27. Juli 2014

Der Mond auf meiner Türschwelle

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Mit dem Neinsagen ist das so eine Sache. Ich habe es erst ziemlich spät in meinem Leben gelernt, genauer: Ich habe dafür mehr als dreißig Jahre benötigt. Vorher glaubte ich, Ablehnung vertrüge sich nicht mit Höflichkeit. Es liegt auf der Hand, dass ich mich damit in so manch eine, nennen wir es: Situation hineinmanövrierte, aus der elegant herauszugelangen nicht mehr möglich war. Also blieb ich lieber drin. Für Menschen wie mich scheint Ulita Knaus ihren Song She Says No geschrieben zu haben, den sie auf ihrem aktuellen Album The Moon On My Doorstep zwischen elf mich nicht minder ansprechenden Stücken versteckt hat. Ich bin versucht zu behaupten, dass ich seit Valerie Sajdiks Nuits Blanches nicht mehr so begeistert von der CD einer Vokalistin war.

Neben Eigenkompositionen hat sich die Hamburger Sängerin auch an Cover von Künstlern wie Tom Waits oder Pink Floy gewagt, und die Peter-Fox-Nummer Ich Steine, du Steine, die bei ihr wie ein Stück aus dem Alterswerk der Knef klingt, tritt in ihrer Interpretation den Beweis an, dass wir es hierbei im Grunde mit einem bezaubernd poetischen Liebeslied zu tun haben. So ist das, wenn die Kanusifizierung erst mal ihren Gang nimmt.

Ulita Knaus

Spätestens, wenn Knaus nach dem Motto „I decided to take a rest from all that wellness stress“ ihren Kräutertee weggießt, die Yogamatte fortschmeißt und sich stattdessen eine schöne Flasche Rotwein aufmacht, ist man diesem mit einer fast überirdischen Gelassenheit bestechenden, beschwingt vor sich hingroovenden Platte verfallen. Die Nummer, die mir die Essenz des Albums zu sein scheint, wäre mit seiner bestechend lässigen Scat-Einlage in der Tat ein angemessener Abschluss für sie gewesen. Der wirkliche Closer Window Facing West gibt der Platte mit seinen „seven point five squaremeters of happiness“ dann aber einen allzu melancholischen Ausklang, der ihr in meinem Ohren nicht gerecht wird, wobei Knaus selbst diese Sehnsuchtsnummer bewundersnwert kitschfrei intoniert – man stelle sich mit Grauen vor, was ein Musicalsänger daraus gemacht hätte, schließlich verleitet die steigende Tonfolge von Zeilen wie „Because I’m right here with you my Love“ nachgerade zum auf-die-Emotionstube-Drücken! Knaus indessen nimmt Volumen & Co. heraus und hält sich wohltuend zurück. Nicht zuletzt macht hier auch die – im übrigens so ziemlich großartige – Band alles richtig.

Genau das lässt sich im Grunde von der ganzen Platte sagen: Alles richtig gemacht. Eine weiterreichende Rezension lesen Sie wie immer in Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin fairaudio.de. Und falls Sie sich um mich Sorgen machen sollten: Mittlerweile kann ich sehr gut Nein sagen. Nur eben nicht zu dieser Platte.

5. August 2013

Luxushotels und Kreuzfahrtschiffe: die Hochsommerausgabe von Victoriah’s Music ist da

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„Der Sommer wird weiblich – zumindest, wenn es nach der leicht ironisch mit Fräuleinwunder. Edition Damenwahl betitelten, neuen Kompilation aus dem Hause Edelkultur geht, die sich zum Ziel gesetzt hat, deutschen Sängerinnen von Pop bis Jazz eine weitere öffentlichkeitswirksame Plattform zu bieten. Treue fairaudio-Leser treffen hier auf eine Handvoll alte Bekannte wie etwa Kitty Hoff, Meike Koester, Pat Appleton, Jasmin Tabatabai, Bodo & Herzfeld oder Fola Dada, die wir letzten Sommer bei Bartmes gehört haben, und die hier mit der SWR Big Band, ganz viel brasilianischem Feeling und einer der stärksten Stimmen dieses an grandiosen Sängerinnen ohnehin nicht gerade armen Albums am Start ist. Wer schon immer einmal all die tollen Künstlerinnen, die regelmäßig in Victoriah’s Music vorgestellt werden, auf die Ohren bekommen wollte, sich bislang aber – unter welchem fadenscheinigen Vorwand auch immer – nicht aufraffen konnte, ihre Alben zu kaufen: Hier bekommt er gleich achtzehn von ihnen auf einen Streich, mal zauberhaft leicht wie beim Berliner Duo Berge mit seinem Meer aus Farben, mal fingerschnippend lässig wie bei der von Michy Reincke geförderten neuen Hamburger Stimme Katharina Vogel mit Wunder, mal zerbrechlich-introspektiv wie bei Cristin Claas und ihrem Trio mit dem songpoetischen So weit. […]“

Weiterlesen? Das geht – wie immer auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Besprochen wurden:

  • Fräuleinwunder | Edition Dahmenwahl
  • DePhazz | Naive
  • Samirah Al-Amrie | Miraloo. Loop Songs
  • Zukunft und die Lichter | Vergiss, was gestern war
  • Stefan Gwildis & NDR Bigband | Das mit dem Glücklichsein
  • Lasse Matthiessen | Carry Me Down
  • Karen Souza | Hotel Souza
  • Café Del Mar | Volumen Diecinueve (XIX)

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Tangorhythmen wird man auf dem Album der gebürtigen Argentinierin vergeblich suchen, hat sich Karen Souza doch ganz den opulent arrangierten Klängen einer Zeit verschrieben, als die Jazz-Welt zwischen raffinierten Cocktailkreationen und mondänen Dinners in luxuriösen Hotels aufspielte.

21. Juli 2013

Retrophiler Vintagepop – die Platte des Monats Juli ist da!

