Und was machen wir morgen? Wir gehen zu trondheym in Sepp Maiers 2raumwohnung! – klangverführer | Musik in Worte fassen

Und was machen wir morgen? Wir gehen zu trondheym in Sepp Maiers 2raumwohnung!

Nach trondheym (2006) und Beta (2008), beide dominiert vom eher nudeligen Klang der – gedämpften – Trompete Nikolaus Neusers, gibt es den elektronischen Jazz des Duos um Jazz-Gitarrist und Live-Laptoper – und, wie er auf dem Thin Lizzy-Cover Little Girl In Bloom (übrigens der perfekte Song für einen verkaterten Morgen) beweist, durchaus passablen Sänger – Gerhard Schmitt auf dem dritten Album Stay Tuned (2009) endlich mit balsamischer Bassklarinette. Und die ist, entgegen ihres Rufes, definitiv kein Altherreninstrument, und nein, man muss auf ihr auch nicht immer Klezmer spielen! Vielmehr verleiht ihr traditioneller Klang Stay Tuned sehr viel Raum, Luft und Wärme, die allerdings nicht im Kontrast zur Elektronik stehen, sondern auf diese gleichsam abzufärben scheinen. Alles ist sehr transparent, leicht, schwebend, gewissermaßen schwerelos und fühlt sich an, als würde man im Salzwassertank floaten, geborgen wie im Mutterleib und trotzdem eins mit der Umgebung. Hierfür wurde Lars Dietrich verpflichtet, und auch eine meiner Lieblingssängerinnen, Ofri Brin von Ofrin, ist mit von der Partie. Little House ist nicht nur eine fast klassische Jazznummer, sondern auch der absolute Höhepunkt des Albums, veredelt vom Scheiß-egal-Mezzo Alexa Rodrians – großartig! Die bringt gedanklich mal ganz lässig ihre Rivalin um die Ecke. Genial die Zeilen „I want my shoes back/I want them back in red/I want my shoes back/In red I want them back//I want my shoes back/I want them back in red/I want that neighbor’s wife/with a knife in her back“. Doch die Gastvokalisten sind nicht die einzige Neuerung: Erstmals bestehen die Songtitel aus mehr als einem Wort … Dann gibt es noch – tropf! – die Wasserfolternummer Water Me mit Nik Leistle an der Bassklarinette, der sonst eigentlich dem Baritonsaxophon zugetan ist, zum Beispiel bei Beat` n`Blow oder den Jive Sharks.

Liefen die ersten beiden trondheym-CDs bei mir noch unter dem Etikett „ganz nett, hübsche Ambient-Klangtapete, aber nix Besonderes“, ist Stay Tuned das erste trondheym-Album, das ich mir privat gekauft habe. Grund genug, die neuen trondheym mal live auszuchecken. Erste Höreindrücke gibt es hier.

Wo? In Sepp Maiers 2raumwohnung, Langhansstraße 19, in Berlin-Weißensee. Tram: M4, M13, 12 Antonplatz.
Wann? Freitag, den 14. Januar 20100, 20.00 Uhr

2raumkatze Ella, Herrscherin über Sepp Maiers 2raumwohnung und gar nicht so heimliche Chefin von Achim Seuberling, wird sicherheitshalber verbannt, denn Kopfhörerhund kommt auch. Also, nicht falsch verstehen: Kopfhörerhund mag Katzen bzw. sie sind ihm völlig egal. Wie das umgekehrt aussieht, wollen wir lieber nicht austesten. So eine Katzenkralle ist messerscharf, und eine Hundenase hochempfindlich.

Comments (3):

  • Miiiiaaauuu … fauch …
    Ella

  • Über Emotionen auf Distanz, nette Metzger und die Geschichte hinter der Delphin-Dame – Alexa Rodrian im Klangverführer-Portrait «

    […] und dort am Song Little House hängen blieb. Beiläufig erwähne ich meinen Höreindruck in der Konzertvorschau (“Little House ist nicht nur eine fast klassische Jazznummer, sondern auch der absolute […]

  • So viele Konzerte! So viel Musik! «

    […] toller Konzerte befinden? Wenn ja, hab ich akute Konzertrauscheritis. Da klingen vom Freitag noch trondheym nach […]

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