16. November 2011

Schweinerock mit Wechselbass

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: — VSz | Klangverführer @ 09:54

Schon an der Überschrift merkt der geübte Klangblog-Leser, dass ER wieder da ist. Genau: Bassplayerman ist wieder aus seiner Versenkung aufgetaucht, um einen musikalischen Abend kurz und bündig in drei Worten zusammenzufassen. Wobei „Schweinerock“ hier eine der höchsten Formen des Kollegenkompliments – von musizierendem Graphiker an musikzierende Graphiker – darstellt. Yee Haw!

Worum geht es? Nachdem ich tagsüber im White Trash ein zwar kurzes, aber nichtsdestotrotz informatives und vor allem charmantes Interview mit den BossHoss-Frontmännern Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer geführt hatte, gab es abends eine feine Promoveranstaltung für ihre in Texas gedrehte Dokumentation, vor allem aber für das am 25. November 2011 erscheinende Album Liberty of Action. Da gibt es – klar – wieder einige Cover-Versionen im Country- und Rockabilly-Style zu hören, wobei das Spektrum von nat King Cole über die Beatles bis zu Rammstein reicht -, vor allem aber neue Eigentkompositionen, die die Berliner Jungs so vielfältig wie noch nie zeigen. Allein die wunderbare Vorabsingle Don’t Gimme That mit ihrem wummernden Pianoriff, das sich als Schlagzeug versucht, ist erst einmal nicht das, was man von der Band erwartet hätte: Mich erinnert das fette Groove-Monster an die jüngste Veröffentlichung der Gorillaz, Bassplayerman hört Peter Fox – und tatsächlich: Seeds Ding ist nicht weit von Don’t Gimme That. Country-Rock’n’Roll mit einem HipHop-Beat? Egal, das Ding groovt und packt einen mit dem allerersten Takt. Mein absoluter Liebling im Moment!


The BossHoss — Don't Gimme That – MyVideo

Die Zeit, bis das Album – und das Interview auf fairaudio – erscheint, können sich Klangblog-Leser mit dieser kleinen Fotostrecke vertreiben – und natürlich mit der Single Don’t Gimme That, die man in diesem Herbst einfach haben MUSS.


Erst die Arbeit …


… dann das Vergnügen!


Und im März nix wie hin inne Halle vom ollen Schmeling sein Maxe!

21. Mai 2011

Handyfotos aus dem Untergrund: Major Parkinson spielen im White Trash

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , — VSz | Klangverführer @ 09:43

Der Deal war überaus Klangverführer-freundlich: Bassplayerman bekommt ein Plätzchen auf der Gästeliste und damit die Möglichkeit, seine dunkle Metalhead-Seite auszuleben, ich bekomme ein Tofu Masala und die Getränke des Abends. Auch der musikalische Unterhaltungsteil war Klangverführer-freundlich, selbst wenn böse Zungen – okay, eine böse Zunge in Gestalt von Bassplayerman – behaupten, Major Parkinson seien eigentlich nur eine Speed-Metal-Band, denen jemand ein paar Popsongs geschrieben und sie auf die Bühne gestellt hätte.* Tatsächlich höre ich hier aber mehr Hardrock als Metal; Major Parkinson grooven einfach zu sehr, um eine reine Metal Band zu sein. Da ist zu viel Polka, zu viel Ska, schlicht: zuviel Rhythmus irgendwo ganz unten in ihrer Musik, wobei „zu viel“ hier im durchweg positiven Sinne zu verstehen ist!

Nimmt man Everlast – und ich meine nicht den jüngsten, à la Cat Stevens zum Islam konvertierten Everlast, sondern den Everlast aus guten alten House of Pain- und Eat at Whitey’s, Whitey Ford Sings the Blues bzw. White Trash Beautifu-Zeiten – und paart ihn mit Guns N‘ Roses, die irgendwann Anfang der Neunziger ja verlautbaren ließen, dass sie keine Metal-Band seien, sondern recht eigentlich Hard Rock auf einer R’n’B-Basis spielten, und fügt dem noch eine gute Prise Lordi – ja, die irren Finnen, die 2006 den Eurovision gewonnen haben – hinzu, dann ist man Major Parkisnon schon ziemlich dicht auf der Spur.

Die schrecken nicht mal davor zurück, Leonard Cohens Hallelujah zu covern; und ich weiß nicht, ob ich dem Sänger meinen Bierbecher an den Kopf werfen und lauthals „Sakrileg!“ brüllen oder ob ich das total genial finden soll. Wer mir von diesem Song einen Mitschnitt, ob als Video- oder Audio-Datei liefert, hat einen CD-Wunsch frei – ich konnte ihn leider nirgendwo im Netz finden. Von dem Abend habe ich nur ein par Handyfotos gemacht:

Mal ganz der Major, mal Working Class Hero: der immer wieder in wilde Zuckungen verfallende hünenhafte Sänger von Major Parkinson mit der bemerkenswert rauhen Stimme irgendwo zwischen Tom Waits und Faith No More – oder anders ausgedrückt: zwischen Rock und Psychose, Schönheit und Groteske, Zirkus und menschlicher Zwiespältigkeit. Eine großartige Show, ach was, Show: ein großartiges Spektakel mit Musikern, die allesamt etwas können. Und das Mac Book auf der Bühne darf natürlich auch nicht fehlen … Die beiden bislang auf Waggle-Daggle/Broken Silence erschienenen Alben, Major Parkinson (2009) und Songs From A Solitary Home (2010) machen auch großen Spaß, aber diese irren Norweger muss man einfach live erlebt haben!

Major Parkinson wurden von der Produzentin Sylvia Massy (u.a. Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash) auf Myspace* entdeckt und zu ihrer neuen Lieblingsband auserkoren. In Massys RadioStar Studios in Los Angeles ist dann auch das Debütalbum entstanden, von der Presse als „krude Mischung aus Mr. Bungle, QOTSA und Tim Burton“ gelobt. Das ist schräg; und live machen Major Parkinson auch keine Gefangenen. Ein großes Dankeschön an Waggle Daggle: Nicht nur Sylvia Massy hat jetzt eine neue Lieblingsband.

* Böse Zunge by Bassplayerman, die Zweite: Wir reden über soziale Netzwerke, ich will etwas zu Myspace sagen, komme aber nicht auf den Namen. Frage: „Wie heißt noch mal das mit M, was früher für Musiker so wichtig war?“ – Bassplayerman: „Musik?“

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