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Die Sommerpause war dieses Jahr recht kurz – Urlaub geht doch immer viel zu schnell vorbei! Einzig die luftig-leichte Platte des Monats Juli vermag mir die nunmehr wieder in geschlossenen Räumlichkeiten zu verbringende warme Jahreszeit zu versüßen. Kat Emonsons Way Down Low ist ein Album für mehr als nur einen Sommer – warum, steht wie immer auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Viel Freude damit!

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29. Juni 2013

Die Deästhetisierung des Jazz – Superhelden zum Anfassen

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Ohne die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst wäre die Welt um einige schöne Dinge ärmer. Beispielweise gäbe es Ihren Lieblingsklangblog nicht, denn schließlich haben sich meine Eltern als hoffnungsfrohe junge Studenten dort kennen- und liebengelernt. Keine Eltern = kein ich = kein Blog. Das wäre schade. Ohne die Leipziger gäbe es aber auch eine andere schöne Sache nicht, nämlich die American Jazz Heroes. Besuche bei 50 Jazz-Legenden von GHGB-Leipzig-Absolvent Arne Reimer. Und das wäre dann wirklich schade, denn in diesem Buch gelingt dem Fotografen nichts Gerinegeres als der Bruch mit der vornehmlich auf Stil und Eleganz bedachten, rauschschwadengeschwängerten Schwarzweißästetik der herkömmlichen Jazzfotografie. Herausgekommen ist ein Buch, das kein Zeug zum Couchtischbuch hat, denn Ppralle anderthalb Kilo Jazzgeschichte der Gegenwart warten hier darauf, gesehen, gelesen und (nach-)gehört zu werden.

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Und obgleich ich mit diesem Begriff sonst eher vorsichtig umgehe, muss ich Vorwortschreiber Roger Willemsen unbedingt zustimmen, wenn er davon spricht, es sei an der Zeit, den Jazzmusiker „wahrhaftiger“ zu sehen. Bei Reimer besticht der Anspruch an eine größere Wahrhaftigkeit durch den Charme des Alltäglichen. Da drängt sich schon mal das ein oder andere ästhetisch fragwürdige Möbelstück ins Bild, das frisch getrimmte Haustier samt hühnerfüßigem Bringsel, das ungemachte Bett inklusive aktueller Bestsellerschmöker, die dann doch sehr private Nippessammlung oder das Renovierungszubehör samt Umzugskartons – und ganz groß: das mit allerlei Elektroden verkabelte, akkupunkturnadelgespickte Skelett von Milford Graves, Teil einer kompletten Laborausstattung, die sich der heilenden Wirkung von Musik widmet. Der Jazzer an sich in seinem natürlichen Habitat – das ist eben auch nur ein ganz normaler Mensch, der sein Fahrrad im Wohnzimmer stehen hat und Kühlschrankmagnete mag.

Neugierig geworden? Die ganze Buchrezension finden Sie auf fairaudio.de, wo Sie eingeladen sind, einen sich fast unerlaubt anfühlenden Blick in die Wohnzimmer all jener berühmten Sidemen zu werfen, die Musikgeschichte geschrieben haben. Diese Privatheit entmystifiziert – stellt aber nie bloß. Eine Gratwanderung, die hier mit traumwandlerischer Sensibilität gelungen ist.

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17. Juni 2013

Partitur statt Programming! Die neue Ausgabe von Victoriah’s Music ist da

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„Vielleicht kennen Sie das auch: Eine Beziehung geht, aber die vom Ex-Partner initiierte Leidenschaft für eine Sache bleibt. Ich zum Beispiel bin so auf den Hund gekommen, zum Tango und zu Max Goldt. Dinge, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte!

Das Phänomen lässt sich aber auch auf Arbeitgeber ausweiten – und die müssen dafür nicht mal der Vergangenheit angehören. So habe ich der fairaudio-Redaktion eine mittlerweile mehr als viereinhalbjährige Begeisterung für das in Berlin gegründete, israelische Jazzpopelectroakustik-Duo Ofrin zu verdanken, inklusive ungezählter Konzertbesuche und ebenso vieler Stunden, die ich gebannt seinem großartigen Album On Shore Remain lauschte. Da schließt sich ein Kreis, denn Ofrin hat zur von der Berlin Club Commission herausgegebenen Compilation Listen to Berlin 2009 den Opener Tango beigesteuert.

Einen Kreis schließt auch Ofrin-Sängerin und Band-Namensgeberin Ofri Brin, die sich mittlerweile von ihrem (nicht nur) musikalischen Partner Oded K. getrennt hat, um auf The Bringer das zu wagen, was nur im Alleingang gelingen kann. […]“

Was das ist und wieso es sich zunächst im Bermudadreieck zwischen Moll, verminderten Intervallen und Blue Notes bewegt, um dann mit Avantgarde-Jazz zum Befreiungsschlag anzusetzen, letztlich aber dennoch ein dunkles Ende nimmt, steht in der brandaktullen Ausgabe von Victoriah’s Music, die Sie wie immer auf fairaudio.de lesen können. Besprochen wurden diesmal:

  • Ofrin | The Bringer
  • Marcella Detroit | The Vehicle
  • Paper Aeroplanes | Little Letters
  • The Ropesh | The Ropesh
  • Charnett Moffett | The Bridge. Solo Bass Works
  • Yasmine Hamdan | Ya Nass
  • Caro Emerald | The Shocking Miss Emerald
  • British Electric Foundation | Music of Quality & Distinction Vol. 3 – Dark

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Für BEF gibt Boy George auch schon mal den Hund

2. Juni 2013

Mehr als (fenno-)skandinavischer Jazz und doch von berückender Nordizität: das Kokko Quartet

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Das finnische Kokko Quartet habe ich erstmals auf der offiziellen Jazzahead! 2013 Compilation gehört, wo es mit seinem Titel Yasmin Appetit auf das European Jazz Meeting machen sollte. In meinem Falle mit Erfolg. Der Live-Showcase der Finnen wurde umgehend im Messekalender vermerkt. Und schon dort fiel mir auf, was ich auch angesichts der Platte nicht umhinkomme, festzuhalten, obwohl ich lange gezögert habe, ob ich das auch schreiben soll: Das den Kokko-Klang dominierende, von Kaisa Siirala gespielte Saxophon klingt nicht so, als würde es von einer Frau gespielt.

