Keine Beziehungsarbeit - klangverführer | Musik in Worte fassen
Keine Beziehungsarbeit

Keine Beziehungsarbeit

Keine Beziehungsarbeit

Es gibt Paare, die sprechen von Beziehungsarbeit.
Als wäre da etwas zu leisten, zu reparieren, zu verhandeln.

Ich habe dieses Wort nie ganz verstanden.

Vielleicht, weil ich Arbeit kenne.
Und weil ich Beziehung kenne.
Und weil ich beides nicht verwechsle.

Wir arbeiten zusammen.

Das heißt nicht, dass es immer leicht ist.
Aber es heißt, dass wir wissen, wann wir arbeiten —
und wann nicht.

Dass wir hören, wenn etwas noch kein Text ist.
Dass wir sehen, wenn ein Bild noch nicht fertig ist.
Dass wir den Moment erkennen, in dem es kippt.

Nicht in die falsche Richtung.
Sondern in die richtige Form.

Manchmal sitze ich am Schreibtisch und ringe um einen Satz,
der sich weigert, sich festlegen zu lassen.
Er steht da, halb gedacht, halb gefühlt,
und ich weiß: Wenn ich ihn jetzt zwinge, wird er schlechter.

Dann lasse ich ihn.

Und irgendwann ist er da.

Zur gleichen Zeit — oder Stunden später, oder am nächsten Tag —
steht ein Bild im Raum,
das genau diesen Satz kennt.

Nicht illustriert.
Nicht erklärt.
Sondern versteht.

Das ist kein Zufall.

Das ist auch kein Geheimnis.

Es ist etwas, das entsteht,
wenn zwei Menschen lange genug neben-, nein, viel besser noch: miteinander arbeiten,
ohne sich dauernd zu erklären.

Andere nennen das vielleicht Vertrauen.
Oder Intuition.

Ich würde sagen:
Es ist eine Arbeitsbeziehung.

Eine, in der man sich nicht ständig versichert,
sondern sich verlässt.

In der nicht alles ausgesprochen werden muss,
weil genug gehört wird.

In der das Ergebnis nicht aus Abstimmung entsteht,
sondern aus einem gemeinsamen Takt.

Wenn wir für Künstlerinnen und Künstler arbeiten,
dann bringen wir genau das mit.

Kein fertiges Konzept.
Kein übergestülptes Narrativ.

Sondern ein Hören.
Ein Sehen.
Und die Bereitschaft, zu warten, bis etwas wirklich da ist.

Und dann:
ein Text, der sagt, was gesagt werden will.
Ein Bild, das zeigt, was nicht gesagt werden kann.

Vielleicht ist das der Unterschied.

Wir arbeiten nicht an Beziehungen.
Wir arbeiten in ihnen.

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