auf das Konzert zu haben und dabei obendrein mehr macht, als er müsste. Allerdings hostet Draganic jeden Mittwoch die legendäre Jam-Session im b-flat, die hier noch einmal ausdrücklich empfohlen sein soll.</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230354.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/P2230354.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="460" height="613" class="alignleft size-full wp-image-6247" border="0"/></a><br />
<small>Draganic!</small></p>
<p>
Dennoch: Vom Abend bleibt Lyambikos Version von <em>It Ain&#8217;t Necessarily So</em>, die mir tagelang im Kopf herumspukt. Die gibt es auch auf dem Album <em>Lyambiko sings Gershwin</em> zu hören, das gänzlich bereinigt von allen Live-Lustlosigkeiten und perfekt produziert eine Ahnung davon gibt, wie das Konzert hätte sein können. Die Besprechung des Albums findet sich wie immer auf <strong><a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/02_feb_2/cd-christina-lux-lyambiko-leonard-cohen-solveig-slettahjell-1.html"><font color="#dfb3af">fairaudio.de</font></a></strong>. Besprochen wurden hier neben <em>Lyambiko sings Gershwin</em> die aktuellen Platten Christina Lux, Leonard Cohen, Solveig Slettahjell, Alex Winston, Florian Fleischer, The Stewardesses sowie El Bosso &#038; den Ping Pongs. Viel Spaß!</p>
<p>
<a href="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/5.2_Alex_Winston_woods_01_GUY_EPPEL.jpg"><img src="http://klangverfuehrer.de/wp/wp-content/uploads/2012/02/5.2_Alex_Winston_woods_01_GUY_EPPEL.jpg" alt="" title="5.2_Alex_Winston_woods_01_GUY_EPPEL" width="460" height="705" class="alignleft size-full wp-image-6257" border="0"/></a><br />
<small>Alex Winston</small></p>
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