Kokko-Quartet3

Sie können mir jetzt gleichstellungsbewegte Leserbriefe schreiben – oder aber auch noch einmal genau nachhören. Schon beim von Pianistin Johanna Pitkänen komponierten Opener „Letters“ klingt doch viel eher der Ton eines Jonas Knutsson von „Syskonöga“ oder meinetwegen auch, um den skandinavischen Referenzrahmen hinter uns zu lassen, der eines Bob Malach von „Black Is The Color Of MyTrue Love’s Hair“ durch, wobei das Stück selbst easy-listening-mäßiger daherkommt – spätestens, wenn Pitkänens Pianokaskaden perlen, ist das mehr James Last als ECM. Tatsächlich jedoch entführen die „Letters“, folgt man den Liner Notes, den Hörer „deep into the forest“. Der Wald als Symbol für etwas Konstantes, der etwas Verlorenem oder Abwesenden Form zu geben weiß, scheint nicht nur Inspiration für so manchen schwermütigen finnischen Tango zu sein, sondern gebiert auch den Geist des finnischen Jazz – zumindest, wenn er sich in der Interpretation des Kokko Quartet zeigt, die Skandinavischen Jazz mit arabischen und indischen Einflüssen, ja selbst kubanischen Rhythmen zu kombinieren weiß.

In der Tat hat schon der Opener Letters durch seinen punktgenau gesetzten Bass und ein unheimlich elegantes Schlagzeug einen packenden, tighten Groove, zu verdanken Bassist Timo Tuppurainen und Drummer Risto Takala, die hier von Ricardo Padilla an den Percussions verstärkt werden. Doch auch Fans des speziellen Sounds vom Neuen Nordischen Jazz kommen beim Kokko Quartet auf ihre Kosten. Wer wissen möchte, weshalb, was es mit dieser nur schwer fassbaren, glückseligmachenden Kompenente auf sich hat und warum Finnen ohne ihren Tango dann wohl doch nicht könnnen – der lese einfach weiter, und zwar die Rezension des aktuellen Kokko-Quartet-Albums Like A River auf fairaudio.de, unserem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Viel Freude damit!

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20. Mai 2013

Und noch einmal Jazzahead!

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Teaser

Aller guten Dinge sind drei, weiß der Volksmund. Tja, lieber Leser, da müssen Sie jetzt durch. Nachdem Sie schon eifrig Nachlese bezüglich der ersten beiden Tage sowie Tag drei der Jazzahead! im Klangblog betrieben haben, ist gestern auch der offizielle Messebericht für fairaudio.de online gegangen. Das heißt, etwas mehr Zahlen, Daten, Fakten, etwas weniger Meinung – und viele wunderschöne Fotos, wie zum Beispiel das hier von Tobias Preisig.

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Den vollständigen Bericht unter dem Motto „Bye bye, Berlin – hallo Bremen!“ finden Sie hier. Viel Freude damit – und noch einen schönen Pfingstmontag!

12. Mai 2013

Boah, wie geil! Die aktuelle Ausgabe von Victoriah’s Music ist online

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Ein Special zum Thema „Das zweite Album ist das schwierigste“? Nein, soweit möchte ich nicht gehen, auch wenn sich in der neuen Ausgabe von Victoriah’s Music so einige Zweitlinge tummeln. Den Auftakt macht Spaces von Maïa Vidal, die den Sprung vom Punk-goes-Billie-Holiday-Debüt zum schräg-schnasseligen Hippie-Feeling im Weltall, inklusive Hundehimmel und Liebesparaden, wagt: „Spaces hat so gar nichts von seinem Vorgängeralbum, ignoriert man die Tatsache, dass Vidal auch hier wieder ein ganzes Spielzimmer voller Instrumente im Selbstversuch durchexerziert, von Keyboards, Violine und Kontrabass über Klarinette, Theremin und Trompete bis zu Xylophon, Glockenspiel und Autoharp. Gerade Letztere spielt hier in all ihren Facetten, ob als angezerrter Gitarrenton, als spacige Harfe oder ambientes Rauschen, die tragende Rolle und ist sicherlich nicht unschuldig am raumschiffartigen Sternenklang des Albums. Die Zeiten des omnipräsenten Akkordeons scheinen mit Spaces jedenfalls endgültig der Vergangenheit anzugehören.

[…]“

Was Vidal ihrem gegenwärtigen Publikum bietet, warum nicht zwingend traumhafte Töne drin sind, wo „Traumton“ draufsteht, wie es mit dem Erwachsenwerden von Fräulenwundern so ist, warum das Volk in Ehrfurcht starrt und staunt, was die Brontë’sche Heldin Helen Burns mit noisigen Trompetenklängen zu tun hat, die sich jedoch ganz schnell verstecken, wenn ein Könner wie Frederik Köster die Trompete auspackt, der sich seinerseits in Kafkaeske Käferhaltung begibt, warum der Rezensent angesichts der Turning Points von Triosence ganz un-hoch-kulturell nur noch „boah, wie geil!“ rufen möchte und was es mit „Retro Futurist Electro“ so auf sich hat – das erfahren Sie auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Besprochen wurden:

  • Maïa Vidal | Spaces
  • Lea W. Frey | How Soon Is Now?
  • Fredrika Stahl | Off To Dance
  • Katriana | Aber Klar Doch
  • Flea | Helen Burns
  • Frederik Köster | Die Verwandlung
  • Triosence | Turning Points
  • Dirty Honkers | Superskrunk

Viel Freude damit!

