10. Juli 2010

Happy Birthday!
Fundstück des Monats: Mavis Presented By Ashley Beedle

Filed under: Klangblog — Schlagwörter: , , — VSz | Klangverführer @ 10:00

Nicht nur ich habe heute Geburtstag, sondern auch eine der großartigsten Soul- und Gospelsängerinnen alles Zeiten: Mavis Staples! Allerdings feiert die Dame bereits ihren Einundsiebzigsten, das ist bei mir dann doch noch eine Weile hin … Wer Frau Staples nicht aus seligen Staples-Singers-Zeiten der Stax-Ära kennt, dem ist sie vielleicht seit Prince‘ 1990er-Album Graffiti Bridge ein Begriff, wo sie Songs wie das wunderbare Melody Cool mit ihrem gewaltigen Organ veredelte. Auch veröffentlichte sie auf dem Label des Meisters, Paisley Park Records, zwei eigene Alben: Time Waits For No OneThe Voice (1993). Ihre mehr als 40-jährige Karriere gipfelte voriges Jahr in der Veröffentlichung des grandiosen Albums Live: Hope at the Hideout. Am 14. September 2010 wird ihr neues, von Jeff Tweedy produziertes Soloalbum You Are Not Alone, auf Anti erscheinen. Es ist ihre zweite Studio-Veröffentlichung für das Label; doch schon die Feuerprobe We’ll Never Turn Back dürfte 2007 bei dem einen oder anderen dafür gesorgt haben, mal wieder die alten Stax-Scheiben zu entstauben.

Zumindest ging es dem Produzenten und DJ Ashley Beedle so. Als dieser sich mit seinem musikalischen Partner Darren Morris vor drei Jahren durch die alten Staples Singers-Platten hörte, war er so beeindruckt, dass er anschließend direkt ein vom Staples-Sound inspiriertes Instrumental einspielte – schließlich war Mavis Staples für Beedle schon immer eine Ikone: „Sie ist wie Klebstoff, der unsere musikalische DNA zusammenhält.“ Und so schickte er das fertige Instrumental an etablierte Vokal-Künstler wie Lambchop’s Kurt Wagner, Candi Staton, Ed Harcourt, Edwyn Collins, Cerys Matthews und die göttliche Sarah Cracknell (Saint Etienne), aber auch an junge Talente wie Danielle Moore, John Turrell von Smoove & Turrell, Disa aus Reykjavik oder Dear Reader’s Cherilyn MacNeil aus Südafrika, damit sie dem Stück ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken können. Danach passten Ashley und Darren die Musik jedes Tracks der von dem jeweiligen Sänger kreierten Stimmung an. Herausgekommen ist das Album Mavis Presented By Ashley Beedle, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es so gut ist, als ich darüber las!

Beedle ist nicht weniger gelungen, als den Spirit der Staples ins neue Jahrtausend zu tragen. Wenn dieses Jahr nichts mehr kommt, hat Mavis das Zeug, meine Lieblingsplatte des Jahres zu werden. Damit stünde sie in einer Reihe mit The Blue God von Martina Topley Bird (2008) und Live in London von Leonard Cohen (2009). Wohl nicht die schlechteste Fortsetzung … Alle Tracks auf Mavis sind uneingeschränkt hörenswert. Ein drei-Uhr-morgens-Album mit einem langsamen, basslastigen, bekifften Sound, das sich der sanfteren – ja, ich möchte sagen: romantischen – Seite der Staples widmet. Kurt Wagners Interpretation von Gangs of Rome geht ebenso unter die Haut wie Sarah Cracknells Heartbreak Song. Am allerliebsten mag ich persönlich allerdings Candi Stations Revolution. Das scheint den Jungs bei !k7 auch so gegangen zu sein, haben sie davon doch liebenswürdigerweise gleich zwei Versionen auf das Album gepackt – nämlich zusätzlich zur Albumversion auch noch den Heavy Soul Extendes Mix. Toll! „Hör zu“, schreibt der englische Musikjournalist und -produzent Paul Morley über Mavis, „Träume von Mavis, viele Sänger, verwandte Seelen, mit liebevoller Hand verlesen, nie zuvor gesehen, Gefühle tauschend, von LIed zu Lied, von Ort zu Ort, ihre Mavis findend, sie liebend, preisend, die Art wie ihre Hände wippten, wie ihr Atem floss, ihre rebellische Klugheit, ihr Glaube, ihre Trauer, ihr Vertrauen, ihr inneres Geheimnis; die Stadt, welche sie baute; die Berge, die sie versetzte; die starken schönen Songs, welche sie sang; aus dunklen Schatten und grellem Licht, Ruinen und Fragmenten.“ Dem bleibt nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht: Vielen Dank für dieses schöne Geburtstagsgeschenk.

Und noch etwas habe ich bekommen: Ein Konzertkarte für Leonard Cohen.
Weshalb es davon aber höchstwahrscheinlich trotzdem keine Live-Kritik geben wird, steht hier.


Wenn schon nicht die ganze Welt, so spiegelt sich in Cohen zumindest der Alexanderplatz!


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