30. April 2013

Als hätte es das letzte halbe Jahrhundert nicht gegeben: die Platte des Monats April ist online

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , , — VSz | Klangverführer @ 08:22

Während ich mich in Bremen auf der Jazzahead! herumgetrieben habe, feierten Louise Gold und das Quarz Orchester in Berlin den Record Release ihres wunderbaren und passenderweise mit Debut betitelten Debütalbums: Seit dem 26. April 2013 steht es in allen Läden und ist natürlich auch in den einschlägigen Downloadshops zu haben. Mich persönlich hat Debut derart in seinen Bann gezogen, dass ich es auf fairaudio zur Platte des Monats April gemacht habe:

„Wir schreiben das Jahr 1964. Stan Getz reitet mit seinem ein Jahr zuvor aufgenommenen Album Getz/Gilberto auf dem Höhepunkt der aktuellen Bossa Nova-Welle – dem kollektiven Rausch, verursacht durch diese neue Musik aus Brasilien, die Ende der Fünfzigerjahre angetreten war, die Welt zu erobern. Die sinnlichen, dabei aber nie schwülstigen, sondern immer luftig-leichten Klänge erwiesen sich als ideale Hintergrundbeschallung mondäner Dinner Partys – gemeinsam mit den Easy-Listening-Hits jener Zeit, wie etwa den Kompositionen Burt Bacharachs. Die knisterten in den Wohnzimmern nun elegant vom Vinyl, gilt die gute alte Schellackplatte doch zumindest in Westeuropa und Nordamerika gemeinhin seit spätestens 1960 verschwunden.

Als hätte es das letzte halbe Jahrhundert nicht gegeben, knüpft Louise Gold mit dem Orchester von (Big-)Band-Leader Hans Quarz genau an diesem Punkt an, wenn Debut gänzlich unvermittelt von einem gedämpften Posaunenton, dezentem Bossa-Nova-Geschnassel und prätentiösem Diven-Gesang eröffnet wird. Zutaten, die zusammengenommen derart aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, dass man versucht ist, die CD nochmals aus dem Spieler zu nehmen und das Kleinaufgedruckte zu lesen: Hat man da wirklich ein 2013er-Album erwischt? Man hat.“

Wer das Geheimnis des Sounds von Louise Gold & the Quarz Orchestra ergründen will, lese einfach weiter – wie immer auf fairaudio.de, unserem Lieblings-Online-Magazin nicht nur für HiFi Stereo, sondern auch für Jazz im weitesten Sinne.

Doch damit nicht genug: Klangblog-Leser können außerdem eine signierte Vinyl-Ausgabe von Debut gewinnen. Was Sie dafür machen müssen? Einfach bis zum 13. Mai eine Mail an an kontakt@klangverfuehrer.de schreiben und dort erklären, warum gerade Sie diese Platte unbedingt haben müssen. Bestechungsversuche in Form von Präsentkörben und Hundekeksen werden zwar gern angenommen, helfen beim Losglück allerdings nicht weiter. Klangverführer behält sich vor, den Namen des Gewinners zu veröfentlichen. Und nun viel Glück!

19. April 2013

Jazz ist Jazz und Bier ist Bier: die Jubiläumsedition von Victoriah’s Music ist da

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Zur Feier meiner mittlerweile 5-jährigen Liaison mit fairaudio beschreitet die aktuelle Ausgabe von Victoriah’s Music neue Wege: Nicht nur, dass die „Jazz-Quote“ – auch in Hinblick auf die kommende Jazzahead in Bremen – nochmals signifikant erhöht wurde – ich habe auch eine völlig neue Art der Dokumentation meines Hörerlebnisses ausprobiert. Zwei Tage am Stück habe ich mit moralischer Unterstützung von Lina Liebhund eine Listening-Session veranstaltet und dabei allerlei erlebt, erfühlt und erhört. Eine Geschichte habe ich mit Victoriah’s Music zwar schon öfter erzählt, aber noch nie hat sie sich so zusammenhängend durch die acht Platten gezogen wie dieses Mal. Außerdem wollte ich schon immer mal über Jazz-Jazz schreiben und was der mit Bier-Bier zu tun hat!

Nicht zuletzt geht es um eine nur als „Gothic Jazz“ zu bezeichnende Schauerromantik mit Kopfnickerattitüde, zu deren Enträtselung eine Wagner-Partitur beigetragen hat; um beängstigend menschlich – und auch mal nach Yak – klingende Mundorgeln jenseits von Raum und Zeit; um eine konsensfähige, dabei aber immer heitere, ja: seligmachende Quartettproduktion; um ein Quintett, das dermaßen schwebt, dass es für mich aktuell die Platte des Jahres 2013 ist; um einen nachgerade seelsorgerischen Soundtrack, der einen die schlimmen Stunden zwischen zwei und vier Uhr morgens geisterfrei hält; um eine deliziöse Dinner-Verabredung mit viel Soul; um die Neulandung des ausgefreakten Funkmutterschiffs und um die Frage, ob man posthume Veröffentlichungen denn wirklich als neu oder lieber doch als „bislang unveröffentlicht“ bezeichnen sollte, kurz: um folgende Platten:

  • Bodo und Herzfeld | Liederseelen
  • Christian Zehnder & Gregor Hilbe | Oloid
  • Yakou Tribe | 100% Results
  • Peter Schwebs Quintet | In-between Seasons & Places
  • Paolo Thorsen-Nagel Projekt | And On
  • Delicious Date | Next
  • Electro Deluxe | Live in Paris 2012
  • Jimi Hendrix | People, Hell & Angels

Zu lesen gibt es das Ganze wie immer hier auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin.

2. April 2013

Mit fairaudio durchs Vierteljahr

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Lieber Leser!

Tja. Da gehen die Wochen und Monate so daher und – schwupp! – ist auch schon das erste Quartal des Jahres 2013 einfach so entschwunden. Zapp. Und weg. Und ich bin vor lauter sogenanntem „Unique Content“ gar nicht dazu gekommen Sie darauf hinzuweisen, was ich in der Zwischenzeit so alles für fairaudio geschrieben habe, als da wären: Victoriah’s Music im Januar, die Besprechung der Platte des Monats Februar, Victoriah’s Music im März und die Besprechung der Platte des Monats März.


Kari Bremnes

Der Januar, der uns mit Platten von Maximilian Geller, der Monika Roscher Bigband, Lydie Auvray, Kari Bremnes, Movits!, Alice Francis, Lampchop und Team Ghost seine Aufwartung machte, fing dank der Nachwehen der Fest- und Feiersaison dezent verkatert an: „Es gilt ja neuerdings in gewissen Kreisen, nennen wir sie der Einfachheit halber: das Neue Bürgertum, als schick, den Laden nicht nur den kompletten Juli und August dichtzumachen, sondern auch noch zwischen den sogenannten Jahren bis in den Januar hinein das einzulegen, was sich je nach Branche Generalpause, Betriebsruhe oder auch schlicht Winterferien nennt. New York Style eben. Und während man sich im Sommer bevorzugt an der See – wohlgemerkt der, nicht dem – regeneriert, rufen im Winter die Berge und mit ihnen solch lustige körperliche Betätigungen wie Skifahren, Snowboarden und natürlich Après Ski. Insbesondere mit Letzterem wurden schon so manches Mal die Alpen zum Glühen gebracht, womit wir auch direkt beim Thema angekommen wären, denn während sich viele von Ihnen in besagten Bergen tummeln, veröffentlicht ein Kind der Alpen, der Schweizer Saxophonist Maximilian Geller, klammheimlich den Soundtrack dazu, der dann konsequenterweise auch Alpenglühen heißt.“ Wie gut, dass wenigstens ein paar der besprochenen Platten zeitlos sind. Welche, können Sie hier herausfinden.


Claudia Brücken

The Lost Are Found von Claudia Brücken, deren furchtbar charmantes Klangverführer-Interview Sie im Januar sicherlich ausgiebig – ich sage nur: 57 Liker! – gewürdigt haben, wurde als Platte des Monats Februar auserkoren. Warum sie zwar Reminiszenzen an die Zeit von Synthpop und New Wave, weckt, aber keinesfalls etwas für Nostalgiker ist, lässt sich bequem hier nachlesen.

Wem der Sinn nach bunter Vielfalt steht, wird in der März-Ausgabe von Victoriah’s Music fündig. Ambient, Pop und vor allem Jazz – und zwar viel Jazz – geben sich hier die Klinke, oder vielmehr: das Mikro, in die Hand. Besprochen wurden die aktuellen Veröffentlichungen von Amatorski, Iris Ornig, Beady Belle, Lisa Bassenge, Ebene Null, East Drive, Melanie Pain und dem Miles Davis Quintet. Müsste ich unter diesen acht einen Favoriten benennen, hielte ich es vermutlich konservativ und optierte für Beady Belle – zweifellos interessant sind aber alle hier vorgestellten Alben. Beispielsweise TBC von Amatorski: „Der Portishead-Vergleiche wird es wohl nie ein Ende geben: Wie erst Monika Roschers Bigband in der Januarausgabe von Victoriah‘s Music, wird auch dem belgischen Quartett Amatorski nachgesagt, auf den Spuren von Beth Gibbons und ihren Mannen zu wandeln. Darüber hinaus möchten die einen einen Anflug von Sparklehorse in dem Bandsound ausgemacht haben, während andere hier eher Einflüsse von Massive Attack oder Ornette Coleman heraushören wollen. Nehmen wir es vorweg: Sie haben alle Recht. Und dann wieder so gar nicht. Der rein instrumentale Opener „Fading“ schleicht sich mit sanften Glockenspielklängen in Moll an, wie man sie auch auf Susanne Sundførs „The Brothel“ hören kann und die man als nachgerade lieblich bezeichnen könnte, würde sich das Ganze nicht über einem zunehmend bedrohlich werdenden Untergrund abspielen. Welche Kreatur auch immer da in der Tiefe ihre Fäden zieht – sie hebt erstmals auf „Soldier“ in Form der distanziert-spröden Stimme von Amatorski-Sängerin, -Keyboarderin, -Gitarristin und -Songwriterin Inne Eysermanns ihren Kopf. Der ätherische Gesang im Duett mit abgründigen Störflächen scheint hier um die Vorherrschaft von Gut oder Böse zu ringen, ganz, als würden sich die Cocteau Twins mit Trent Reznor duellieren.“ Mehr entdecken? Bitte hier entlang!


Allen Stone

Zu guter Letzt ist vor ein paar Tagen dann auch endlich die Besprechung der Platte des Monats März erschienen, die von einem höchst sympathischen jungen Mann stammt, den Sie als treuer Klangblog-Leser natürlich schon längst kennen: Allen Stone. Weshalb sein Klangverführer-Interview bislang erst vierzehn Liker hat, ist eines der großen Welträtsel. Liegt es etwa an den Osterfeiertagen? Falls auch Sie, was unglaublich genug wäre, immer noch nichts von Stones wunderbarem selbstbetitelten Album gehört haben, müssen Sie das ganz schnell nachholen, und zwar am besten hier.

Viel Freude beim Nachhören wünscht Ihnen
Ihr Klangverführer

18. Dezember 2012

Die Schönheit der leicht überschrittenen Mitte

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„Obwohl ich guten Gewissens behaupten kann, dass ‚Never judge a book by its cover‘ einer meiner meistumgesetzten Leitsprüche ist, muss ich ihm in Bezug auf Platten untreu werden. Fakt ist: Es gibt Platten, denen sieht man schon am Cover an, dass sie einem gefallen werden. Mir ging es erst kürzlich mit East Autumn vom Christian Meyers Quintet so: eine Trompete, der Fernsehturm, dezente Farben, dazu meine liebste Jahreszeit, der Herbst – kurzum: diese Platte war schon allein von außen so schön und sprach so Vieles in mir an, dass ich sie unbedingt haben musste!“

So beginnt meine heute erschienene Plattenrezension auf fairaudio.de, die sich mit dem bereits am 2. November erschienenen Debütalbum des Christian Meyers Quintets beschäftigt. Ja, der Herbst hat es mir angetan. Das mag nicht zuletzt an der von Max Goldt postulierten Schönheit der leicht überschrittenen Mitte liegen, in der sich nicht mehr ganz junge Menschen wiedererkennen können. Auch Jazztrompeter Meyers hat es der Herbst derart angetan, dass er gleich ein ganzes Album nach ihm benennt, obgleich er sich für den gebürtigen Rheinländer, wie er im Interviewportrait verrät, hier in Berlin anfühlt wie Winter. Und damit liegen wir mit East Autumn als Platte des Monats Dezember wieder gold(t)richtig.

Lesen Sie, wieso sich East Autumn anfühlt wie aus der Ferne vertraut, weshalb es das Must-Have der Saison ist und warum man davon getrost mehr als ein Exemplar unter den Weihnachtsbaum legen kann – wie immer auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Viel Freude damit und frohes Schenken!

25. November 2012

Kinderlieder können ebenso gruselig sein wie leise Töne laut: Die neue Victoriah’s Music ist da

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„Vor einiger Zeit habe ich mir einen Walkman gekauft. Ich fürchte, es war der letzte seiner Art, denn der Elektronikfachmarkt meines Vertrauens bot nur noch exakt dieses eine Modell an, während die Auswahl an MP3-Playern & Co. schier unüberschaubar war. Die netteste Reaktion von Freunden und Bekannten auf meine Neuerwerbung war ein nachsichtiges Lächeln, die weniger netten Erwiderungen möchte ich hier nicht zitieren, spannt sich ihr Vokabular doch von „weltfremd“ bis zu „völlig spinnert“.

Nun aber hat die Kieler Sängerin Nadja Rüdebusch, ehemalige Frontfrau des Hamburger Quartetts emmy moll, nach „Every Seaman’s Got A Favorite Spaceship“ (2010) mit „There Is Not Enough Space In The Dark“ ihr zweites Album unter dem Projektnamen Binoculers veröffentlicht – und zwar nicht nur als CD, Vinyl und Download, sondern dank des Labels romani ite domum auch als Musikkassette, die nicht nur durch ein eigenes Coverartwork besticht, sondern auch durch den Bonustrack „Come Home“, den man auf den anderen Tonträgern vergeblich sucht. Jegliche Gefühle der Richtung „wer zuletzt lacht“ liegen mir natürlich fern …“

Warum diese Platte auch jenseits der Kassettenversion empfehlenswert ist, was Kiss von Prince mit einem Spinett zu tun hat und warum Zersetzungsprosesse mittels Säure zwangsläufig schmerzhaft sein müssen – dies alles und noch viel mehr steht in der aktuellen Ausgabe von Victoriah’s Music, wie immer auf fairaudio.de, Ihrem liebsten Online-HiFi-Magazin. Besprochen wurden diesmal:

  • Binoculers | There Is Not Enough Space In The Dark
  • David Helbock | Purple
  • Samuel Rohrer | Noreia
  • Zodiak Trio | Acid
  • [re:jazz] | Kaleidoscope
  • Skye | Back to Now
  • Tracey Thorn | Tinsel and Lights
  • La Fons | Am Anfang war das Lied

Viel Freude damit!

31. Oktober 2012

Leben nach der Apokalypse – oder mit der Platte des Monats

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„Privat höre ich nur sehr wenig Musik. Das mag auch einer gewissen Lähmung angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten geschuldet sein – wahrscheinlicher aber ist es, dass ich mit wohltuender Stille den Vielklang der musikalischen Viel(be-)schreiberei zu kompensieren suche. Auf den Plattenteller kommt daher nur, was den Geist freiräumt. Bachs Cellosuiten, beispielsweise. Oder das letzten Mai veröffentlichte The Brothel der jungen Norwegerin Susanne Sundfør, und hier insbesondere der Titeltrack, der zwischen magischen Klangflächen und sphärischen Chorälen eine unbeschreibliche Weite zu schaffen vermag, klanglicher wie geistiger Natur.

Veröffentlicht solch ein auch privat gern gehörter Künstler ein weiteres Album, ist das eine Nachricht, die sowohl Vorfreude als auch Furcht auszulösen vermag. Die Vorfreude ist mit purer Gier schnell erklärt: Hier geht es schlicht um mehr davon. Die Furcht indessen gestaltet sich komplexer: Wird das neue Album an das liebgewonnene alte heranreichen? Wird es einfach nur anders als erwartet sein oder wird es gar enttäuschen? Manchmal dauert es tagelang, ehe man sich an den Nachfolger heranwagt, Tage, in denen, erstarrt zwischen Angriff und Flucht, um das noch fabrikneu eingeschweißte Album herumgeschlichen wird.

[…]“

Wie es weitergegangen ist? Nun, ich habe das Album offensichtlich gehört, denn sonst hätte ich es nicht zur Platte des Monats Oktober 2012 machen können. Und diesen Rang hat es sich verdient, geht es hier doch schließlich um nichts Geringeres als den endgültigen Kampf der Alten gegen die Neue Welt, des Archaischen gegen die Überkultur, des Walds gegen die Technologie, der Steinruine gegen das Silikon, kurz: um Susanne Sundførs zweites Album The Silicone Veil. Viel Spaß damit, wie immer auf fairaudio.de!

24. Oktober 2012

Zwischen Folktronica, altem Wein und neuen Schläuchen: die altuelle Ausgabe von Victoriah’s Music ist da

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„Die Dänen haben es mir momentan angetan. Nach Lasse Matthiessen nun also Sebastian Lind, ein weiterer melancholischer junger Mann mit Gitarre – denn anders kann man jemanden, dessen Debütalbum von den Worten „time has come for me to say goodbye“ („Still Here“) eröffnet wird, nun wirklich nicht bezeichnen. Dabei, so der Musiker, verpacke er die Welt überhaupt nicht grau. Vielmehr läge manchmal „der Spaß unter einer Staubwolke“.

Was I Will Follow seinen melancholischen Anstrich gibt, ist dann auch eher eine atamosphärische Ruhe. Der 23-jährige Lind hat ein hausgemachtes Album vorgelegt, selbst geschrieben, selbst gemischt, selbst produziert. Und hat es gar nicht eingesehen, sich selbst dabei auch nur irgendeine Form von Stress zu machen. So ist eine angenehm zurückgenommene, tiefenentspannte, raumgebende Produktion entstanden, die ihre nahezu meditative Gelassenheit auch dann nicht verliert, wenn es im Untergrund der akustikgitarrenlastigen Songs mal dubsteppig brodelt wie etwa auf „Woods“, für das man am liebsten das Genre Folktronica kreieren möchte.

[…]“

Was man noch so alles möchte und warum, steht in der aktuellen Ausgabe von Victoriah’s Music, die hier auf fairaudio.de erschienen ist. Da gibt es nicht nur einiges zu lesen, sondern auch zu sehen – nämlich einen Einblick in meinen privaten Bücherschrank, genauer: auf meine alten Reclam-Bände. Was diese mit Musikrezension zu tun haben, steht ebenso in Victoriah’s Music wie die Besprechung der folgenden Platten:

  • Sebastian Lind | I Will Follow
  • Cat Power | Sun
  • Holly Cole | Night
  • Robin McKelle & The Flytones | Soulflower
  • Alex Cuba | Ruido En El Sistema
  • Skip & Die | Riots In The Jungle
  • Gabby Young & Other Animals | The Band Called Out For Me
  • Various Artists | Reclam Musik Edition


Gabby Young & Other Animals – bzw. ein other animal

Viel Freude damit!

30. September 2012

Ein Song, dran zu gesunden – die Platte des Monats ist online

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , — VSz | Klangverführer @ 17:32

„Stellen Sie sich vor, die Berlin Music Week – oder eine ähnliche, mehrtägige Großveranstaltung Ihrer Branche – hätte Sie verschluckt und erst gestern wieder ausgespuckt. Und so fühlen Sie sich auch: irgendwie ausgespuckt. Sie haben definitiv zu viele Menschen getroffen, die Tage waren stressig, die Nächte lang. Jetzt brauchen Sie dringend etwas Ruhiges im Soundtrack Ihres Lebens, eine kleine Portion musikalischen Seelenbalsam, wollen dabei aber weder verdummen noch in volkstümlicher Terzseligkeit (oder ihrem modernen Äquivalent: pseudo-trancigen „Dream-Dance“-Sounds) baden. Wenn Ihnen in diesem Zustand Dogs In Spirit in die Hände fällt, das Debütalbum der 27-jährigen Baslerin Anna Aaron, ist das ein Glücksfall im Wortsinne. […]“

Warum das so ist und was es mit Anna Aarons Hunden im Geiste, Seeungeheuern und der Königin des Klanges auf sich hat, steht wie immer hier auf fairaudio.de. Vief Freude damit und einen guten Start in den Herbst!

3. September 2012

Seelenfutter für Tagträumer und Sich-
Fallenlasser: die neue Victoriah’s Music ist da

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , , — VSz | Klangverführer @ 10:29

Lina Liebhund war gerade viereinhalb Wochen bei mir – und hatte in dieser Zeit schon vier Konzerte absolviert: Solch eine hohe Frequenz habe üblicherweise nicht einmal ich, sind Konzertbesprechungen in meinem Alltag doch eher die Kür, wo Plattenbesprechungen die Pflicht sind. Lasse Matthiessen aber, den ich gerade erst im Juli in Leipzig gehört hatte, ist es gelungen, mich – und eine sich unmittelbar vor Konzertbeginn im nahegelegenen Park in Kacke gewälzt habenden und dann notdürftig unter einem Hinterhofswasserhahn gereinigten, aber immer noch stinkenden Lina – zu seiner Show ins b-flat in die Rosenthaler Straße zu locken, was aber zugegebenermaßen nicht sonderlich schwer war, da mich der melancholische Poet vorher schon mit seiner Musik verführt hatte. Um die bzw. seine neue Platte Dead Man Waltz geht es dann auch in der aktuellen Ausgabe von Victoriah’s Music auf fairaudio.de.


Schöne Dinge kommen in schönen Briefen.

Verführen lassen können Sie sich aber auch direkt hier mit einem Live-Mitschnitt von Matthiessens Dead Man Waltz aus dem b-flat. Trotz des Lina-Debakels war es ein wunderschöner Abend!

Sie wollen den Singer/Songwriter auch live in Berlin sehen? Das ist kein Problem, wenn Sie noch etwas Geduld haben: Am 25. November spielt der sympathische Däne im Roten Salon.

Um sich von pupsenden Blasinstrumenten verwirren, von verjazztem Traditionsliedgut bezaubern und vom x-ten Nina-Simone-Tribut ärgern zu lassen, brauchen Sie allerdings keine Geduld, denn all das und mehr – wie etwa das Erreichen der nächst-höheren Chill-Ebene, die das Wohnzimmer, egal welchen Möbelstil man persönlich auch immer bevorzugt, plötzlich in einen Ort voller Rattanliegen, Seegraskörbe und weißer Hochflorteppiche verwandelt – erwartet Sie mit den neben Dead Man Waltz in Victoriah’s Music besprochenen sieben anderen Platten. Das sind diesmal

  • Esther Kaiser & Claus-Dieter Bandorf | Sternklar
  • Erika Stucky | Stucky Live (1985 – 2010)
  • Josete Ordoñez | Piedras y Rosas
  • Malia | Black Orchid
  • Sophie B. Hawkins | The Crossing
  • Chilly Gonzales | Solo Piano II
  • Various Artists | Electrospective. Electronic Music since 1958


Sophie B. Hawkins ist zurück und hat ein Cello im Gepäck

Lesen können Sie das Ganze wie immer hier auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. (Nach-)Hören müssen Sie aber selber.
Viel Freude dabei und einen tollen Start in den meteorologischen Herbst wünscht
Ihr Klangverführer

6. August 2012

Das Kirsch-Ding oder: Free-Jazz für Einsteiger

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , — VSz | Klangverführer @ 09:30

Wer 1988 Ohren hatte, kam um Buffalo Stance nicht herum. Auch heute muss ich nur kurz die Augen schließen, schon hallt der „Who’s looking good today? Who’s looking good in every way? No style rookie/You better watch don’t mess with me”- Refrain durch meinen Kopf, und auch das Video – inklusive entsprechender Pose: den verschränkten Armen – lässt vor meinem geistigen Auge nicht lange auf sich warten. Die Mischung aus HipHop und nervigen Achtziger-Acid-Keys war damals hochgradig angesagt – heute erkennt man daran lediglich das Alter des Stücks. Und ist geneigt, hier allenfalls einen Vorläufer von TripHop oder Drum&Bass zu sehen. Auf dem Debütalbum Raw Like Sushi von Neneh Cherry gab es allerdings mehr als nur Buffalo Stance, zum Beispiel Manchild oder Inna City Mama, und selbst wer mit diesem absolut urbanen Sound wenig am Hut hatte, konnte nicht umhin zuzugeben: Das ist echt gut.

Was nicht wirklich verwundert, wurde das Album damals doch von Cameron McVey produziert, der auch für Massive Attacks Blue Lines und Portisheads Dummy verantwortlich zeichnete – und ganz nebenbei Cherrys Ehemann war und ist. Ihr Folgealbum Homebrew, eine Abkehr vom Dance-Sound, verschwand wenig beachtet in der Versenkung, aber spätestens seit ihrem dritten Album Man mit dem grandiosen Marvin-Gaye-Cover Trouble Man (und Golden Ring! und Everything! und und und!) steht Neneh Cherry auf der Liste meiner persönlichen Lieblingskünstlerinnen ganz oben. Daran konnte auch das extrem populäre 7 Seconds, ein Duett mit dem senegalesischen Musiker Youssou N’Dour, nichts mehr ändern, obgleich dieser Hit Cherry, die bislang eher als „a musician’s musician“ gegolten hat, dem Ruch des Mainstreams nahebrachte. 2007 kam dann das CirKus-Projekt, mit dem die „Genre-Mama“ (laut.de) mal wieder feinsten TripHop – für alle, die den Begriff nicht mögen: Bristol Sound – zu Gehör brachte, und dann kam erst einmal nichts. Umso mehr schlug die Nachricht, dass Cherry mit den Punk-beeinflussten schwedischen Free-Jazzern The Thing im Studio steht und genau das, nämlich Free Jazz, macht, wie eine Bombe ein.

Was daraus geworden ist, steht wie immer auf fairaudio.de, Ihrem Lieblings-Online-HiFi-Magazin. Viel Freude damit!

10. Juli 2012

Total Reset unterm Bett – die neue Ausgabe von Victoriah’s Music ist da

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: — VSz | Klangverführer @ 09:59

Es gibt diese Sommersonntage, an denen es zwar recht warm ist, aber die Sonne versteckt sich, und es ist drückend und diesig. Auch die Stimmung ist irgendwie gedrückt und diesig. Mensch fühlt sich gelähmt, als hätte er die letzten drei Nächte durchgefeiert und vergessen, dass er keine fünfundzwanzig mehr ist. Musik ist jetzt das Letzte, wonach ihm der Sinn steht. Aber die Stille scheint ihm mindestens ebenso unerträglich. Ein Spaziergang könnte helfen – allein, dazu motivieren kann er sich nicht. Dies sind die Sonntage, die unfreiwillig im Bett verbracht werden. Stündlich wird die Stimmung schlechter, denn eigentlich müsste ja der Haushalt … und der Papierkram … und überhaupt! Stündlich wird es unwahrscheinlicher, dass all das Vorgenommene noch schaffbar ist. Mensch wird wütend auf sich selbst, doch aus dieser Wut entsteht kein Energieschub. Vielmehr lässt er sich resigniert in die Kissen sinken und wünscht sich einen roten Knopf unter dem Bett herbei, der mit „total reset“ beschriftet ist. Ein neues Leben, das wär’s!

Was hier abgesehen von dem Knopf unterm Bett Abhilfe schaffen kann? Anna Luca und ihr luftig-leichtes Album Listen and Wait. Außerdem besprochen wurden in der aktuellen Ausgabe von Victoriah’s Music

  • DePHazz | Audio Elastique
  • MisSiss | Soulistics
  • BudZillus | Auf Gedeih und Verderb
  • Alex Clare | The Lateness of the Hour
  • Pavlov Stelar | The Princess
  • Kira | Memories of Days Gone By
  • und

  • Jeanette Hubert | On The Run

wie immer auf fairaudio.de, Ihrem LIeblings-Online-HiFi-Magazin.

16. Juni 2012

Die Soulqueen zwischen Buchdeckeln – eine tierische Lektüre bedarf einer tierischen Lektürehilfe

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , — VSz | Klangverführer @ 13:52

Schon die letzte Ausgabe von Victoriah’s Music beschäftigte sich mit der Queen of Soul, und immer noch kann ich nicht von ihr lassen, denn schließlich muss jemand, der es geschafft hat, dass sein Ehrentitel wie selbstverständlich in den popkulturellen Kanon eingegangen ist, diesen vermutlich zu recht tragen. Diesmal wandere ich gemeinsam mit Popbuchautor Mark Bego auf den Spuren des Phänomens Aretha Franklin – und zwar im Rahmen einer Rezension der von ihm verfassten Biographie „Aretha Frankling. Queen of Soul“, die gerade in der Reihe edel Rockbuch eine um einige Kapitel ergänzte Neuauflage erlebt.

Weshalb das Buch mehr Disko- denn Biographie ist, was daran freut und was außerordentlich stört und weshalb ich dieser sensiblen Festschrift eine würdigere Verpackung gewünscht hätte, steht hier auf fairaudio.de. Viel Spaß beim Lesen der Buchrezension – und dann vielleicht auch bei der Lektüre des Buches selbst.


Wurde mir am Wochenende nach Kopfhörerhunds Beerdigung zum Trost geborgt – und machte seinen Job ganz hervorragend: Lesehilfehund Pogo

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